Tennis : Die große Tenniswelt in Vennhausen

Der Australier Kristian Lynch hat im Sport viel erlebt, jetzt trainiert er beim TCV den Nachwuchs. Sein Vater war Trainer in Tasmanien, seine Mutter arbeitete in der Turnierleitung der Australien Open. Durch Talent und Ehrgeiz gehörte Lynch als 18-Jähriger zu den Top 25 Junioren Australiens. Durch den Sport lernte er einige Tennis-Legenden persönlich kennen.

(cle) „Hey Buddy, wie geht´s?“, begrüßt Kristian Lynch seinen Schüler Jakob. Der Neunjährige spielt seit einigen Wochen Tennis beim TC Vennhausen und hat sichtlich Spaß. Bei den Übungen lobt ihn sein Trainer immer wieder lautstark. Genau wie seine Schüler ist der Tenniscoach mit Feuereifer dabei. Er hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, strahlt und versprüht gute Laune. „Kris kann gut erklären. Er ist zwar etwas streng und zieht sein Training durch, aber alles auf eine lustige Art und Weise. Er kann uns gut motivieren“, sagen die Schwestern Antonia und Felicia begeistert. Mit seinem Schüler Fabian spricht Lynch in den Pausen auch Englisch – so kann der Elfjährige nebenbei sein Schulenglisch festigen.

Man merkt schnell: Kris Lynch hat sehr viel Freude an seinem Job. „Mir ist es sehr wichtig, Spaß am Tennis zu vermitteln. Ich bin immer mit Leidenschaft dabei“, betont der 54-Jährige, der selbst schon sehr früh mit dem Tennissport in Berührung gekommen ist. „Mein Vater war Trainer in Tasmanien, meine Mutter hat in der Turnierleitung der Australien Open gearbeitet. Ich hatte also keine andere Wahl“, sagt Lynch und lacht. Klar, dass er schon als Knirps der gelben Filzkugel hinterherjagte. Durch Talent und Ehrgeiz gehörte er später als 18-Jähriger zu den Top 25 Junioren Australiens. „Mein Traum war es, Profi zu werden. Ich bin nach Florida gegangen, habe dort ein Tennis-Stipendium bekommen“, erzählt Lynch. Durch den Sport konnte er viele Kontakte knüpfen. So lernte er schon bald einige Tennis-Legenden persönlich kennen: Seine Landsleute Roy Emerson (zwölf Grand-Slam-Titel im Einzel, 16 im Doppel), Fred Stolle (zwei Titel im Einzel, zehn im Doppel) und Harry Hopman (sieben Grand-Slam-Titel im Mixed und Doppel, führte Australien zu 16 Davis-Cup-Siegen bis 1967) sowie den Amerikaner Vitas Gerulaitis (1978 Weltranglistendritter). „Sie hatten ihre eigenen Tennisanlagen. Ich durfte unter ihnen trainieren, dort spielen, sie haben Trainingspartner vermittelt. Als Student habe ich auf den Anlagen auch Training gegeben, um Geld zu verdienen.“ Von den Legenden war er beeindruckt. „Alle Typen waren Wahnsinn! Sie haben mir imponiert – mit ihrer Disziplin, ihrer Arbeitseinstellung, ihrer Leidenschaft. Sie haben auch aus dem Nähkästchen geplaudert, ihr Wissen weitergegeben, von allen konnte man sich etwas abschauen. Sie haben sich auch gut gekümmert. Vitas Gerulaitis hat mal in einer WG für uns gekocht“, so Lynch. Mit Roy Emerson hatte er sich einmal frühmorgens zum Training verabredet. „Es war die Zeit des Spring Breaks, da wird ja immer heftig gefeiert. Aber so einen Mann wie Roy Emerson möchte man nicht enttäuschen, also war ich am nächsten Morgen pünktlich auf der Tennisanlage. Wer feiert, kann auch arbeiten, so war seine Devise. Und wer auf dem Platz steht, kann auch alles geben.“ Besonders beliebt waren Trainingsspielchen. „Einmal schlug uns Roy Emerson eine Wette vor: Er würde den Ball mit einem Aufschlag durch eine nur einen Spalt breit geöffnete Tür schlagen, die rund 15 Meter entfernt war. Wir drei Studenten haben mit je zehn Dollar dagegen gewettet. Natürlich haben wir verloren“, lacht Lynch.

Heute „zockt“ er auch mit seinen Trainingsschülern, aber natürlich nicht um Geld. „Es geht darum, dass man in bestimmten Situationen, in denen es um etwas geht, nicht verkrampfen, sondern locker bleiben soll. Das ist eine gute Übung für Matches.“ So wettet er mit seinen Schülern um fünf „Känguruh-Sprünge“. Wenn er verliert, löst er seine Wettschulden selbstverständlich ein. So „durfte“ er letztens unter dem Jubel des Vennhauser Damen-30-Teams 20 Liegestütze absolvieren. Da hatten beide Parteien viel Spaß – und das ist das Wichtigste für Kris Lynch.