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Die argentinische Nationalspielerin Agustina Albertario hat sich dem Düsseldorfer HC angeschlossen. Die 29-Jährige spielt im Sturm.

Hockey : Ein Hockey-Weltstar für den DHC

Die argentinische Nationalspielerin Agustina Albertario hat sich dem deutschen Hockeymeister Düsseldorfer HC angeschlossen. Die 29-jährige Stürmerin wohnt in Frankfurt und hat sich aber entschlossen, den Weg zum Training und den Spielen auf sich zu nehmen.

Auf den vorhandenen Lorbeeren ließe sich bequem ruhen. Die Damen des Düsseldorfer Hockey Clubs (DHC) sammelten in den vergangenen beiden Jahren nationale Meistertitel, stellen aktuell fünf  Nationalspielerinnen sowie vier Top-Talente, die vor einigen Tagen wesentlich zum Gewinn der Europameisterschaft bei den U21-Frauen beitrugen. Statt aber auf dem Ruhekissen zu schlummern, bleibt man am Seestern hellwach. Zur neuen Saison, die am 3. September mit dem Heimspiel gegen den Berliner HC beginnt, gehen die Oberkasseler personell gleich auf zwei Ebenen in die Offensive.

Mit Agustina Albertario wechselt eine Weltklassestürmerin zum DHC. Vor rund einem Jahr kam der Kontakt zwischen der argentinischen Nationalspielerin und DHC-Trainer Nico Sussenburger  zustande. Der Meistermacher war sofort begeistert, aber zu Sussenburgers Leidwesen war die Zeit für einen Transfer verstrichen, der Kontakt aber blieb, etwa während der vergangenen Weltmeisterschaft über die drei Nationalspielerinnen des DHC, Nathalie Kubalski, Selin Oruz und Elisa Gräve.

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Ausschlaggebend für das, was man bei Fußballern „Königstransfer“ nennt, war die Suche von Agustina Albertario nach einem Verein mit gehobenen Ansprüchen. Die 203-fache Nationalspielerin, die vor wenigen Wochen Vizeweltmeisterin wurde, sieht ihren Wunsch, „Siege zu feiern“, in Düsseldorf am ehesten gewährleistet, eher als bei der zahlungskräftigeren Bundesligakonkurrenz. „Und sie hat davon gehört, wie gut der Teamgeist bei uns ist“, betont Teammanager Niels Maisch die Bedeutung des Wir-Gefühls.

Dafür lohnt es sich, eine gut 200 Kilometer weite Anfahrt von ihrem Wohnort Frankfurt auf sich zu nehmen. Albertario, die mit Fußball-Profi Lucas Alario von Eintracht Frankfurt liiert ist, wird zweimal in der Woche aus der hesssischen Metropole per Bahn nach Düsseldorf zum Training kommen. Da die finanziellen Ressourcen des DHC beschränkt sind, konnte die Verpflichtung nur mit Unterstützung von Freunden und Förderern des DHC gelingen. Was Geld bislang noch nicht bewirken kann, müssen Beziehungen leisten. „Montags steht bei uns Athletik auf dem Trainingsprogramm“, erklärt Maisch. Dann bleibt die Argentinierin in Frankfurt, aber nicht, um sich auszuruhen. „Nico Sussenburger hat in Frankfurt einen Fitnesstrainer für Agustina organisiert.“ Der soll sie auf dem hohen physischen Niveau halten, das die Stürmerin auszeichnet. Neben ihrer Robustheit verfügt die 29-Jährige über Tempo, Technik und Erfahrung und ist damit eine ideale Ergänzung für die jungen DHC-Stürmerinnen. Auch Außenstürmerin Elli Gräve dürfte von der immensen Präsenz der Neu-Düsseldorferin profitieren.

„Das Team ist sehr gut. Die Mädels haben mich toll aufgenommen“, schildert Albertario ihre Eindrücke nach den ersten Trainings- und Testspieltagen. Die Mannschaft ist für die Südamerikanerin ebenso neu wie die Art, Hockey zu spielen. „Ich schaue und höre genau hin, was die Spielerinnen machen und was der Coach sagt.“ Es mache auch mit 29 Jahren noch Spaß, hinzu zu lernen.

Die Verpflichtung sei für den DHC ein weiterer Schritt nach vorne, sagt Maisch. Denn bei nationalen Titeln soll es mittelfristig nicht bleiben. Zumindest wollen sich die Rot-Blauen international noch stärker zu Wort melden. Was nicht heißen soll, dass der DHC jetzt nur noch auf Routine setzt. Spielerinnen aus der eigenen Jugend, wie die U18-Nationalspielerinnen Friederike Heusgen und Julia Schedl, werden behutsam an das Bundesligateam herangeführt. Auch die Verpflichtung von Marie Hahn (19) aus Mülheim weist in Richtung Zukunft. Die Junioren-Nationalspielerin soll die eh schon starke Defensive ergänzen.

Neben der qualitativen Auffrischung des Kaders, der weitestgehend zusammen bleibt, schleift der DHC an der Struktur rund um die beiden Erstligateams. Nico Sussenburger und sein Co-Trainer Mark Spieker werden neben ihrer Trainertätigkeit als Sportdirektoren fungieren. Entlastet werden die beiden von Tina Bachmann, die als Dritte im Bunde das Damen-Team coachen wird. Die ehemalige Nationalspielerin führte 2016 als erste Trainerin mit Uhlenhorst Mülheim eine Herrenmannschaft zur Deutschen Hallenmeisterschaft. Auch die DHC-Herren erhalten einen zusätzlichen Trainer.

„Wir wollen die sportliche Führung damit professionalisieren, auch indem wir die Jugend stärker mit den ersten Mannschaften bei Damen und Herren verzahnen“, sagt Maisch. So soll der Sprung für den Nachwuchs in den Hochleistungsbereich nicht zu groß werden. „Und natürlich wollen wir damit auch mehr Kapital herausschlagen, sodass unsere Möglichkeiten nicht nur vom Engagement eines Großsponsors abhängen. Mit unserem aktuellen Budget kommen wir auf Dauer nicht hin.“ Bessere Rahmenbedingungen sollen Änderungen der antiquierten Vereinssatzung sowie ab Oktober ein neuer Vorstand schaffen.