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Fottball: Eine Sportart, die Schule macht

Football : Eine Sportart, die Schule macht

In Amerika betreiben Kinder und Jugendliche ihren Sport traditionell an den High Schools und am College, in Deutschland finden akademische Ausbildung und sportliche Aktivität auf Wettkampfniveau weitestgehend getrennt voneinander statt – dabei zeigt das Theodor-Fliedner-Gymnasium, welch großes Potenzial in diesem Konzept steckt. Bei den Footballern sind Unterricht und die Aktivität im Verein eng miteinander verbunden.

„Sport bietet so große pädagogische Möglichkeiten, leider wird dieser Bereich im deutschen Schulsystem viel zu wenig genutzt“, meint Jens Ruffert (48). Der Sport- und Englisch-Lehrer des Theodor-Fliedner-Gymnasiums (TFG) in Düsseldorf weiß wovon er spricht. Seit 16 Jahren bietet er American Football an der Schule an. Mittlerweile spielen am TFG über 100 Schüler den US-Sport, der seit einigen Jahren auch in Deutschland immer bekannter und beliebter geworden ist. Die U19 der TFG Typhoons, wie die Mannschaft des Gymnasiums heißt, spielt sogar in der höchsten deutschen Jugendliga – scheiterte in der vergangenen Saison erst im Viertelfinale der Play-offs an den Wiesbaden Phantoms.

In Amerika betreiben Kinder und Jugendliche ihren Sport traditionell an den High Schools und am College, in Deutschland finden akademische Ausbildung und sportliche Aktivität auf Wettkampfniveau weitestgehend getrennt voneinander statt – dabei zeigt das TFG, welch großes Potenzial in diesem Konzept steckt. „Bei uns geht es um Teamwork und Disziplin – wir vermitteln den Schülern Werte. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll Schule und Sport so eng zu verknüpfen, um genau dieses Potenzial zu nutzen.“

Die Faszination für die enge Verbindung von Schule und Sport lernt Jens Ruffert bereits mit 17 Jahren kennen. Als Austauschschüler verbringt er ein Jahr in Colorado Springs (USA). „Mich hat dieser School Spirit für die Sportteams total begeistert. Entweder spielt man selber in einer Mannschaft oder geht als Zuschauer zu den Spielen. Das gehört da zentral zum Schulleben dazu“, erzählt der 48-Jährige. „In Deutschland findet der Sport außerhalb der Schule statt, das finde ich schade.“ Seine Begeisterung für Schulsport auf Wettkampfniveau bringt Ruffert aus Amerika mit – die Faszination für Football entwickelt er aber erst in Deutschland. „Ich komme eigenlich aus dem Fußball und habe auch in den USA Fußball gespielt. Football fand ich sogar richtig langweilig. Erst während meines Studiums an der Heinrich-Heine-Universität habe ich in einem Football-Kurs Interesse für die Sportart entwickelt.“

2004 kommt er als Lehrer ans TFG und gründet zunächst eine Flagfootball-AG – eine Football-Variante ohne Körperkontakt. Ein Jahr später bietet Ruffert dann auch Tackle-Football an. Mittlerweile gibt es drei Mannschaften an dem Düsseldorfer Gymnasium: ein Flagfootball-Team für die Klassen fünf bis acht, und zwei Tackle-Football-Teams (U16/U19). „Unser Konzept baut darauf auf, dass die jungen Schüler den Sport zunächst ohne Körperkontakt kennenlernen und dann in der U16 und U19 in den Tackle-Bereich einsteigen“, erklärt der Lehrer. Bis zu dreimal wöchentlich treffen sich die Schüler zum Training. Seit 2017 spielt die Schulmannschaft in der German Football League Juniors (GFLJ) und nimmt dabei – nicht nur für diese Sportart – eine Sonderrolle ein. „Ich würde mich freuen, wenn mehr Schulen dieses Konzept des Schulsports anbieten würden.“

Wie professionell das Training bei den TFG Typhoons abläuft, zeigt die steile Karriere von Andreas Ehrensberger. Der Düsseldorfer hat in der U16-Mannschaft des Gymnasiums mit dem Football begonnen. Mit nun 18 Jahren wagt der 2,03 Meter große Defensivspieler den ganz großen Schritt und wird bald für das prestigeträchtige College-Team von Notre Dame auflaufen. Voll des Lobes für das besondere Projekt ist auch Tom Aust, Sprecher des American Football Verband Deutschland: „Die Typhoons machen tolle Arbeit für den Sport. Man merkt wie viel Herzblut dahinter steckt.“