1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Lokalsport

Düsseldorf: Wie Renate Eßer ihr Herz an den Boxsport verlor

Ehemalige Punktrichterin : Wie Renate Eßer ihr Herz an den Boxsport verlor

„Sie kümmert sich um alles, ist immer für einen da“, sagt Düsseldorfs Hoffnung im Profiboxen, Timo Rost, über sie. Die heute 73-Jährige hat große Teile ihres Lebens dem Kampfsport verschrieben.

Frauen und Boxen – das war schon immer eine nicht so einfache Beziehung. Bis zum heutigen Tag sehen viele Frauen im Boxen weniger die edle Kunst der Körperverteidigung, als eine Schlägerei mit der Absicht, den Gegner möglichst auf den Ringboden zu bringen. „Das habe ich bereits bei meinem ersten Besuch einer Box-Veranstaltung so nicht empfunden. Gutes Boxen hatte schon damals für mich nichts Brutales“, erinnert sich Renate Eßer.

Die gebürtige Holsteinerin kam als Neunjährige mit ihren Eltern nach Düsseldorf und bekam Kontakt zum Faustkampf durch ihren ersten Ehemann Herman Eßer. Der war begeisterter Boxsport-Fan und Gründungsmitglied des Sportring Garath. Die heute 73-Jährige konnte schnell nicht mehr genug vom Boxsport bekommen. Die ehemalige Stadtwerke-Angestellte übernahm im Laufe der Jahre beim Garather Klub so ziemlich alle Aufgaben, die anfielen. „Zuerst habe ich das aus Liebe zu meinem Mann gemacht. Dann habe ich festgestellt, wie gut dieser Sport gerade für Jugendliche sein kann. Dadurch lernen viele, wie wichtig Disziplin im Leben ist. Manch einen haben wir von der Straße heruntergeholt“ erklärt sie. Noch heute führt sie die Bücher des Sportring mit seinen 200 aktiven Mitgliedern.

Die Liebe zum Boxsport drückte sich schon bald nicht nur durch organisatorische Arbeiten aus. „Ich wollte einfach dicht beim Boxen dabei sein“, sagt sie und ließ diesen Wunsch auch seit 1986 wahr werden. Allerdings nie als aktive Boxerin („Um Gottes Willen, nein“) – sie legte die Prüfung als Punktrichterin ab und saß fortan zwischen lauter männlichen Kollegen als ganz in weiß gekleidete Frau in der ersten Reihe am Ring. Die genaue Zahl der Kämpfe, in denen sie Wertungspunkte verteilte, kennt sie nicht. „Es werden so an die 1000 gewesen sein“, schätzt sie.

Ein Zwischenfall in Chemnitz brachte sie in eine gefährliche Situation: Urplötzlich riss ohne ersichtlichen Grund das oberste Seil mit einem lauten Knall und drohte, die unmittelbar am Ring Sitzenden zu verletzten. Nach 30-minütiger Unterbrechung konnte der Kampf aber ohne ernsthafte Folgen wieder aufgenommen werden.

So manche bekannte Sportler haben ihren Weg gekreuzt. Als Geschäftsführerin des Niederrheinischen Amateurboxverbandes lernte sie Box-Weltmeisterin Ina Menzer und Kickboxerin Christine Theiss kennen, ebenso Henry Maske und Axel Schulz. Und als Düsseldorfs Hoffnung im Berufsboxen, Timo Rost, noch als Amateur in Gerresheim boxte, saß die Mitbegründerin des Fördervereins Düsseldorfer Boxvereine häufig am Ring. „Renate ist für unseren Sport etwas Einmaliges. Sie kümmert sich um alles, ist immer für einen da“, beschreibt Rost. Sie gab ihm vor seinen Kämpfen immer den Rat, vorsichtig zu sein.

Auch wenn die seit ihrer Kindheit in Garath lebende Renate Eßer im November 2018 auf ihren Wunsch hin zum letzten Mal als Punktrichterin im Einsatz war – ihre Liebe zum Boxen wird bleiben.