Hambüchen turnt souverän

Als Fabian Hambüchen seinen Abgang vom Reck vorbereitet, halten knapp 4000 Zuschauer in der Mitsubishi Electric Halle den Atem an. Jubel bricht los, als der 1,63 Meter große Athlet sicher auf den Füßen landet. Er reckt die Fäuste in die Luft, schreit seine Anspannung heraus. Noch bevor die sechs Kampfrichter das Ergebnis bekanntgeben, weiß der 24-Jährige, dass er es geschafft hat: Zum achten Mal in Folge hat er den deutschen Meistertitel am Reck erfolgreich verteidigt. Das gelang bisher noch keinem deutschen Kunstturner.

Hambüchen präsentierte sich in Düsseldorf in exzellenter Verfassung. Nach seinem Achillessehnenabriss im vergangenen Jahr legte der in Bergisch Gladbach geborene Sportler eine mehrmonatige Wettkampfpause ein. Nun meldete er sich bei der ersten von zwei Olympia-Qualifikationen mit drei Siegen zurück: am Reck, am Boden und im Mehrkampf.

Schon am Samstag beim Kampf um den Titel im Mehrkampf legte Hambüchen den Grundstein für seinen Triumph am Reck, seinem Paradegerät. Mit 16,350 Punkten erzielte er die Tagesbestleistung und übernahm nach drei Geräten die Führung im Gesamtklassement. "Hut ab! Fabian ist absolut stabil zurückgekehrt", sagte Bundestrainer Andreas Hirsch. "Es war wirklich ein Super-Wettkampf. Aber bis London ist jetzt noch Zeit, kleine Fehler auszumerzen", sagte Hambüchen.

Für seine härtesten nationalen Rivalen, Marcel Nguyen (München) und Philipp Boy (Cottbus), lief nicht alles nach Plan. Vor allem Boy hatte Probleme. Sowohl am Samstag als auch im Finale am Sonntag ließ er am Reck durch zwei vorzeitige Abstiege viele Punkte liegen. Am Boden knickte der ohnehin schon seit Monaten am Handgelenk verletzte Boy nach einer Dreifachschraube um und zog sich eine Kapselverletzung am Fuß zu. Der 24-Jährige beendete den Mehrkampf schließlich auf dem dritten Rang. Mit bandagiertem Fuß reichte es wenigstens noch zum Titelgewinn am Pauschenpferd. "Natürlich bin ich enttäuscht. Ich hatte mir viel mehr ausgerechnet", sagte der WM-Zweite im Mehrkampf.

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Nguyen stürzte Samstag, in Führung liegend, ebenfalls vom Reck. Hambüchens Vorsprung konnte er nicht mehr aufholen und wurde schließlich Zweiter. In den Einzelfinals stellte er dann eindrucksvoll unter Beweis, warum er am Barren "König von Europa" genannt wird. Mit 15,875 Punkten sicherte er sich den Titel vor Hambüchen. Erwartungsgemäß setzte sich Nguyen auch an den Ringen durch. Bundestrainer Andreas Hirsch äußerte sich zufrieden über die Leistung seiner Athleten. "Die Jungs haben gute Leistungen gezeigt, aber natürlich gibt es bis zu den Olympischen Spielen noch viel zu tun", sagte der 53-Jährige.

Wen er mit nach London nehmen wird, wollte Hirsch noch nicht sagen. "Es kann noch zu viel passieren, auch in positiver Hinsicht", sagte er. Nominiert wird das Team nach der zweiten Qualifikation am 30. Juni in Frankfurt. Dass Hambüchen dabei sein wird, steht nach diesem Wochenende wohl fest.

(RP)