1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Lokalsport

Kommentar: Wm-Kolumne: Deutschland hat aufgeholt

Kommentar: Wm-Kolumne : Deutschland hat aufgeholt

Die Enttäuschung ist dem Stolz gewichen. Natürlich waren wir im ersten Moment nach dem Aus beim 1:2 im Viertelfinale gegen Kanada enttäuscht, aber nachdem wir ein-, zweimal drüber geschlafen haben, sieht die Welt wieder anders aus. Wir haben eine gute WM gespielt und unser Ziel erreicht.

Wir haben gegen Kanada verloren, ganz sicher eine der besten Mannschaften der Welt, wenn nicht gar die beste. Und trotzdem hatten wir uns mehr erhofft. Der Wunsch, ins Halbfinale zu kommen, muss realistisch sein. Aber der nächste Schritt dort hin ist ein ganz großer.

Wir haben uns erhobenen Hauptes aus dem Turnier verabschiedet. Auf so einem hohen Level darf man sich keine Leichtsinnsfehler erlauben. Aber wie wir aufgetreten sind, damit sind wir zufrieden: Jeder hat in jedem Spiel versucht, sein bestes Hockey zu spielen. Es hat Spaß gemacht, denn die Mannschaft hat sich mit voller Leidenschaft und mit großem Herz gezeigt. Das ist auch ein Grund, warum die NHL-Spieler wieder gerne kommen.

Die vier Nationen, die im Halbfinale standen, waren in den Viertelfinalspielen eben besser. Sie haben sich durchgesetzt und es auch verdient. Aber wie eng es zwischen ihnen ist, hat die Begegnung zwischen Kanada und Russland eindrucksvoll gezeigt.

Was sich im Eishockey in den vergangenen Jahren geändert hat? Die Mannschaften sind taktisch noch besser strukturiert, die Spieler halten sich noch konsequenter an ein System. Zudem sind die Spieler immer besser ausgebildet. All das hat zur Folge, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Nationen immer geringer werden, das Feld immer enger zusammenrückt, es immer spannender wird.

Seit dem 3. April waren wir zusammen, und es war eine tolle Zeit. Es hat mir große Freude bereitet, in dem Trainer-Team zu arbeiten. Ich habe in verschiedenen Bereichen hinzugelernt, am meisten im taktischen. Es ist enorm, was man da noch lernen kann. Sieben Wochen waren wir beieinander - ohne Langeweile oder gar Lagerkoller. Es war eine kurzweilige, bereichernde Zeit dank der guten Zusammenarbeit.

Jetzt fahre ich zu meiner Familie, auf die ich mich freue, und werde dort entspannen. Urlaub habe ich noch nicht geplant, weil ich nicht wieder unterwegs, nicht wieder ins Hotel, sondern einfach mal zu Hause sein möchte.

Unser Autor Tobias Abstreiter ist Co-Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft.

(RP)