Judo :  JC 71-Trainer gehen die Kämpferinnen aus

Dem Judoverein ist das Damen-Team für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft abhanden gekommen.

Peter Schlatter ist frustriert. Der Trainer der Bundesliga-Damen des Judo-Clubs 71 (JC 71) ist bereits seit zwei Wochen auf der Suche nach ­einem Team für die Endrunde um die deutsche Meisterschaftschaft (9. November) in Wiesbaden. Als Dritte der Damen-Bundesliga Staffel Nord hat sich der JC 71 für den Kampf ­gegen den Süd-Zweiten TSV ­Backnang qualifiziert. Doch noch weiß Schlatter nicht, mit wem er in die Kämpfe ziehen soll. Auf seine Anfragen hagelt es reihenweise Absagen. 20 Namen stehen auf der JC 71-Kaderliste, neun Damen müssen laut Wettkampfordnung des Deutschen Judo Bundes (DJB) 14 Kämpfe in sieben Gewichtsklassen bestreiten.

„Einige haben sich verletzt, andere sind beruflich verhindert, wieder andere sind im Ausland. Und einige unserer Ausländerinnen sind bereits im Olympia-Fieber und erhalten keine Freigabe durch ihre jeweiligen Nationaltrainer“, erläutert Schlatter. „Das wird noch lustig. Ich weiß nicht, ob ich eine komplette Mannschaft zusammenkratzen kann.“ Ursprünglich waren die Titelkämpfe für den 19. Oktober angesetzt, wurden aber verschoben. „Für den zuerst angesetzten Termin hätte ich problemlos eine Mannschaft zusammen bekommen. Wir haben unsere Saisonplanung auch nach dem Bundesliga-Terminplan ausgerichtet“, ärgert sich Schlatter.

Klar, dass Mayan Schwarze ihre Neuseelandreise nicht absagen wollte, Mareike Reddig ihre Teilnahme am internationalen U20 Turnier in Mannheim nicht verschieben kann, sich Nora Bannenberg oder Arijana Peric nicht freiwillig verletzten. Oder Julia Dorny konnte ihren Profikampf im Mixed Martial Arts am Samstag in Berlin ebenso wenig absagen, wie Mandy Tjokroatmo ihren Dienst bei der niederländischen Polizei.

Bei den Personalproblemen hilft es auch noch gar nichts, dass die weibliche U14 des JC 71 gerade den deutschen Jugendpokal gewonnen hat und sich damit die deutsche Meisterschaft sicherten. „Das ist sensationell. Was die Mädchen geleistet haben, ist der Wahnsinn“, jubelt Schlatter.

Mit einem 4:1-Finalsieg gegen den TSV Abensberg sicherten sich Frida Reisz, Katharina Kaiser (bis 38 Kilogramm), Angelika-Nina Schmidt, Sara-Tamar Wolsfeld (bis 44), Lara Körber, Nina Güth, Janne Päfgen (bis 50), Ciara Kranjc (bis 57), Zoe Stockhausen und Polina Reyngold (über 57) die Meisterschaft und waren damit das beste Team der 23 Mannschaften aus allen Landesverbänden. „Sie haben jetzt einen Titel. Und einen Titel behält man ein Leben lang“, so der Düsseldorfer Meister-Trainer Jens Kaiser. Die Düsseldorferinnen waren als NRW-Landesmeisterinnen die 650 Kilometer nach Senftenberg in Brandenburg gereist und setzten sich gegen die Kampfgemeinschaft (KG) Kim Chi Wiesbaden/JC Gießen (4:1), KG Asahi Spremberg/JC Frankfurt/Oder (5:0), KG Kaizen Berlin/Märkisches Viertel (3:2), KG Essingen/Reutlingen (4:1) sowie die KG Altenfurt/Altdorf (3:2) durch. Im Viertelfinale wartete der große Favorit UJKC Potsdam. Nach fünf hart umkämpften Duellen hatte der JC 71 knapp mit 3:2 das bessere Ende für sich. Das Halbfinale entschieden die Landeshautstädterinnen mit 4:1 gegen die KG BW Jarmen/Asahisport Neubrandenburg für sich.

„Im Finale gab letztlich den Ausschlag, dass wir deutlich weniger nervös auf die Matte gegangen sind als die Abensbergerinnen“, so Kaiser. „Acht Siege hintereinander bei einem Mannschaftsturnier und in einem so starken Feld ist eine sensationelle Leistung.“

Damit setzen die 71er konsequent ihre Planungen aus dem Jahr 2014 um. Damals rief der Judoverein die „Mission 2020“ aus: Sowohl Frauen-, als auch die Männermannschaft sollten bis zum Jahr 2020 wieder in der Bundesliga kämpfen. Bereits im Jahr 2018 konnte der Verein Vollzug melden. Die Damen stiegen in Liga eins, die Herren in die zweite Bundesliga auf.

Parallel dazu intensivierten die Judoka ihre Jugendarbeit und stellten u.a. Nachwuchstrainer Jens Kaiser 2017 hauptamtlich ein. „Angefangen habe ich mit einmal Training pro Woche und sieben Kindern“, verrät Kaiser. „Jetzt gibt es wöchentlich vier Termine mit 30 Kindern.“ Das Ziel ist es eine weibliche U18-Mannschaft aufzubauen und perspektivisch so viele Vereinseigengewächse in die Erstliga-Mannschaft zu bringen. Das wird aber noch mindestens fünf Jahre dauern.