Basketball : Aufstiegshelden außer Gefecht

Felipe Galvez Braatz und DeShaun Cooper hatten großen Anteil am Regionalliga-Titel der ART Giants. Derzeit sind sie verletzt.

In der Meistersaison waren sie das kongeniale Duo auf der Spielmacher-Position: US-Profi DeShaun Cooper (28) und sein Back-Up Felipe Galvez Braatz (19) hatten einen großen Anteil daran, dass die Basketballer der SG ART Giants im März den Titel in der 1. Regionalliga geholt und den Aufstieg in die 2. Bundesliga Pro B geschafft haben. Doch in Deutschlands dritthöchster Liga haben die beiden bisher noch kein einziges Spiel absolviert. Langwierige Verletzungen haben sie außer Gefecht gesetzt. Ob sie noch in diesem Kalenderjahr aufs Parkett zurückkehren, scheint fraglich.

„Vielleicht klappt es mit einem Einsatz gegen die TKS 49ers im Dezember“, hofft Galvez Braatz. Er laboriert bereits seit einem halben Jahr an einer Schambeinentzündung. „Zwischendurch habe ich versucht, wieder mit dem Sport anzufangen. Aber bei Belastung waren die Schmerzen wieder da.“ Für den Youngster ist das ziemlich deprimierend. Schließlich wollte er nach seinem Abitur voll durchstarten, sich ein Jahr lang nur seinem Lieblingssport widmen. „Geplant waren zwei Trainingseinheiten pro Tag“, verrät der 19-Jährige.

Doch es kam anders. „Im letzten halben Jahr gab es schwere Phasen und Rückschläge. Wenn man frohen Mutes in die Praxis geht und dann die Nachricht erhält, dass es doch noch länger dauert, ist das sehr ernüchternd“, gibt Galvez Braatz einen Einblick in sein Gefühlsleben. Aktuell kann er im Training die Übungen mitmachen, die nichts mit Gegenspielern zu tun haben, beispielsweise Würfe, Kniebeugen oder Stabilisationsübungen.  „Wenn wir ein System laufen, erhöhe ich die Intensität. Treten aber Schmerzen auf, muss ich aufhören“, erklärt er.

Deutlich weniger beim Training mitmischen kann DeShaun Cooper, selbst beim freien Werfen muss er aufpassen. Der Amerikaner hatte sich Anfang September bei einem Testspiel in Gießen eine schwere Muskelverletzung in der Leistengegend zugezogen, prognostiziert waren mehrere Monate Pause. „Aktuell kann ich joggen und Radfahren. Zudem gehe ich jeden Tag ins Fitnessstudio. Dort mache ich Übungen für den Oberkörper und den Rücken“, berichtet der Basketballprofi. Das Training dort ist eine gute Ablenkung. „Ansonsten schaue ich in meiner freien Zeit auch viel Basketball, die NBA verfolge ich natürlich intensiv“, so Cooper. Natürlich ist auch der 28-Jährige von seiner Verletzung genervt. „Aber wenn du negative Gedanken hast, passieren auch negative Sachen. Daher denke ich nur positiv. Das ist nicht meine erste Verletzung. Das passiert, wir haben keine Kontrolle darüber. Es ist Teil des Spiels“, sagt er.

In welch schwieriger Situation sich seine Point Guards befinden, kann Trainer Jonas Jönke sehr gut nachempfinden. Als 17-Jähriger hatte er eine ähnliche Verletzung wie Galvez Braatz. „Für Felipe und Deshaun tut es mir echt leid. Beide haben Basketball als Lebensmittelpunkt. Beide haben hart für den Aufstieg gearbeitet. Wenn man dann so lange verletzt ist, ist das sehr frustrierend.“ Er weiß das Duo aber perfekt einzubinden. „Die beiden sind bei jedem Training und jedem Spiel dabei und sind bestens integriert“, betont Jönke. Beim Aufwärmen werfen sie ihren Teamkameraden die Bälle zu, während der Partien sitzen sie auf der Bank, feuern ihre Mannschaft an und geben Tipps. „Auch während der Spiele oder zu Beginn der Halbzeitpause unterhalten wir uns mit Jonas, er fragt uns auch nach unserer Meinung“, berichtet Galvez Braatz. Cooper springt im Training auch gerne als Co-Trainer ein.

Den Ausfall gleich beider Spielmacher kann eine Mannschaft normalerweise nicht kompensieren. Doch die ART Giants haben das bisher ganz gut gemeistert. Hier erwies sich die Nachverpflichtung des 23-jährigen Brady Rose als Volltreffer. „Wahnsinn, wie schnell sich Brady als junger Amerikaner bei seiner ersten Profistation zurechtgefunden hat. Er hat von der ersten Minute an geliefert“, schwärmt Jönke vom derzeit zweitbesten Korbjäger der Liga. Sein Back-Up ist Lennard Schild, der als 18-Jähriger seine Sache sehr ordentlich macht. „Lennard kann man mit Felipe aber nicht vergleichen. Das sind zwei völlig andere Spielertypen“, betont der Coach. Daher empfindet Galvez Braatz keinen Konkurrenzkampf, „außerdem möchte mich der Trainer auch auf anderen Positionen einsetzen“, weiß der Youngster. Eine baldige Rückkehr des Erfolgsduos täte übrigens auch der Rotation gut: Zuletzt standen nur acht Akteure im Kader – das ist zu wenig, um in dieser Liga 40 Minuten Vollgas geben zu können.