Boxen: Timo Rost aus Düsseldorf gewinnt gegen Bartlomiej Grafka aus Polen

Achter Sieg für Düsseldorfer Boxprofi : Timo Rosts Serie hält – aber knapp

Der Gerresheimer Boxprofi bezwingt den Polen Bartlomiej Grafka in der Classic Remise mit 2:1 Richterstimmen. In der Anfangsphase verliert der 28-Jährige zu oft seine Linie.

Es gab eine Phase in seinem neunten Kampf als Boxprofi, da wackelte Timo Rosts Serie bedenklich. Siebenmal hatte er seit Beginn seiner Karriere im Oktober 2017 gewonnen, einmal ein Remis einstecken müssen – doch der Pole Bartlomiej Grafka schien in dieser zweiten und dritten Runde auf dem Weg, dem Düsseldorfer seine erste Niederlage zuzufügen. Und das ausgerechnet bei dessen Heimspiel, als Hauptkämpfer der Boxgala in der Classic Remise. Doch Rost zog seinen Kopf aus der Schlinge, wenn auch knapp: Mit 2:1 Richterstimmen lag er am Ende vorn, machte damit in der Weltrangliste des Supermittelgewichts einen Sprung nach oben.

„Ich kann verstehen, wenn mancher Zuschauer sagt, er habe Grafka vorn gesehen“, sagte Rost am Tag nach dem Kampf. „In der Nacht habe ich mir alles noch einmal auf Video angesehen. Und es war wirklich ein sehr enges Ding. Letztlich kommt es darauf an, was die Kampfrichter sehen wollen – wer den Kampf aus der Ringmitte dominiert oder wer die klaren Treffer setzt.“

Letzteres gelang ab der vierten Runde eindeutig dem Düsseldorfer, und damit überzeugte er zwei der Kampfrichter. „Und das ist auch in Ordnung so“, erklärte der souveräne Ringrichter Mustafa Erenay. „das Urteil ist absolut vertretbar.“ Doch danach hatte es lange nicht ausgesehen. Rost gestaltete zwar die erste Runde ausgeglichen, „aber dann bekam ich plötzlich schwere Beine, keine Ahnung warum“, berichtete der 28-Jährige. „Ich war fit, fühlte mich vor dem Kampf blendend, aber dann ging eine Zeitlang nichts.“

Sein Trainer Rüdiger May, früher selbst ein Weltklasseboxer, erkannte das Problem. „Immer wenn er zu lange stehengeblieben ist, wurde es schwierig für Timo“, erklärte der Coach. „Unsere Linie war, möglichst viel in Bewegung zu bleiben, denn das gefällt Grafka gar nicht.“ Doch diese Linie fand Rost erst ab der vierten Runde wieder. Zwar ließ er sich von dem harten Schläger aus Polen immer noch zu oft in die Seile drücken, doch befreite er sich nun wieder besser.

„Ich habe es mir selber sehr schwer gemacht“, befand der Masterstudent. „Zum Glück hat mich mein Trainer in den Rundenpausen wieder auf Linie gebracht.“ Entscheidend war aber auch, dass Rost selbst in seinen kritischen Phasen keine ernstzunehmenden Treffer einstecken musste: Sein Gesicht sah selbst nach den acht Runden aus wie auf den Hochzeitsfotos im Sommer. „Da war Grafkas Optik schon ein bisschen anders“, kommentierte Rost schmunzelnd.

In der Classic Remise zahlte sich auch Mays Einsatz während der Runden aus. Der sonst so ruhige Coach sprang auf und gestikulierte wild, um seinen Schützling an die Absprachen zu erinnern. „Das hat gewirkt“, versicherte Rost. „Es war ein Kampf, aus dem ich eine Menge lernen und sehr viel mitnehmen kann. Sicherlich mehr als aus einem zu leichten Sieg.“ Zum Beispiel auch, dass er sich nicht zu sehr an Kleinigkeiten wie nicht hundertprozentig sitzenden Handschuhen stören dürfe, ergänzte der Gerresheimer. Den Erfolg dieses Lerneffekts kann er am 9. November überprüfen: Dann steht im Emka-Sportzentrum in Velbert sein nächster Kampf an, wahrscheinlich gegen den Italiener Constantin Pancrat. Mit dem hat Rost noch eine Rechnung offen, denn das erste Duell der beiden im Februar im belgischen Roeselare werteten die Kampfrichter unentschieden – aus Sicht des seinerzeit überlegenen Düsseldorfers ein Skandalurteil.

Mehr von RP ONLINE