Gedenken an Reichspogromnacht: Spiegel vermisst "Aufstand der Anständigen"

Gedenken an Reichspogromnacht: Spiegel vermisst "Aufstand der Anständigen"

Düsseldorf (dto). Die Bundesregierung müsse die Bekämpfung rechter Gewalttäter zu einem Schwerpunkt machen. Das forderte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, bei der zentralen Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am Mittwochabend in Düsseldorf. Es gebe eine "Besorgnis erregend voranschreitenden Rechtsradikalisierung in den Köpfen vieler Jugendlicher" vor allem in Ostdeutschland.

Nach seinen Worten registrierte die Polizei in den vergangenen vier Jahren bundesweit etwa 60.000 Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund, darunter mehr als 4.000 Gewaltdelikte. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres habe es in Ost- und Westdeutschland weitere 4.600 rechtsextremistische Straftaten gegeben.

Angesichts dieser Zahlen müsse man sagen, dass Antisemitismus und Rassismus leider "auch heute fast schon wieder eine Alltäglichkeit" in Deutschland seien. Angesichts eines "ungebremsten Anstiegs" solcher rechtsextremistischen Straftaten vermisst der Zentralrats-Präsident einen "Aufstand der Anständigen", zu dem Bundeskanzler Gerhard Schröder nach dem Anschlag auf die jüdische Synagoge in Düsseldorf vor fünf Jahren aufgerufen hatte. "Die Schändung von jüdischen Friedhöfen, das Beschmieren von Wänden mit Hassparolen oder die bei den jüdischen Gemeinden und dem Zentralrat eingehenden Schmähungen und Beschimpfungen schlimmster Art finden auf Grund ihrer Häufigkeit kaum noch Erwähnung in den Medien", bedauerte er.

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Nach Spiegels Worten leben in den jüdischen Gemeinden in Deutschland inzwischen wieder etwa 100.000 Menschen, die auf die Festigkeit der demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen in der Bundesrepublik setzten. Mit Blick auf die Zerstörung der Synagogen und die Verhaftung Tausender jüdischer Männer durch die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 mahnte Spiegel, die Erinnerung an "das größte Menschheitsverbrechen aller Zeiten" unbedingt zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben.

(ap)
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