Düsseldorfer Sportler im Rathaus geehrt: Behindertensportler glänzen

Ehrungen im Rathaus : Düsseldorf glänzt im Behindertensport

Bei der Ehrung der deutschen Meister und internationalen Medaillengewinner im Rathaus wird deutlich, dass Inklusion in der Landeshauptstadt keine Phrase ist. Tom Schmidberger und Finja Rosendahl sind gute Beispiele.

Die Borussia hat ihren Ruf als erfolgreichster Düsseldorfer Sportverein zementiert. So oft wie die Tischtennisspieler vom Staufenplatz wurden keine Aktiven eines anderen Vereins zur städtischen Ehrung der deutschen Meister und Medaillengewinner bei internationalen Meisterschaften zu Stadtdirektor Burkhard Hintzsche und dem Präsidenten des Stadtsportbundes, Peter Schwabe, gerufen.

Allein Timo Boll hätte sechs Ehrungen erhalten können. Der 38-Jährige sicherte sich 2018 die Mannschafts-Vizeweltmeisterschaft, den Einzel-Europa- und deutschen Meistertitel sowie gemeinsam mit Stefan Fegerl, Kristian Karlsson und Anton Källberg die deutsche Mannschaftsmeisterschaft, den Pokalsieg und den Champions-League-Triumph. Mit vier Ehrungen kommt Bolls Klubkamerad Tom Schmidberger der deutschen Tischtennis-Legende am nächsten. Einzel-Vizeweltmeister Schmidberger ist im Rollstuhltischtennis inzwischen erfolgreicher als Boll im sogenannten Regelsport.

Ohnehin gibt es in der Landeshauptstadt extrem erfolgreiche Behindertensportler. Neben der Borussia, die für 16 Titel im Behindertenbereich geehrt wurden, gehören auch die Aktiven des Gehörlosen-Sportvereins (GSV) zu den Stammgästen der Sportlerehrung. Das wird wohl auch in Zukunft so bleiben, denn in Finja Rosendahl ist eine sehr talentierte Badmintonspielerin GSV-Mitglied. „Ich bin ohne Erwartungen in die EM gestartet. Weil es mein erster internationaler Einsatz war, wusste ich auch gar nicht, was auf mich zukam“, erläutert die Neuntklässlerin. Sie folgte einfach dem Rat ihres Trainers, Spaß zu haben. Den hatte sie, denn sie verlor kein Match.

Jetzt bereitet sie sich mit täglichem Training auf die in zwei Wochen anstehenden deutschen Meisterschaften in Freiburg und auf die Gehörlosen-WM im Sommer vor. „Ich glaube, dass die Asiaten richtig stark sind“, vermutet Rosendahl. Erwartungen oder gar Medaillenhoffnungen hegt sie keine.

Ihre Schwerhörigkeit wurde als Kleinkind festgestellt. Lange Zeit galt sie wegen ihrer Sprachprobleme als sprechfaul. Als Als sie aber mit fünf Jahren Hörgeräte bekam, entwickelte sich die Sprechfähigkeit, und einer klassischen schulischen Laufbahn stand nichts im Wege. Mit fünf nahm sie auch erstmals einen Badmintonschläger in die Hand, und diese Sportart brachte sie zur Sportlerehrung 2019 ins Rathaus.

Tom Schmidberger bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro, wo er die Silbermedaille gewann. Foto: Reuters

Insgesamt wurden 62 Aktive aus Düsseldorfer Vereinen sowie ihre Trainer im Jan-Wellem-Saal für 59 nationale und internationale Titel in elf olympischen Sportarten geehrt. Für ihre langjährigen besonderen Verdienste um den Düsseldorfer Sport wurden ebenfalls ausgezeichnet: Beatrice Lindecke (Düsseldorfer Ruderverein), Hermann Mölck (Post-SV), Franz Josef Hoffmann (Rudergesellschaft Benrath), Franz-Josef Wisniewski (ASV Wersten), Peter Topp (Freie Wasserfahrer), Egon Biermann (BSG Benrath), Ferdi Höveler (DEG Eishockey), Cornelia Teitler, Anne Orts (beide Reiterkorps Angermund), Ute Böggemann (DTV 1847), Helma und Heribert Nüttgens (beide Angermunder Tennisclub).

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