Handball: HSG: Nils Lehmann muss gehen

Handball: HSG: Nils Lehmann muss gehen

Nils Lehmann war nicht zu sprechen. "Mein Vater ist ein bisschen sauer, glaube ich", sagt Sohn Sven, der stellvertretend für den Handball-Trainer ans Telefon geht. Verständlich. Denn gestern Morgen teilte HSG-Manager Frank Flatten dem frisch aus dem Urlaub zurückgekehrten Lehmann mit, dass der Verein den Wiederaufstieg in die Erste Handball-Bundesliga ohne Lehmann angehen will.

"Wir haben Nils darüber informiert, dass wir den Vertrag mit ihm nicht verlängern", verkündete Flatten nüchtern. Der Klub wolle der Mannschaft eine neue Ausrichtung geben. Seit 2001 war Lehmann bei der HSG tätig, die vergangenen drei Saisons als (Spieler-)Trainer, stieg nun mit der Mannschaft in die Zweite Liga ab.

"Ich hätte sehr gern am Wiederaufstieg mitgewirkt" - so lautet die offizielle Fassung von Lehmanns Worten nach dem Rauswurf. Weit richtiger ist jedoch, dass der Übungsleiter mächtig sauer ist. "Ich bin sehr enttäuscht", ist einer der wenigen Sätze, die von Lehmann nach dem Rauswurf zu erhaschen sind.

Nun muss der 39-Jährige also seinen Kopf für den Abstieg hinhalten. "Ein Trainer muss sich an seinem sportlichen Erfolg messen lassen", sagt Vereinspräsident Erwin Schierle bedeutungsvoll. "Der Abstieg in diesem Jahr war nicht notwendig."

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War er nicht? Zweimal schaffte Lehmann den Klassenerhalt, doch das Himmelfahrtskommando, ständig mit einem nicht erstligatauglichen Etat in die Saison zu gehen, musste halt irgendwann schiefgehen. Erst recht, wenn Leistungsträger wie Michael Haaß vor Saisonbeginn verkauft werden.

Wenn die als Stars angekündigten Zugänge wie Max Ramota und Björn Navarin nicht einmal im Ansatz ihr Potential abrufen können (wenn sie denn mal gesund sind). Oder Leistungsträger wie "Torjäger" Alexandros Vasilakis allerhöchstens Dienst nach Vorschrift schieben - nachdem der Wechsel nach Magdeburg feststand.

Natürlich muss man auch Lehmann Vorwürfe machen. Zum Beispiel die Niederlagenserie zu Saisonbeginn, und der Einbruch in den letzten Partien der Spielzeit, die am Ende den Abstieg besiegelten. Auch im sportlichen Bereich machte Lehmann Fehler: Er hielt zu lange an Vasilakis fest, lehnte zudem eine mögliche Verstärkung im Winter - aus Rücksicht auf die Finanzlage des Klubs - ab. Doch das alles reicht bei weitem nicht, um ihn als alleinigen Sündenbock für den Abstieg abzustempeln.

(RP)
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