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DFB-Reformpläne sorgen für Unruhe im Jugendfußball - "Elitäres Denken"

„Elitäres Denken“ : Unruhe im Jugendfußball – DFB will Profi-Nachwuchs abschotten

Dass der deutsche Fußball-Nachwuchs im internationalen Vergleich hinterherhinkt, ist akzeptierte Erkenntnis. Nun will der DFB gegensteuern und den Jugendfußball reformieren. Zentraler Punkt: Die U-Teams der Profiklubs sollen künftig unter sich bleiben.

Weil man im internationalen Vergleich den Anschluss zu verlieren droht und immer seltener absolute Ausnahmekönner hervorbringt, beabsichtigt der DFB eine umfassende Reform des Spielbetriebs im Nachwuchsbereich. „Es ist richtig, dass wir die Junioren-Wettbewerbe neu strukturieren und optimieren wollen, um unsere Spieler altersgerechter zu fördern“, sagte der sportliche Leiter Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou.

Werden die Pläne in die Tat umgesetzt, dann gibt es im Jahr 2022 keine A- und B-Junioren-Bundesliga und auch keine C-Junioren-Regionalliga mehr. „Dazu sind wir mit allen betroffenen Vereinen und Institutionen im Austausch. Sobald wir gemeinsam konkrete Ergebnisse erzielt haben, werden wir uns dazu äußern“, sagte Chatzialexiou.

Der klassische Liga-Spielbetrieb mit starren Spielplänen, akuten Abstiegssorgen und dem scheinbar nicht für alle Beteiligten attraktiven Wettkampf zwischen „David“ und „Goliath“ ist den Entscheidern inzwischen ein Dorn im Auge. Als Konsequenz daraus sollen die derzeit 56 Nachwuchsleistungszentren in den Altersklassen U14 bis U17 abgeschottet von allen anderen Vereinen künftig nur noch sogenannte „Entwicklungsspiele“ bestreiten. Ohne Auf- und Abstieg, ohne Tabellen und mit individuellen Durchführungsbestimmungen wird den Teilnehmern so die größtmögliche Flexibilität gegeben. Zudem sollen Talente in Training und Wettkampf nach ihrem biologischen Alter eingesetzt werden. Flankiert werden sollen die Entwicklungsspiele von vier bis sechs Entwicklungsturnieren pro Saison. An diesen sollen dann auch die besten Amateurvereine (U14 und U16) beziehungsweise die Regionalauswahlen (U15 und U17) teilnehmen.

Ähnlich sieht die Reform im A-Jugendbereich aus. Auch hier soll es zunächst auf regionaler Ebene in kleineren Gruppen einen Vergleich der Nachwuchsleistungszentren untereinander geben. Nach dieser Art Vorrunde soll es dann aber erstmals auch einen deutschlandweiten Vergleich der U19-Teams untereinander geben. Fortunas U19 Trainer Sinisa Suker hält sich mit einer Meinung zu den Plänen noch zurück. „Das sind sehr viele Informationen, die gerade auf uns einprasseln. Klar ist, dass die aktuelle Situation nicht gut ist. Das habe ich ja schon einmal gesagt. Was die Reform bringt, wird man erst beurteilen können, wenn sie dann einmal umgesetzt wird“, so der Fußball-Lehrer.

Amateurvereine wie die SG Unterrath, die mit ihren Teams derzeit erfolgreich in der B-Junioren-Bundesliga und C-Regionalliga spielen, aber kein Nachwuchsleistungszentrum unterhalten, sehen sich durch das Reformvorhaben jedoch benachteiligt. „Wofür machen wir die ganze Arbeit denn noch, wenn Leistung gar nicht mehr zählt? Ich halte dieses elitäre Denken am Ende sogar für kontraproduktiv“, schimpft Jugendleiter David Piechatzek.

Im deutschen Fußball wird wegen ausbleibender Erfolge bereits seit einiger Zeit über mögliche Reformen im Nachwuchs-Bereich diskutiert. Im vergangenen Jahr verpassten die DFB-Teams die Teilnahme an der U19-EM, U17-WM und U20-WM, die U21 kassierte zuletzt eine 1:4-Niederlage gegen Belgien.

(magi/dpa)