Spielhallen-König Paul Gauselmann: „Was ich tue, ist legal“

Sponsor der Düsseldorfer Arena im Interview : „Was ich tue, ist legal“

Der Gründer des Spielhallen-Imperiums, Paul Gauselmann, spricht über sein Arena-Sponsoring, den Streit in Düsseldorf und warum er sich von Grünen-Fraktionssprecher Norbert Czerwinski beleidigt fühlt – und juristische Schritte gegen ihn prüft.

Wir treffen Paul Gauselmann in seinem Büro in Espelkamp. Es sieht nicht nach Milliardär aus, ist nicht besonders groß. Schreibtisch, Sitzecke, zwei Spielautomaten, ein kleiner Zimmerbrunnen – das war’s.

Herr Gauselmann, Sie gelten als sehr sportlich. Waren Sie heute schon schwimmen?

Gauselmann Nein, erst morgen wieder. Ich schwimme jeden zweiten Tag eine halbe Stunde. Mittwochs und samstags spiele ich jeweils drei Stunden Tennis.

Wie ist das eigentlich für Sie, wenn alle gerne Ihr Geld nehmen, aber am besten nichts mit Ihrer Branche zu tun haben wollen?

Gauselmann Das ist ja nicht so, wir haben cirka zehn Millionen Spielgäste. Die Branche wird in Düsseldorf instrumentalisiert für Ungereimtheiten zwischen den Akteuren. Da geht es um Scharmützel zwischen Parteien, Oberbürgermeister und Sportverein. Was mich angeht, akzeptiere ich Kritik, aber nicht, wenn es böse wird. Norbert Czerwinski, der Fraktionssprecher der Grünen, hat öffentlich gesagt, er halte mich für einen dubiosen Partner. Das empfinde ich als eine persönliche Beleidigung. Ich lasse juristisch prüfen, ob ich dagegen vorgehen kann. Denn das geht zu weit.

Warum ärgert Sie die Aussage so? Die Diskussion um die Förderung der Spielsucht ist für Sie doch Alltag.

Gauselmann Ich betreibe dieses Geschäft seit fast 62 Jahren. Was ich tue, ist legal. Ich bin ein unbescholtener Unternehmer, sonst hätte mir der Bundespräsident auch nicht das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Alles geschieht im Rahmen der Gesetze. Wenn jemand etwas gegen das Spielen hat, ist das in Ordnung. Ich komme aus Münster, da habe ich schon als Kind gelernt, wie Pharisäer sind. Letztlich ist das Spiel eine der schönsten Sachen, die der Mensch machen kann. Ich stehe da drauf.

Spielen Sie immer noch abends im Bett Backgammon?

Gauselmann Ja, wenn ich gegen den Computer verliere, gibt es eine zweite Partie. Wenn ich dann gewonnen habe, schlafe ich zufrieden ein.

Sie haben eine Stiftung für Kinder gegründet, die durch die Spielsucht ihrer Eltern leiden. Fühlen Sie sich mitverantwortlich?

Gauselmann Wieso bin ich verantwortlich? Jeder ab 18 Jahre ist selbst für sein Tun verantwortlich. Nur ein bis zwei Prozent der Menschen, die zu uns kommen, sind echt spielsüchtig. Meist steckt dahinter ein ganz anderes persönliches Problem, und Spielen lenkt von Problemen ab. Ich kann es doch nicht ändern. Haben Sie schon mal einen Bierlieferanten gefragt, ob er für Alkoholismus verantwortlich ist? Aber warum sollen Kinder unter den temporären Problemen ihrer Eltern leiden? Da versuchen wir zu helfen.

Sie haben gesagt, wer es übertreibe, sei selber schuld.

Gauselmann So ist es auch, es sei denn jemand hat ein psychisches Problem.

Sie hatten 2011 die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der verdeckten Parteienfinanzierung zu Besuch. Spenden Sie und Ihre leitenden Mitarbeiter noch für Parteien?

Gauselmann Das Verfahren hat sich in Luft aufgelöst. Und ja: Wir spenden. Jeder, der uns fragt, bekommt Geld. CDU, CSU, SPD und FDP erhalten pro Jahr jeweils fest 11.000 Euro, was leider nicht von der Steuer absetzbar ist. Die Beträge tauchen aufgrund ihrer Höhe in den Rechenschaftsberichten der Parteien auf. Darauf lege ich wert. Zudem spenden Familienmitglieder und leitende Angestellte, sie können die Spenden bis 3000 Euro pro Person wenigstens von der Steuer absetzen, was ich als sparsamer Westfale sehr begrüße.

In welchem Umfang spenden Sie alle und was nutzt es?

Gauselmann Die Gesamthöhe kenne ich nicht. Die Parteien sind wichtig für uns, weil ihre Gesetze uns betreffen. Mit Spenden kann man keine Gesetze ändern. Wenn man Glück hat, kann man aber Informationen an die Politik herantragen. Zum Beispiel, dass ein Spiel bei uns durchschnittlich nur ein bis zwei Cent kostet, es geht also um kleines Geld. Politik sollte wissen, dass wir vor allen Dingen deswegen erfolgreich sind.

