Die Herren 80 des DSD aus Grafenberg sind Deutscher Mannschaftsmeister.

Tennis : Mit 88 noch am Netz

Die Herren 80 des DSD aus Grafenberg sind Deutscher Mannschaftsmeister. Die Spieler kamen erst spät zum Tennissport.

Leicht, lässig und beschwingt, fast jugendlich hüpfen Hermann-Willi Thesing, Otto Schiller, Heinz Neumark, Horst Fallschessel und Herbert Quadflieg mit dem Pokal unter dem Arm die Stufen hinauf. Wohl kaum jemand würde vermuten, dass die fünf Männer, die sich in der oberen Etage des Café Decker an der Geibelstraße treffen, bereits zwischen 81 und 88 Jahre alt sind. Sie treffen sich in ausgelassener Runde, weil sie gerade Deutscher Vereinsmeister der Herren 80 geworden sind. Wo sich Wissenschaftler den Kopf darüber zerbrechen, mit welcher Art von Sport der Mensch seine Körperzellen am besten dabei stören kann, zu altern, da ist für die fünf Sportler vom DSD die Antwort ganz klar. Lachend erklären sie, Tennissport halte den Alterungsprozess auf.  Das würde man doch an ihnen sehen.

„Tennis hält jung“, sagen die drahtigen Männer und bestellen sich einen zweiten Kuchen. Den Goldpokal haben sie stolz mitten auf dem Tisch zwischen Kaffee und Kuchen stehen. Nebenbei geht ein Album mit den Bildern vom Finalturnier herum. „Die Gastgeber vom LTTC Rot-Weiß Berlin waren unglaublich gastfreundlich“, sagt Fallschessel, die anderen stimmen nickend zu. Sie erinnern sich an den dritten Platz bei der Herren 70-Europameisterschaft 2008 und an die Weltmeisterschaft 2016 in Orlando, die sie verpassten, weil sie das Geld für die Reise nicht aufbrachten.

Thesing ist mit 88 Jahren der älteste in der Runde. „Man muss immer in Bewegung bleiben, geistig und auch körperlich“, sagt der Erkrather Architekt, der immer noch in seinem Beruf tätig ist, deutschlandweit Bauprojekte plant und ausführt. „Vielleicht spielen auch ein wenig die Gene eine Rolle“, sagt er grinsend unter seiner roten Schirmmütze. Seine Mutter sei 95 geworden und habe bis zuletzt auf dem westfälischen Bauernhof der Familie hart gearbeitet.

Thesing ist ebenso wie seinen Mitspielern das Alter nicht anzusehen. Jahrelang hatte er Professuren an verschiedenen Universitäten. Er kam zur Mannschaft,  weil er in seinem Alter im Erkrather Heimatklub keine gleichaltrigen Mitspieler fand. Den Teamkameraden erging es ganz ähnlich. „Kaum jemand spielt in unserem Alter noch Tennis“, sagt Fallschessel. Der 83-Jährige fungiert seit 38 Jahren als Kapitän der Mannschaft, spielt seit 1990 beim DSD Tennis. „Aber die Jahrgänge nach uns werden stärker, die Menschen älter“, sagt der frühere Diplom-Ingenieur im Vermessungswesen. „Es wird für uns deshalb schwerer, den Titel im nächsten Jahr noch einmal zu holen. Die Titelverteidigung ist aber unser großes Ziel.“

Den Tennissport hat keiner von Kindesbeinen an betrieben. Fallschessel kam erst mit 40 Jahren zum Tennis. Er wuchs in Rosenau in Siebenbürgen auf und schaffte es als junger Mann bis in die rumänische Handball-Nationalmannschaft. 1977 kam er nach Düsseldorf und erstmals mit Tennis in Berührung. Thesing kommt vom Tischtennis, stand gemeinsam mit Legende Eberhard Schöler für Tusa 06 an der Platte, begann erst mit 35 mit Tennis.

Seit vielen Jahren bilden sie nun zusammen eine verschworene Gemeinschaft, sind „beste Freunde“, wie sie sagen. Sie kommen jede Woche zwei- bis dreimal auf den Plätzen an der Altenbergstraße zusammen, sitzen nach den Trainingseinheiten noch essend und schwatzend zusammen.

„Im Sommer kriegen wir aber nicht genug vom Tennis, dann stehen wir auch schon mal viermal wöchentlich auf der Anlage“, sagt Fallschessel. Geburtstage feiern sie, gedenken gemeinsam verstorbener Teamkollegen. Ganz wichtig ist die Freude am Sport und der Blick nach vorne: 2020 wollen sie wie in den vergangenen Jahren  die Westdeutsche Meisterschaft gewinnen und als Krönung den nationalen Titel.

Tennis, DSD, Herren 80, Deutscher Meister 2019. Foto: RP/Falk Janning

Dann gibt es sicherlich auch wieder Kuchen.

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