Lokalsport: Kollegen und Kontrahenten

Lokalsport: Kollegen und Kontrahenten

Innerhalb weniger Wochen spielen die Tischtennis-Asse Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov gemeinsam und gegeneinander um große Titel.

Ende April machen sie gemeinsame Sache, Mitte Mai sind sie Gegner. Borussias Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov vom TTC Fakel Gazproma Orenburg stehen bei der Tischtennis-Mannschafts-WM (29. April bis 6. Mai) im schwedischen Halmstad gemeinsam in der Auswahl des Deutschen Tischtennis Bundes (DTTB). Wenig später dann treffen der 16malige Europameister Boll und der achtmalige kontinentale Titelträger Ovtcharov mit ihren jeweiligen Klubmannschaften im Finale der Champions League aufeinander.

Nur: Ob Ovtcharov bei beiden oder auch nur einem der beiden Events dabei sein wird, steht noch in den Sternen. Eine hartnäckige Hüftverletzung zwang den Ex-Borussen schon zur Absage der deutschen Einzelmeisterschaften, des World Team Cups und der Qatar Open. Den ersten Härtetest bei den German Open Ende März musste "Dima" schon im ersten Match gegen Patrick Franziska abbrechen. "Wäre das Turnier nicht in Deutschland und die Anreise nicht so kurz gewesen, hätte ich nicht gespielt", sagte Ovtcharov. Je länger sein Auftaktmatch dauerte, desto mehr Schmerzen hatte der 29-Jährige. "Es machte keinen Sinn mehr, weiterzuspielen", erläuterte er frustriert. Auf das Halbfinal-Rückspiel seines Klubs in der europäischen Königsklasse gegen Sporting Club de Portugal verzichtete Ovtcharov vorsichtshalber. "So eine Hüftverletzung, besonders wenn eine Entzündung mit im Spiel ist, kann lange dauern", erklärt Borussias Vorsitzender Fritz Wienke. Seine Aussage ist profund, ist Wienke doch Arzt und seit 1985 ärztlicher Ratgeber seines Vereins.

DTTB-Sportdirektor Richard Prause aber ist zuversichtlich. "Dimitrij hat noch genug Zeit, wieder fit zu werden, und er ist erfahren genug, auch mit einer kürzeren Vorbereitungszeit in WM-Form zu kommen", sagt Prause. "Außerdem bietet ja auch die WM selbst mit Gruppenphase und anschließenden K. o.-Matches Gelegenheit, sich in das Turnier zu finden."

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Boll und Ovtcharov sind die beiden entscheidenden Faktoren, dass die DTTB-Auswahl bei der WM noch vor den scheinbar übermächtigen Chinesen an Nummer eins gesetzt ist. Für die Setzung ist die Weltrangliste vom März entscheidend, und da war Boll die Nummer eins, Ovtcharov die drei. Bundestrainer Jörg Roßkopf nominierte für Halmstad zudem die Ex-Borussen Bastian Steger (Bremen) und Patrick Franziska (Saarbrücken) sowie Abwehrass Ruwen Filus (Fulda). "Wir haben einen sehr starken Kader. Jeder will spielen", freut sich Roßkopf.

Auch die anderen Borussen sind bei der WM aktiv. Für Österreich ist der zuletzt stark aufspielende Stefan Fegerl im Einsatz, die Gastgeber greifen auf die Düsseldorfer Kristian Karlsson und Anton Källberg zurück. Auch der zukünftig für die Borussia spielende Omar Assar ist für Ägypten in Halmstad im Einsatz.

Der Champions-League-Finalgegner ist ebenfalls in voller Mannschaftsstärke in Schweden. Die Ex-Borussen Jun Mizutani und Vladimir Samsonov sind für Japan beziehungsweise für Weißrussland dabei, Dennis Ivonin steht im russischen Aufgebot. Alexey Liventsov allerdings kann sich in Ruhe auf das Finale vorbereiten. Er kam als Ovtcharov-Ersatz gegen die Portugiesen zum Einsatz und gewann, wurde aber für die Team-WM nicht nominiert. So sind die Voraussetzungen beim Griff nach der europäischen Krone im Vereins-Tischtennis für beide Finalisten nahezu identisch.

(RP)
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