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Nabu-Chef Josef Tumbrinck: "Sponsoren für neue Bäume finden"

Nabu-Chef Josef Tumbrinck : "Sponsoren für neue Bäume finden"

Der Chef des Naturschutzbundes (Nabu) in NRW fordert vom neuen OB Thomas Geisel einen Runden Tisch zur Wiederaufforstung nach Orkan Ela. Er warnt davor, jetzt vorsorglich Bäume zu fällen und schlägt Neupflanzungen vor.

Herr Tumbrinck, wie stark hat es die Düsseldorfer Parks und einzelne Bäume beim Orkan Ela getroffen?

Tumbrinck Es hat bedauerlicherweise vor allem die alten Bäume getroffen. Und die sind es ja gerade, die einen enorm hohen ökologischen Wert haben. Totholz ist ja etwa für die vielen Höhlenbrüter unerlässlich. Davon ist vieles verloren gegangen.

War es ein Fehler einiger Naturschützer, jeden Baum um jeden Preis erhalten zu wollen? Wurden dadurch die Sturmschäden billigend in Kauf genommen?

Tumbrinck Dieser Orkan war in jeder Hinsicht eine Zäsur. Wir haben Kyrill erlebt, dieser Sturm hat aber vor allem die großen Wälder auf dem Land im Mittelgebirge abgeräumt. Dort standen Fichten-Monokulturen, die jetzt mit wertvollen Laubbäumen aufgeforstet werden können. Doch einen solchen Sturm im Sommer, wenn die Bäume mit ihrem Laub angreifbarer für Wind sind, hatten wir noch nicht erlebt. Und schon gar nicht mitten in der Großstadt.

Wird die Zahl der Stürme mit der Intensität des Orkans Ela künftig zunehmen?

Tumbrinck Ich fürchte, darauf müssen wir uns einstellen. Ich habe die Angst, dass so etwas wieder kommt. Und es kann alle treffen. Beim nächsten Mal ist es vielleicht Bonn oder Bielefeld.

Was ist schiefgelaufen bei der Planung der städtischen Parks in Düsseldorf?

Tumbrinck Nichts, da möchte ich der Letzte sein, der nun Vorwürfe macht. Es konnte ja niemand mit solch einem Sommersturm rechnen. Das war völlig neu. Doch jetzt müssen wir umdenken. Was wir dringend in Düsseldorf brauchen, ist ein Baumkataster. Es muss erfasst werden, welche Bäume in welcher Anzahl wo in der Stadt stehen. Nur so können wir vor und nach Stürmen erkennen, welche Baumarten, in welchen Lagen besser oder schlechter sind. Und deren Alter müssen wir bestimmen. Ein Baumkataster dürfte keinen großen Aufwand darstellen, da die Stadtbäume ja eh wegen der Verkehrssicherheit zwei Mal im Jahr, einmal im Sommer, einmal im Winter, begutachtet werden müssen.

Was muss jetzt in den Parks der Landeshauptstadt geschehen?

Tumbrinck Es muss auf jeden Fall wieder aufgeforstet und nachgepflanzt werden. Doch nicht unüberlegt. Aber so oder so braucht Düsseldorf wieder seine grünen Lungen. Die sorgen für Erholung, für bessere Luft in der Stadt, für mehr Feuchtigkeit und Vieles mehr.

Doch das kann teuer werden. Erlöse aus dem Sturmholz erzielt die Stadt nicht, weil sie es an eine Firma verschenkt. Der designierte Oberbürgermeister Thomas Geisel hat Schulden zur Finanzierung neuer Bäume nicht ausgeschlossen...

Tumbrinck Wir sollten Sponsoren finden, die die Finanzierung der neuen Bäume tragen. So ein Baum ist doch ein tolles Symbol. Ich bin sicher, dass es private Unternehmen oder auch einzelne Bürger gibt, die bereit sind, sich an der Finanzierung neuer Bäume zu beteiligen. Hier muss Thomas Geisel schnell zu einem Runden Tisch einladen, damit das Engagement koordiniert werden kann.

Müssen die Straßenbäume an den Düsseldorfer Alleen neu gepflanzt werden?

Tumbrinck Bäume im intensiv genutzten Straßenraum dürfen nicht neu gepflanzt werden. Ich kann nicht empfehlen, auch nicht als Naturschützer, auf Verkehrsinseln nun neue Bäume zu pflanzen. Wenn sie klein sind, mag das ja noch gehen. Aber große Bäume können an stark frequentierten Lagen zur Gefahr für Menschen werden. Das ist nicht hinnehmbar. Wir müssen andere Lösungen der Begrünung für solche Lagen finden. Etwa Verkehrsinseln mit nährstoffarmen Böden oder mit Sträuchern. Das ist grün und entfaltet eine tolle Blütenpracht.

Standen die falschen Baumarten in der Stadt, besonders stark sind ja Pappeln und Platanen vom Orkan niedergemäht worden?

Tumbrinck Der Sturm hat wenig überraschend gezeigt, dass Pappeln an Alleen in der Stadt oder sonst wo völlig ungeeignet sind. Die Weichholzbäume sind in dem Orkan umgeknickt wie Streichhölzer. Platanen, keinesfalls bei uns heimisch, waren dem Stadtklima gut angepasst und kommen mit langer Trockenheit aus. Aber wir haben gesehen, dass sie einem solchen Sturm oft eben nicht gewachsen sind. Und die Stadt ist voll von Platanen.

Sollten also vorsorglich Platanen und andere sturmgefährdete Bäume gefällt werden, um künftige Schäden an Menschen zu verhindern?

Tumbrinck Nein, so weit würde ich nicht gehen. Wir dürfen nicht prophylaktisch Bäume fällen. Sonst haben wir bald baumleere Parks in Düsseldorf.

Aber wie wollen Sie die Menschen vor Gefahren schützen?

Tumbrinck Wir müssen künftig Parks bei Stürmen und wenn möglich vor schweren Unwettern konsequent für Besucher sperren. Wir sperren ja auch die Straßen für den Rosenmontagsumzug. So etwas ist möglich. Und wer die Sperrungen dann umgeht, der geht eigenverantwortlich ein hohes Risiko für sich ein.

Die Parks der Stadt, viele vom berühmten Gartenplaner Maximilian Friedrich Weyhe entworfen, hat es schwer getroffen. Werden die Düsseldorfer je ihre geliebten Parklandschaften wieder bekommen? Wird es den Hofgarten überhaupt wieder geben?

Tumbrinck Die Sichtbeziehungen und Lichtachsen, die Mischung aus jungen und alten Bäumen, diese Kulturgüter wird es wieder geben. Aber sie werden nicht so aussehen wie vor dem Sturm Ela. Es werden andere Bäume an deren Stelle wachsen, solche, die Unwettern besser gewachsen sind, vielleicht Linden, Ahorn oder Eichen. Das wissen wir heute noch nicht. Den idealen Stadtbaum müssen wir noch finden. Die Parks werden anders aussehen. Aber die Menschen werden sich an das neue Design schnell gewöhnen. In ein oder zwei Jahren ist das alte Bild der Parks nicht mehr im Bewusstsein der Menschen.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)