Hegemanns Aus schockt HSG

Das brutale Foul des Balingers Ettwein hat die Saison für den Kapitän des Tabellenletzten der Handball-Bundesliga beendet. Trainer Rogawska fordert dennoch Punkte aus dem Heimspiel gegen Großwallstadt (heute, 19.20 Uhr).

Es ist eine Szene, die jeden Handball-Betrachter zusammenzucken lässt: In der Bundesligapartie zwischen Balingen und der HSG rennt der Linksaußen der Hausherren, Frank Ettwein, durch den halben Kreis, um mit gestrecktem Bein krachend in das Knie von Gäste-Kapitän Michael Hegemann zu rutschen. Diese brutale Attacke, die nicht geahndet wird, quittiert das Opfer mit einem Schrei, wuchtet den Ball aber noch ins Tor. Es dürfte der letzte Treffer von "Hege" für die HSG in dieser Saison gewesen sein, denn nach Ettweins bösem Tritt ist die Spielzeit für den Ex-Nationalspieler mit einem Innenbandabriss im Knie vorzeitig beendet. HSG-Trainer Ronny Rogawska erklärte gestern: "Ettwein ist ein Spieler, der immer an die Grenze des Erlaubten geht und der diese Grenze auch mal übertritt. Ich will ihm nichts unterstellen, aber man weiß in der Liga, dass er so etwas öfter macht." Den vermeintlich stärksten Spieler des Gegners auszuschalten – wenn es sein muss mit aller Brutalität.

Hegemann bekam diese in Balingen zu spüren, und so fehlt den Düsseldorfern in den letzten vier Saisonspielen, unter anderem heute (19.20 Uhr, Burg-Wächter-Castello) gegen den TV Großwallstadt, ihr mit 141 Treffern bislang bester Schütze. Der Kampf gegen den Abstieg scheint so schon verloren. Trainer Ronny Rogawska gibt mit Blick auf Hegemanns Aus unumwunden zu: "Der Schmerz sitzt schon tief. Dieser Verlust wird sehr schwer zu kompensieren sein."

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Doch etwas anderes bleibt der HSG nicht übrig. "Passiert ist passiert", sagt Rogawska. "Wir können uns jetzt nicht an den Rand stellen und anfangen zu weinen." Gegen Großwallstadt müsse die HSG "mit oder ohne Hegemann punkten". Aufgefüllt wird der Kader mit den A-Jugendlichen David Hansen und Bastian Roschek, letzterer sei als Kreisläufer "sehr gut in der Abwehr, schnell und dynamisch", was für eine offensive Deckung gegen Großwallstadt spricht. Doch nicht die beiden Nachwuchsspieler müssen es nun richten, Rogawska fordert: "Jeder Mannschaftskollege von Hege muss ein Stück seiner Rolle übernehmen und in Angriff und Abwehr Verantwortung tragen."

Ansprechpartner Nummer eins ist dafür Frantisek "Fero" Sulc: "Durch seine internationale Klasse, die er als slowakischer Nationalspieler für sich in Anspruch nimmt, muss Fero das tun. Genauso Bostjan Hribar", sagt Rogawska mit Blick auf seinen slowenischen Halbrechten. Als dritter Stammspieler im Rückraum ist nur noch Andrej Kogut übrig, doch vom Junioren-Weltmeister will Rogawska so viel Druck wie möglich fernhalten: "Andrej weiß, wie er ein Spiel gestalten muss. Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen." Denn davon haben er und die HSG ohnehin mehr als genug.

(RP)