Finalsieg über den Titelverteidiger DHC-Frauen sind wieder Deutscher Meister

Die Düsseldorferinnen sind zum dritten Mal Deutscher Meister im Feldhockey. Das Team um Selin Oruz gewinnt das Endspiel in Bonn gegen Titelverteidiger Mannheimer HC mit 2:1 (1:1). Das entscheidende Tor erzielte Zugang Lucy Zich in der 38. Minute.

 Die strahlenden Siegerinnen nach dem siegreichen Finale in Bonn.

Die strahlenden Siegerinnen nach dem siegreichen Finale in Bonn.

Foto: IMAGO/Axel Kaste

Tobias Hauke ist eine Hockeylegende. Der Hamburger wurde 2013 als weltbester Hockeyspieler ausgezeichnet. Ein Mann mit Fachverstand also. Vor der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft am vergangenen Wochenende prophezeite der 36-jährige bei den Frauen extrem enge Partien, bei denen am Ende die Spielerinnen des Düsseldorfer HC die Nase vorne haben und den Blauen Wimpel des Deutschen Meisters in den Händen halten sollten. „Im Finale gibt es ein 1:0 gegen den Mannheimer HC.“

Hauke muss über telepathische Fähigkeiten verfügen. Während sich Mannheim im Shoot-out gegen Rot Weiß Köln ins Finale zitterte, reichte dem DHC im Endrundenklassiker gegen Alster die reguläre Spielzeit. Beim 3:0 legten die Düsseldorferinnen im strömenden Regen eine Lehrstunde in taktischer Disziplin, Teamgeist und Effizienz auf den grünen Bonner Kunstrasen, ohne dabei die Spielfreude zu vergessen. Der DHC machte das, was er am besten kann: aus einer Abwehrmauer, in der Pia Lhotak und Clara Ycart überragten, das Mittelfeld schnörkellos überbrücken. Vorne sorgten vor allem die Torschützinnen Mabel Brands (2) und Lilly Stoffelsma für Unruhe. Selin Oruz zeigte, warum sie in Verein wie Nationalmannschaft in der zentralen Mittelfeldefensive das Maß aller Dinge ist.

Mit Anne Schröder wurde Alsters Spielgestalterin weitestgehend aus dem Spiel genommen. Schwer in den Griff zu bekommen war allerdings Neu-Nationalspielerin Emma Davidsmeyer, die über rechts mächtig Druck machte. Das nahezu lückenlose DHC-Abwehrbollerk ließ aus dem Spielgeschehen kaum Chancen zu, sodass die Norddeutschen nur über Ecken gefährlich wurden. Die allerdings waren zahlreich und trafen bei dem ansonsten hoch zufriedenen Nico Sussenburger auf zarte Kritik. „Das waren definitiv zu viele Ecken. Das ist eine Frage, wie sauber man im Kreis verteidigt.“ Ansonsten sah der Trainer, der das Coachen seinem Co-Trainer Mark Spieker überließ, aber einen „souveränen Auftritt“. Offiziell verlautete, die beiden Trainer hätten vorübergehend die Posten gewechselt, um „neue Impulse zu setzen“; aus anderen Quellen hieß es, in den Tagen vor Bonn habe es massive Meinungsverschiedenheiten zwischen Spielerinnen und Sussenburger gegeben.

Nichtsdestotrotz kommentierte Sussenburger die Aussichten fürs Finale. „Die Mannheimerinnen sind im Spielaufbau sehr schematisch und sehr stabil. Da müssen wir auf viele Sachen achten. Aber das werden wir schon hinbekommen.“ Allzu viel solle man nach der Galavorstellung gegen Alster aber nicht verändern, mahnte Pia Lhotak. Warum auch? Besser als sehr gut geht nicht.

Mannheims Trainer Nicklas Benecke war trotz der beeindruckenden Leistung seines Gegners zuversichtlich – auch wenn seine Hoffnung, Alster und der DHC würden sich in einem bedingungslosen Fight konditionell verausgaben, nicht in Erfüllung ging. Man kenne den Düsseldorfer Rivalen in- und auswendig, man werde Mittel finden, so der Coach des Titelverteidigers.

Die Mittel reichten im Finale, um dem DHC mächtig zuzusetzen, nicht aber, ihn zu besiegen. Bereits nach fünf Minuten sorgte Mabel Brands für die Führung der Oberkasselerinnen. Die Mannschaft zog sich in die eigene Hälfte zurück und bot dem starken Mannheimer Mittelfelddreieck mit Lucina Von der Heyde, Fiona Felber und Lucia Jimenez mehr Raum als in den Anfangsminuten. Chancen blieben aber zunächst hüben wie drüben Mangelware. Mit einem Kraftakt kam Mannheim zum 1:1. Charlotte Gerstenhöfer donnerte den Ball vom Schusskreis so hart in Richtung DHC-Tor, dass Keeperin Femke Jovy die Hände nicht rechtzeitig hoch bekam.

In der 38. Spielminute nahm Sophia Schwabe, im Endspiel beste Stürmerin, ihr Herz in beide Hände, ließ drei Mannheimerinnen stehen und legte von der Außenlinie den Ball auf den Schläger von Lucy Zich. Die 17-Jährige fackelte nicht lange und schlenzte den Ball zum 2:1-Siegtreffer ins Netz. „Ich habe gesehen, dass die Torhüterin auf dem Boden liegt. Also war mir klar, ich schieß hoch – und das Ding war drin.“ Sieg und Titel waren nur noch eine Frage der Zeit. In den letzten Minuten blieben die ungestümen Offensivbemühungen des MHC in der erfahrenen DHC-Mauer um Pia Lhotak, Annika Sprink, Clara Ycart und Tessa Schubert hängen.

Was folgte, war pure Emotion, auch in Form von Glückstränen. Innerhalb von Sekunden bildete sich ein weißer Spielerinnenhügel, der sich zunächst in einen Tanzreigen und dann in eine Gesangsgruppe verwandelte. „Deutscher Meister ist nur der DHC“ hallte es über die Sportanlage des Bonner THV. „Ich bin unfassbar stolz auf die gesamte Mannschaft, auch auf die, die von der Bank kamen“, sagte die herausragende Spielführerin Selin Oruz, die zur besten Spielerin des Turniers gekürt wurde. „Wir haben alles auf dem Platz gelassen, mit einer unglaublich guten Defensivleistung und extrem starken Kontern. Es ist superfies gegen Topspielerinnen wie Jimenez zu spielen, die sind überragend. Gegen die so zu verteidigen, das muss man erst einmal schaffen.“

Mit dem Bonner Wochenende hat der Meister der Jahre 2021 und 2022 gezeigt, dass das Viertelfinal-Aus im vergangenen Jahr ein Ausrutscher war. Der Nachwuchs lässt hoffen, dass das so bleibt. Selin Oruz: „Die Jugend schießt heute das 2:1, Lucy nach toller Vorarbeit von Sophia. Lucy wurde im letzten Sommer bei der Jugend Deutscher Meister und schießt uns jetzt zur Meisterschaft. Das sind Geschichten aus der eigenen Jugend, die nicht schöner sein könnten.“

Seine Spielerinnen hätten erneut bewiesen, dass sie genau in dem Moment ihre Qualitäten abrufen könnten, wenn es drauf ankäme, befand Sussenburger. „Sie schaffen es, emotional nicht überzureagieren, sondern stabil zu bleiben und das System beizubehalten.“ Sussenburger hob bei seinem Lob für das Kollektiv Co-Trainer Mark Spieker hervor. „Er hat an der Linie einen sensationellen Job gemacht, den macht er aber schon seit Langem.“