Fechten : Kleibrinks erstaunliches Comeback

Der Fechter aus Düsseldorf hatte seine Karriere schon beendet. Nach seiner Rückkehr ist er nun auf dem besten Weg zu den Olympischen Spielen.

Sein Ziel ist klar definiert. Fechter Benjamin Kleibrink (Deutscher Fecht Club Düsseldorf/DFCD) will zu den Olympischen Spielen 2020 in Japans Hauptstadt Tokio. „Zurzeit sieht es dafür gut aus“, meint der gebürtige Düsseldorfer. „Aber der Qualifizierungszeitraum läuft noch bis April 2020, da kann noch viel passieren.“ In der Olympia-Quali-Einzelrangliste ist der Florettfechter aktuell Zweiter und belegt damit genau den Platz, den man zur Olympiateilnahme als Einzelkämpfer braucht.

Einfacher wäre es, wenn sich das bundesdeutsche Florett-Team nach Tokyo fechten würde. Denn drei Fechter der Mannschaften sind automatisch für die Einzelwettbewerbe qualifiziert. Doch derzeit ist die Nationalmannschaft mit Kleibrink Neunter der Qualifikationswertung. Die ersten vier sind sicher bei Olympia dabei (derzeit USA, Frankreich, Korea,Italien), dazu kommt pro Kontinent noch die nach den Top vier am besten gerankte Nation. Weil Russland für Europa auf Platz sechs steht, wäre Deutschlands Florett-Team nicht dabei. „Es gibt noch fünf Weltcups, die für die Olympia-Rangliste gewertet werden. Noch ist nichts entschieden“, so Kleibrink. Dass er das Ticket nach Japan lösen kann, dafür hat er in der letzten Zeit einige Beweise vorgelegt. So stand er bei der Fecht-Europameisterschaft in Düsseldorf mit dem Florett-Team auf dem Silberpodest, war Dritter beim Worldcup-Turnier in St. Petersburg und schied kürzlich beim „Löwen von Bonn“ erst im Viertelfinale aus.

Er weiß bereits jetzt, dass er beim „Felix Award (Kürung der „NRW-Sportler des Jahres“), für die die Florett-Nationalmannschaft aufgrund der Silbermedaille bei der Fecht-Europameisterschaft nominiert wurde, nicht wird mitfeiern können. „Selbst wenn wir gewinnen sollten, kommen wir nicht“, konstatiert Kleibrink. „Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil wir nicht können. Am 13. Dezember sind wir nämlich beim Weltcup in Tokio und wollen weitere Punkte für die Olympiaqualifikation sammeln.“ Neben Tokio stehen bis März 2020 dann noch die Reisen nach Paris (Frankreich), Kairo (Ägypten), Turin (Italien) und Anaheim (USA) auf Kleibrinks Qualifikations-Programm.

Die Spiele in Tokyo wären seine dritten. Vergleichsweise wenig für einen Sportler, der seit 2006 in der Weltklasse mitmischt. Aber nach Einzel-Olympia-Gold 2008 und Mannschafts-Bronze 2012 hatte Kleibrink im Alter von erst 27 Jahren seinen Rücktritt vom Sport erklärt, machte seinen Master in Betriebswirtschaft und fing an zu arbeiten.

„Mit 27 hat mir das Fechten nicht mehr so viel Spaß gemacht, nicht mehr so viel Freude bereitet. Genau kann ich es nicht erklären, aber irgendwie wollte ich etwas Anderes machen“, so Kleibrink. „Nur habe ich relativ schnell festgestellt, dass ich dann doch lieber dem Fechten treu sein will und bin wieder in den Leistungssport eingestiegen.“

Drei Jahre war der heute 34-jährige Pizzaliebhaber raus. 2016 stand er bei internationalen Turnieren wieder auf der Fechtbahn und erlebte in China Schreckensmomente. Nach dem Grand Prix in Shanghai wurde er nach einem Restaurantbesuch von einem europäischen Touristen hinterrücks angegriffen und lag mit einem Schädel- Hirn-Trauma im Krankenhaus.

Das ist alles ausgestanden und der Sprung zurück an die deutsche Spitze gelang, wie der deutsche Meistertitel 2019 zeigt. „Der Weg zurück an die Weltspitze ist deutlich länger. Das würde ich gerne bei den Spielen in Tokio geschafft haben“, gesteht Kleibrink lächelnd.

Weil der „ächte Düsseldorfer Jong“, der am St.-Ursula-Gymnasium sein Abitur machte, dafür viel um die Welt reist, ist er selten in seiner Geburts- und Heimatstadt. Und weil der Sportsoldat meist in Tauberbischofsheim oder Bonn trainiert und derzeit sein Diplom-Trainerstudium an der Trainerakademie in Köln absolviert, wird sein Aufenthalt in der Düsseldorfer Wohnung noch seltener. „2014 bin ich wieder nach Düsseldorf gezogen“, verrät Kleibrink. „Es ist meine Basis aber oft genug nur Durchgangsstation.“