Mit 25 Jahren Trainer beim Rather SV Das Leben von Emre Yeni zwischen Tonstudio und Fußballplatz

Düsseldorf · Mit 25 Jahren hat Emre Yeni überraschend das Traineramt beim Fußball-Bezirksligisten Rather SV übernommen. Neben dem Sport verfolgt er noch eine zweite große Leidenschaft – die Musik. Yeni ist hauptberuflich Rapper.

 Emre Yeni, Trainer beim Fußball-Bezirksligsten Rather SV.

Emre Yeni, Trainer beim Fußball-Bezirksligsten Rather SV.

Foto: Emre Yeni

In der Künstlerszene hat sich Emre Yeni bereits einen Namen gemacht. Der 25-Jährige ist hauptberuflich Musiker. Nun schickt sich der Rapper aus Düsseldorf an, auch im hiesigen Amateurfußball Spuren zu hinterlassen. Beim Rather SV hat Yeni kürzlich den Posten des Cheftrainers beim abstiegsbedrohten Bezirksliga-Team übernommen. Und schon nach wenigen Wochen stellen sich erste Erfolge ein. Mit dem Sieg bei der DJK Sparta Bilk und dem Unentschieden gegen den großen Meisterschaftsfavoriten FC Kosova landete der RSV zuletzt nicht nur zwei faustdicke Überraschungen in Folge, sondern verließ zugleich auch die Abstiegsränge.

Yeni kann die Skepsis nachvollziehen

Auch wenn es bis zum angestrebten Saisonziel Klassenerhalt noch ein weiter Weg ist, dürften die Verantwortlichen in Rath aktuell so etwas wie Genugtuung empfinden. Schließlich wurde der Klub schon ein Stück weit belächelt, als er die Beförderung von Yeni bekannt gab. Ausgerechnet ein Novize, der bis dahin nur wenige Monate Erfahrung als Trainer einer in der Kreisliga C angesiedelten Dritten Mannschaft aufwies, solle das Bezirksliga-Team aus dieser prekären Situation herausführen? Auch Emre Yeni kamen diese spöttischen Stimmen zu Ohren. Sie stießen bei ihm sogar auf Verständnis. „Ich kann die Leute verstehen. Ich hätte auch gefragt, ob man mich auf den Arm nehmen wolle, wenn man mir als Spieler vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ein 25-Jähriger ohne große Erfahrung das Traineramt übernimmt“, betont er.

Sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, ist eine Maxime des neuen Rather Trainers. So reifte in ihm auch schnell der Entschluss, einen weiteren Coach mit an Bord zu nehmen. Mit Cihan Yildirim fand er die passende Ergänzung. „Wir verstehen uns nicht nur gut. Cihan hat früher selbst in der Junioren-Bundesliga gespielt, ist ein paar Jahre älter als ich und hat als Trainer auch schon mehr Erfahrung gesammelt. Davon können die Mannschaft und ich nur profitieren“, schildert Yeni. Gemeinsam nahm das Trainer-Duo vor dem Spiel gegen Sparta Bilk auch die entscheidenden taktischen Korrekturen vor. „Meine Idee von Ballbesitz-Fußball brachte leider keine Punkte, weil wir nicht die nötigen Spieler dafür haben. Seitdem wir auf Konter spielen, läuft es wesentlich besser“, sagt Yeni.

Stürmer Arlind Sulejmani überzeugt auch in der Bezirksliga

Für den Aufschwung in Rath ist auch ein Akteur verantwortlich, der wie sein Trainer kürzlich noch in der Kreisliga C gekickt hat. In seinen fünf Einsätzen für die „Erste“ traf Arlind Sulejmani schon dreimal. „Er ist körperlich noch nicht bei hundert Prozent, macht aber trotzdem die Tore“, schwärmt Yeni von seinem Schützling. Überrascht ist der Coach von der Quote seines 24-jährigen Angreifers genauso wenig wie von der positiven Entwicklung der ganzen Mannschaft. „Ich wusste von Anfang an, dass wir die Qualität haben, um die Abstiegsränge zu verlassen“, sagt Yeni, der sich in seiner knapp bemessenen Freizeit zwischen Tonstudio und Fußballplatz noch mit Boxen fit hält.

Durchboxen will sich in den verbleibenden Partien bis zur Winterpause auch noch der Rather SV, für den es in diesem Kalenderjahr noch zum TV Kalkum-Wittlaer (Sonntag, 15.30 Uhr) und gegen den TSV Eller 04 geht. „Ich habe den Jungs bei meiner Antrittsrede gesagt, dass wir nichts zu verlieren haben und gemeinsam einfach versuchen sollen, Woche für Woche das Beste herauszuholen. Dabei bleiben wir auch“, betont Yeni, der auch in der Kabine für einen Stimmungsumschwung gesorgt hat. „Die Unruhe, die anfangs herrschte, ist vorbei. Wir werden immer mehr zu einer kleinen Familie.“

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