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Der Düsseldorfer Morten Bogacki: Einmal quer über den Atlantik

Segeln : ⇥Einmal über ⇥den Atlantik

Der Düsseldorfer Morten Bogacki nimmt gerade als einziger Deutscher an der Regatta „La Minitransat“ von Frankreich nach Martinique in der Karibik teil. Im Einhandsegler absolviert der 33-Jährige die 4000 Seemeilen.

Morten Bogacki (Düsseldorfer Yachtclub/DYC) ist allein auf offenem Meer. Meilenweit um ihn herum ist nichts zu sehen außer die gleichmäßig anrollenden Atlantikwellen und der Himmel über dem Horizont. Er hofft, dass das auch so bleibt, denn Begegnungen mit Walen sollten tunlichst vermieden werden. „Eine Kollision würden wir wohl beide merken“, meint Bogacki augenzwinkernd. „Gefährlicher sind aber unsanfte Aufeinandertreffen mit Meeresschildkröten. Deren harte Panzer können zerstörerisch sein. Vor Portugal habe ich Schildkröten gesehen.“

So ganz genau kann der 33-Jährige nicht erklären, warum er sich auf das 4000 Seemeilen lange Abenteuer „La Minitransat“ von La Rochelle (Frankreich) nach Le Martin auf Martinique eingelassen hat. „Das ‚Offshore Team Germany‘ hat mich gefragt, ob ich die Regatta für sie segeln möchte. Ich habe ja schon einige Erfahrungen mit Einhand-Regatten, da habe ich zugesagt.“ Wohl wissend, dass das nicht das reinste Vergnügen wird. Im Frühling gab der Assistenzarzt für Radiologie an einer Klinik bei der Arbeit richtig Gas, erarbeitete sich viele Überstunden und reduzierte seinen Arbeitsvertrag auf 50 Prozent. „Zum Glück hat das mein Arbeitgeber mitgemacht“, so Bogacki. Den ganzen Sommer über war er dann seglerisch unterwegs. Um überhaupt als Teilnehmer an der Minitransat angenommen zu werden, musste er 1500 Seemeilen auf dem Boot in Regatten nachweisen. „Das ist doch in Ordnung. Die Veranstalter wollen eben wissen, dass man weiß, worauf man sich eingelassen hat, dass man das Boot beherrscht und dass man nicht nach zwei Tagen alleine an Bord depressiv über die Reling springt“, sagt das DYC-Mitglied.

Dass er segeln kann, hat Bogacki seit zwei Jahrzehnten nachgewiesen. Mit 14 sicherte er sich die Deutsche Meisterschaft im Optimisten, dem Kinder-Boot. Es folgten Einsätze im 420er, dann der olympische 470er mit diversen Meistertiteln und einer erfolgreichen Zeit in der Nationalmannschaft mit einigen Einsätzen bei Welt- und Europameisterschaften. Schon während des Medizinstudiums sammelt er unzählige Ostsee- und Atlantik-Meilen auf dem familieneigenen Serien-Mini. Mit zwei Siegen bei der legendären Silverrudder-Regatta bewies er den gelungenen Disziplinwechsel ins Offshore-Segeln und seine Befähigung als sturmfester Allround-Segler.

Das brauchte Bogacki auch schon auf der ersten Etappe der MiniTransat von La Rochelle nach Las Palmas. Auf den 1350 Seemeilen trotzte der 33-Jährige heftigen Winden, Flaute, Bruch an Bord, dem Ausfall des Autopiloten und tagelangem Schlafmangel. Allen Problemen zum Trotz erreichte der einzige Teilnehmer unter deutscher Flagge als Elfter das Etappenziel. In den letzten fünf Tagen kamen lediglich zehn Stunden Schlaf zusammen, die letzten 24 Stunden hielt Bogacki völlig ohne Ruhepause durch. Die Selbststeueranlage war westlich von Lissabon ausgefallen. „Zuletzt wurde ich nur durch Adrenalin gepusht“, meinte Bogacki.

Auch jetzt, auf der langen Etappe nach Martinique erwarten ihn täglich nur ein paar kurze Nickerchen. Er weiß aber, dass man auch mal mindestens 45 bis 60 Minuten schlafen muss, damit Körper und Geist alle Schlafrhythmen durchlaufen muss. „Aufputschmittel zu nehmen, bringt nichts. Sie werden zunehmend kontraproduktiv“, so Bogacki. Er rechnet damit, dass er sich in der Gesamtwertung weiter nach vorne segeln wird, sofern die Technik durchhält. „Ich werde auf der nächsten Etappe sicher nicht durch falschen Ehrgeiz überreizen. Die ersten Drei sind sehr weit weg, aber bis Rang vier oder fünf geht noch etwas“, erklärt Bogacki. „Aber der Atlantik ist groß. Für mich wird es die erste Überquerung, es ist also wie ein großes schwarzes Loch.“ Für 14 Tage hat er Proviant an Bord und erwartet Mitte November in Le Marin anzukommen. Der Rückflug, der ja ein französischer Inlandsflug ist, ist jedenfalls schon gebucht.