1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Sparkassen-Chef will nicht an Stadt zahlen

Düsseldorf : Sparkassen-Chef will nicht an Stadt zahlen

Eigentlich sollte die Stadtsparkasse neun Millionen Euro ihres Gewinns an die Stadt abgeben – drei Millionen mehr als sonst. Doch der neue Chef der Bank stellt sich offenbar quer und verweist auf neue Bankenregeln. OB Dirk Elbers soll wenig begeistert sein.

Eigentlich sollte die Stadtsparkasse neun Millionen Euro ihres Gewinns an die Stadt abgeben — drei Millionen mehr als sonst. Doch der neue Chef der Bank stellt sich offenbar quer und verweist auf neue Bankenregeln. OB Dirk Elbers soll wenig begeistert sein.

So hatte sich das Oberbürgermeister Dirk Elbers nicht vorgestellt, als er Arndt Hallmann vor gut sechs Monaten ins Amt als Chef der Stadtsparkasse Düsseldorf hob. Hallmann gibt sich offenbar plötzlich als Querkopf.

Der Hintergrund: Kämmerer Manfred Abrahams und das Stadtoberhaupt hatten im Herbst beschlossen, statt der üblichen sechs Millionen Euro dieses Jahr neun Millionen vom Gewinn der Sparkasse an das Stadtsäckel zu überweisen. So sollte ein Teil der wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen kompensiert werden. Aber da machte der neue Sparkassenchef den beiden Verwaltern einen Strich durch die Rechnung.

Es gibt keine neun Millionen, und auch keine sechs. Es gibt von der Sparkasse wohl diesmal nicht einen einzigen Cent für die Stadt, das ist zumindest aus dem Umfeld des Verwaltungsrats der Bank zu hören. Das Gremium, in dem Lokalpolitiker und Mitarbeiter sitzen, ist die höchste Kontroll- und Entscheidungsinstanz der Stadtsparkasse

  • Fotos : Die Gäste bei der Verleihung "Düsseldorfer des Jahres"
  • Düsseldorf : Sparkassen-Renntag auf dem Grafenberg
  • Stastsparkasse Düsseldorf : Führungskraft abgelöst
  • Vorläufiges amtliches Endergebnis : SPD holt Südkreis – Grüne über 20 Prozent
  • Bei der CDU war die Stimmung
    Bundestagswahl : Stimmungswechsel in Düsseldorf
  • Bundestagswahl 2021 : Diese Düsseldorfer haben es nach Berlin geschafft

Hallmann hat gute Gründe, so vorzugehen. Seine Bank steht zwar wirtschaftlich auf soliden Füßen, allerdings gibt es mehrere Lasten, die das öffentliche Institut zurzeit schultern muss.
Da ist zum Einen eine Altlast: die frühere WestLB. Daran, beziehungsweise an den Nachfolge-Instituten Portigon und "Erste Allgemeine Abwicklungsbank" ist die Stadtsparkasse Düsseldorf indirekt über den Rheinischen Sparkassen- und Giroverband beteiligt. Die Lasten für den Verband wurden vergangenes Jahr auf 250 Millionen Euro beziffert. Davon muss die Sparkasse im Zweifel 7,9 Prozent tragen, also fast 20 Millionen Euro. Ob und in welcher Höhe das kommt, ist allerdings ungewiss.

Die zweite Baustelle der Sparkasse teilt sie mit allen Banken Europas. Es geht um die neue Bankenregulierung namens Basel III. Der so genannte Baseler Ausschuss hatte sich im Zuge der Bankenkrise darauf geeinigt, dass die Institute ihre Kernkapitalquote, einen bestimmten Teil des Eigenkapitals, erhöhen müssen. Nach den Problemen nach der Lehman-Pleite sieht die Regelung auch mehr Liquidität bei den Banken vor. Auch bei der so genannten Fristentransformation, (Teile der kurzfristigen Einlagen werden langfristig weiter verliehen), gibt es strengere Auflagen. All das muss Hallmann dieses Jahr in der Sparkasse umsetzen, da Basel III im Jahr 2013 schrittweise eingeführt wird. Manche Experten aus den Verbänden gehen davon aus, dass das Eigenkapital der Stadtsparkasse mittelfristig um mehr als 100 Millionen Euro aufgestockt werden muss.

Jetzt versuchen einige Politiker es hinter vorgehaltener Hand so darzustellen, als wolle Hallmann nicht an die Stadt zahlen. Das aber ist wohl nicht zu halten. Erstens hat sowieso der Verwaltungsrat das letzte Wort. Zweitens agiert Hallmann als ordentlicher Kaufmann, der sein Unternehmen wie jeder andere Manager für härtere Zeiten krisenfest macht. Lange hat man den Banken vorgeworfen, nur kurzfristig auf Gewinn zu setzen. Wenn dann ein Bankchef die Konsequenzen zieht, und Mittel für schlechte Zeiten beiseite legt, kann man ihm das nicht zum Nachteil auslegen.

Wer jetzt behauptet, eine städtische Sondersituation mache eine Ausnahme erforderlich, der sollte bedenken, dass es für das wirtschaftliche Wohl der Stadt wichtiger ist, eine gesunde Sparkasse zu haben. Dabei geht es nicht nur um Sponsoring und Caritatives, sondern auch um günstige Kredite für Düsseldorfs Mittelstand.