Radball : Der jüngste Weltmeister im Radball

Der Österreicher Patrick Schnetzer begeistert die Besucher bei einem Turnier in Oberbilk.

Der sechsfache Radball-Weltmeister Patrick Schnetzer und sein neuer Partner Stefan Feurstein ließen den Besuchern des Elite-Cups in der Stoffeler Schulturnhalle keine Zeit, sich an das von den Österreichern vorgelegte Tempo zu gewöhnen. Nach nur wenigen Sekunden ihrer ersten Partie zappelt der Ball schon zum ersten Mal im gegnerischen Tornetz, quittiert von einem anerkennenden, langgezogenen „Boah“ der radballkundigen Zuschauer. Gegner der Österreicher war das Top-Duo des Veranstalters, RMSV „Frisch auf“, mit Sven Kühn. Der Düsseldorfer war Leidtragender. Aber obwohl er bei der 1:9-Niederlage weitere acht Gegentore kassierte, ließ er sich die Laune nicht verderben. „Auch wenn wir als Oberligist erwartungsgemäß oft genug nur die Hinterräder der Beiden gesehen haben, war das ein tolles Erlebnis“, versichert er. „Außerdem habe ich bei dem Ehrentor für uns den meisten Beifall bekommen.“

Wie alle in der Halle, ließ auch der Ehren-Vorsitzende des Düsseldorfer Vereins, Werner Schmitt, der in früheren Jahren selbst ein erfolgreicher Radballer war, seiner Begeisterung über die Leistungen der Gäste aus Dornbirn freien Lauf: „Besser kann man nicht Radball spielen. Das ist weltmeisterlich“, sagt er jubelnd.

Auch wenn Sportarten wie Tennis und Formel 1 in keiner Hinsicht Gemeinsamkeiten mit Radball haben, so sind die Vergleiche mit Boris Becker und Michael Schumacher mit der Nummer eins im Radball durchaus angebracht. Als siebenjähriger Schüler kam Schnetzer aus dem Vorarlberg über den Tipp eines Bekannten zum Radball und spielte beim RV Sulz. „Bei uns gab es nicht viel mehr als Radball“, sagt er erinnernd. Die Sportart ließ ihn nicht mehr los. 2006 wurde für ihn aus dem Hobby Leistungssport. Drei Jahre später gewann er bei der Junioren-EM die erste Goldmedaille. 2011 wurde er der jüngste Radball-Weltmeister in der Geschichte. Damit hatte er sogar seine großen Vorbilder übertrumpft, den 20-fachen Weltmeister Jan Pospisil aus der Tschechoslowakei und seinen Bruder Jindrich.

Schnetzer gewann fünf weitere Weltmeisterschaften, fünf Mal den Weltcup und sechs Mal die Europameisterschaft. Von seinem Sport kann das Ausnahmetalent trotzdem nicht leben. „Ich bin kein Profi. Ich muss Beruf, Training und zeitaufwändige Wettkämpfe unter einen Hut bringen“, sagt er. Für einen Weltcup-Sieg habe er 400 Euro bekommen, für einen WM-Titel, den er in Malaysia gewann, ein Trikot, ein Bild und einen Keramikteller. Nach einem Turnier in Japan seien es Kopfhörer als Siegprämie gewesen. Spitzensportler im Tennis und im Automobilsport können darüber nur lachen.

Bei seinen Spielen beim Turnier in Düsseldorf, das von den für den RMSV startenden Ex-Bundesligaspielern Lars Wegmann und Christian Böer organisiert wurde, spürt der Beobachter, dass Schnetzer der Sport auch ohne finanzielle Gewinne ungeheure Freude macht. Er verbreitet mit seiner aufgeschlossenen, fröhlichen Art jederzeit gute Laune. Auf seine kräftige Figur angesprochen, meint er schmunzelnd: „Radballer sehen deshalb nicht aus wie Modellathleten, weil dann dem Gegner beim Schuss weniger freier Platz im Tor bleibt.“ Diesen „Vorteil“ als Tormann wird er vielleicht bei der anstehenden nächsten WM brauchen. In Düsseldorf hielt er selbst härteste Schüsse scheinbar locker mit einer Hand fest, warf den Ball sofort danach in Richtung seines Vorderrades, um ihn dann unhaltbar über die gegnerische Abwehr ins Tor zu schlenzen. Einfach Weltklasse!