Die FDP ist Teil der Ampel-Ratsmehrheit in Düsseldorf. Ihr Fraktionschef Manfred Neuenhaus wird sich im Stadtrat dafür einsetzen, dass der Vertrag zum Namenssponsoring der Arena mit Ihrem Unternehmen rückabgewickelt wird. Was sagen Sie dazu?

Gauselmann Die Dame der FDP im Aufsichtsrat hat ja zugestimmt und sagt, dass Verträge erfüllt werden. Was dagegen Herr Neuenhaus sagt, enttäuscht mich. Wenn er ein Problem mit seinem Oberbürgermeister hat, soll er das bitte nicht auf unserem Rücken austragen. Ich bin der FDP nah und habe gleich Hermann Otto Solms, mit dem ich seit 40 Jahren befreundet bin, angerufen und ihn gefragt, was sie für eine FDP in Düsseldorf haben. Ich habe mich dann schnell wieder beruhigt, denn schließlich bestimmt in unserer Demokratie nicht die Parteispitze die Meinung der Partei, sondern die Mehrheit. Und da kann ich nur hoffen, dass die Mehrheit in der FDP anders denkt.

Herr Neuenhaus sagt, dass Sie mit dem Arena-Sponsoring Seriosität kaufen wollen.

Gauselmann Das zeugt von Unkenntnis. Seriosität muss ich nicht kaufen, ich bin seriös, und zwar in jeder Beziehung. Wir sind auch nicht auf Düsseldorf zugegangen, sondern Düsseldorf auf uns.

Sein Kollege von der SPD, Markus Raub, meinte, der Name sei nicht wirklich gewollt, deswegen erhalte man ja so viel Geld. Stimmt das, sind 3,75 Millionen Euro im Jahr eigentlich zu viel?

Gauselmann In meinen Augen wären drei Millionen Euro genug gewesen. Aber es war schon weit vorverhandelt, da bin ich nicht mehr so tief durchgedrungen. Wir haben uns am Ende in der Mitte getroffen, und es erhalten ja auch viele Sportvereine Geld aus dieser Summe, was ich sehr gut finde.

Der Glücksspielstaatsvertrag führt jetzt zur Reduktion von Spielhallen. In Düsseldorf haben Sie sechs Betriebe und 75 Beschäftigte. Insgesamt gibt es in der Stadt rund 90, ein Drittel wird laut Stadt wegfallen. Hoffen Sie, dass der Arena-Deal beim Erhalt Ihrer Betriebe hilfreich ist?

Gauselmann Da man uns jetzt besser kennt, wird man wissen, dass in Düsseldorf so entschieden wird wie in vielen anderen Städten in Deutschland, nicht nach Quantität, sondern nach Qualität. Und da sind wir zum Glück die Nummer eins in Deutschland. Im Übrigen zahlen wir brav unsere Vergnügungssteuer und auch Gewerbesteuer in Düsseldorf – und zwar Jahr für Jahr mehrere Millionen Euro.

Der Streit um eine Spieleinsatzsteuer hat 2006 bei Ihnen zu einem Herzinfarkt geführt. Wie beurteilen Sie das heute mit fast 84 Jahren: Lohnt sich ein Leben mit viel so viel Gegenwind?

Gauselmann Sehen Sie einen unzufriedenen Menschen vor sich? Ich konzentriere mich auf die positiven Dinge, die mache ich stark. Die negativen versuche ich wegzuarbeiten. Ich bin ein realistischer Optimist.

Sie haben in einem Interview mal gesagt, als Lusche komme man nicht durch. Ist der Arena-Name vor diesem Hintergrund ein Sieg?

Gauselmann Nein. Wenn mein erster Mann, ein langjähriger Düsseldorfer, nicht so dafür gewesen wäre, wäre es vielleicht gar nicht zum Sponsoring gekommen. Ich war zunächst halbe-halbe dafür.

Kommen Sie nach Düsseldorf und schauen sich das Ergebnis an?

Gauselmann Das werde ich wohl öfter tun. Auf jeden Fall schaue ich mir im kommenden Jahr die Ehrlich Brothers aus dem Nachbarort Bünde an. Ich habe sie zu einem früheren Zeitpunkt mal sehr unterstützt, da freue ich mich, ihren Erfolg in Düsseldorf zu erleben. Und meine Lieblingsvereine BVB und Schalke werde ich auch gerne dort besuchen.

Was bedeutet es Ihnen, als deutscher Marktführer in der NRW-Landeshauptstadt so präsent zu sein?

Gauselmann Das war ein wichtiger Grund für mich. Düsseldorf ist für uns die Regierungsstadt in NRW. In Frankfurt und München hätte ich es nie gemacht, in Berlin vielleicht, wegen der Bundesregierung. Und: In Düsseldorf liegt die Arena so nah am Flughafen, dass das Sponsoring auch aus dem Flugzeug wahrgenommen wird. Und die Messe ist gleich daneben, da habe ich mit meinem Branchenverband, dem Verband der Deutschen Automatenindustrie (VDAI), schon mehrfach Messen durchgeführt und werde es vielleicht bald wieder tun.

Messe-Chef Werner Dornscheidt hat Ihnen mal einen Tennisschläger geschenkt.

Gauselmann Er hat mich vor allem mit dem Brot von Bäcker Hinkel bekannt gemacht. Ich esse es seit Jahren mit Genuss zum Frühstück.

Mit Paul Gauselmann sprach Uwe-Jens Ruhnau.

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