Am 15. September steigt in den Niederlanden der nächste Kampf : Profiboxer Timo Rost trainiert in Sheffield mit Weltmeistern

Der Gerresheimer absolvierte im vielleicht besten Box-Gym der Welt ein Trainingslager. Gewohnt hat er in einem Pub und sammelte viele Erfahrungen.

Den kurzen Urlaub in Spanien hatte sich Timo Rost nun wirklich verdient. Nicht allein, weil der Gerresheimer Profiboxer den Beginn seiner noch jungen Karriere mit besonders großem Fleiß angegangen war: Gleich vier Kämpfe in seinem ersten halben Jahr als Profi hatten ihm einiges abverlangt, auch wenn er jedes Mal als Sieger durch die Seile zurückkletterte und nur selten nennenswerte Treffer seiner Gegner kassierte. „Trotzdem muss der Körper auch einmal runterfahren“, berichtet der 26-Jährige. „Es sind schließlich nicht nur die Kämpfe, die an den Kräften zehren, sondern mehr noch die intensiven Vorbereitungsphasen darauf.“

Eine solche Phase hat Rost erst kurz vor seinem Spanien-Trip wieder hinter sich gebracht, auch wenn kurzfristig kein Kampfabend auf dem Programm stand. „Es ergab sich aber die Gelegenheit, ein Trainingslager im Ingle Gym in Sheffield einzulegen“, berichtet der gebürtige Düsseldorfer. „Es gilt traditionell als vielleicht bestes Box-Gym der Welt, und auch im Moment trainieren wieder zwei aktuelle Weltmeister dort.“

Rosts Trainer Rüdiger May stellte den Kontakt in die 1,2-Millionen-Einwohner Stadt in Yorkshire her. „Er hat vor rund 25 Jahren selbst dort trainiert“, erklärt Rost. „Ohne diese persönlichen Kontakte hätte man auch kaum eine Chance, denn die Nachfrage, sich dort in Sachen Boxen weiterbilden zu lassen, ist riesengroß.“ Das Finanzielle regelte ein Sonderzuschuss seines Sponsors Heinz Schneider – schon stürzte sich der Masterstudent ins Abenteuer. Und ein Abenteuer war Sheffield in mancherlei Hinsicht tatsächlich. „Die Trainingsmethoden im Ingle Gym sind schon sehr speziell“, sagt Rost. „Der Niveau-Unterschied im Sparring ist aufgrund der starken Gegner krass.“

Auch an die Atmosphäre muss man sich als deutscher Athlet erst einmal gewöhnen. „Die Boxhalle ist 30 Jahre alt, wirkt aber beinahe noch älter, irgendwie ranzig“, schildert er lachend. „Man sollte sich davon nicht täuschen lassen, denn der Trainingsaufbau ist sensationell, deshalb geben sich dort auch die Besten die Klinke in die Hand.“

Beeindruckend ist zudem die Geschichte hinter dem Gym. Dessen im Mai verstorbener Gründer Brendan Ingle hatte die Marotte, interessierte Kids erst einmal die Straßen von Sheffield reinigen zu lassen. „Er sagte zu ihnen: ,Erst dann seid ihr bereit fürs Boxen’“, erzählt Rost. Das Straßenkehren blieb dem Düsseldorfer erspart, aber er pflegte in England ebenfalls das einfache Leben. „Weil alle Hotels in der Nähe ausgebucht waren, habe ich im Gästezimmer eines Pubs gewohnt“, berichtet er. „Bei der Wirtin hatte ich fast Familienanschluss, sie hat mich sogar zum Flughafen gefahren“, ergänzt er.

Bitter war nur, dass er das Training in der zweiten Woche wegen einer Bronchitis abbrechen musste. Deshalb möchte Rost zur Vorbereitung auf den nächsten Kampf, der am 15. September im niederländischen Heerlen gegen Ridvan Güden stattfinden wird, im August nochmals für eine Woche nach Sheffield. Ehrensache, dass er wieder im Pub wohnt.