Handball-Zweitligist HC Rhein Vikings beurlauben Coach Ceven Klatt

Handball-Zweitligist : Vikings beurlauben Coach Klatt

Für die Verantwortlichen des Handball-Zweitligisten geht die spielerische Fortentwicklung nicht schnell genug voran. Der Ex-Trainer sieht das anders und spricht nach der Entscheidung von „Aktionismus“.

Die Stimmlage ist tief und leise. Man hört direkt, dass die Laune von Ceven Klatt an diesem Tag nicht mehr aufzuhellen ist. Wenige Stunden zuvor hat er erfahren, dass er bis auf Weiteres seinen Job als Handballtrainer los ist. Der Zweitligist HC Rhein Vikings hat den 35-Jährigen beurlaubt. „Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen“, sagt Klatt im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich muss das auch erstmal sacken lassen. Ich kann die Entscheidung jedenfalls so nicht wirklich nachvollziehen.“ Der Klub ließ in Person von Geschäftsführer Daniel Pankofer am Vormittag mitteilen: „Die Mannschaft ist im Vergleich zur letzten Saison verstärkt worden. Doch leider ist für uns keine positive Entwicklung erkennbar. Bisher waren wir wenig erfolgreich, da die individuelle Klasse und Erfahrung unserer Spieler nicht auf das Spielfeld übertragen werden konnte.“

Zum Abschluss der vergangenen Zweitliga-Saison standen die Vikings auf dem 14. Platz – zu wenig für die eigenen Ansprüche. Es sollte alles besser werden. „Wir wollen schnelleren, attraktiveren Handball in dieser Saison spielen. Diese Entwicklung hat uns gefehlt“, sagt Pankofer, der in Bezug auf die Beurlaubung von einer „längerfristigen Entscheidungsfindung“ spricht.

Klatt sieht das naturgemäß anders. „Es sind sechs Spieltage gespielt. Zu so einem frühen Zeitpunkt wirkt das auf mich wie Aktionismus“, sagt er. „Ich finde es unfair, die geplante Entwicklung zu so einem unfassbar frühen Zeitpunkt zu erwarten. Zumal wichtige Spieler fehlten. Ich hätte nach fast drei Jahren sehr guter Arbeit etwas mehr Kredit erwartet.“ Nun ist aber nach drei Punkten aus 360 Minuten Handball und dem drittletzten Tabellenplatz Schluss für Klatt.

  • Handball : Rhein Vikings trennen sich von Ceven Klatt
  • Handball : Auch Pankofer verlässt die Vikings
  • Handball Rhein Vikings : Rhein Vikings verpflichten bosnischen Nationalspieler
  • Lokalsport : Rhein Vikings verjüngen ihren Kader
  • 2. Handball-Bundesliga : Rhein Vikings fühlen sich gerüstet
  • Handball : Vikings beenden starke Saison mit 21:29

Sein Nachfolger wird Jörg Bohrmann. Der 49-Jährige wurde bereits gestern präsentiert, leitete direkt die erste Trainingseinheit und wird am Mittwoch beim Auswärtsspiel beim TV Großwallstadt, dem Tabellenvorletzten, auf der Bank sitzen. Der ehemalige Bundesligaprofi war bislang Trainer der B-Jugend Leistungsmannschaft der Vikings. Zuvor trainierte er bereits die Zweitligisten TSV Bayer Dormagen und HG Saarlouis. „Ich werde nicht alles umwerfen. Ich kenne die zweite Liga und habe viel mit Ceven Klatt gesprochen“, sagt Bohrmann. „Der Vorteil ist, dass Jörg die Mannschaft schon kennt“, sagt Pankofer. „Wir sind dankbar, dass er sich nach längerem Zögern in den Dienst des Vereins stellt. Wir müssen ihm jetzt Zeit geben, das Team zu entwickeln.“ Bohrmann ist aufgrund seiner Tätigkeit als Grundschullehrer in Düsseldorf zeitlich eingeschränkt.

Interessant: Da Ceven Klatt nur beurlaubt und nicht entlassen wurde, sieht Pankofer auch dieses Kapitel als noch nicht beendet an. „Wir schauen, wie wir Ceven im Verein halten können und wo er uns am meisten hilft“, sagt der Geschäftsführer. Die Gespräche darüber sollen in den nächsten Wochen stattfinden – sofern Klatt überhaupt Bereitschaft zu einem weiteren Engagement im Verein signalisiert.

Klatt hatte das Traineramt beim Neusser HV im Januar 2016 übernommen und stieg 2017 mit dem Klub in die Zweite Liga auf. Nach der Fusion mit der HSG ART Düsseldorf zu den Rhein Vikings blieb Klatt Coach und sollte den Klub mittelfristig in die erste Liga führen.

Die Trennung von Klatt ist die Fortführung einer personellen Runderneuerung bei den Vikings. Bereits vor der Saison hatten sich die Gesellschafter und der Aufsichtsrat von den ehrenamtlichen Geschäftsführern Thomas Koblenzer und René Witte getrennt.

Mehr von RP ONLINE