Preisverleihung in Düsseldorf: Sonia Ben Hedia mit dem Drupa-Preis ausgezeichnet

Preisverleihung in Düsseldorf : Sonia Ben Hedia mit dem Drupa-Preis ausgezeichnet

Die 30-jährige Sprachwissenschaftlerin von der Heinrich-Heine-Uni hat erforscht, wie bestimmte Wörter im Gehirn verarbeitet werden. Mit ihrer empirischen Forschung habe die Preisträgerin eine Wissenslücke in der Linguistik geschlossen, hieß es.

Die Sprachwissenschaftlerin Sonia Ben Hedia ist für ihre Dissertation an der Heinrich-Heine-Universität mit dem Drupa-Preis 2019 ausgezeichnet worden. In der Arbeit hat die 30-Jährige mithilfe der Phonetik untersucht, wie sogenannte affigierte Wörter im Gehirn verarbeitet werden: Ein Affix ist ein unselbstständiger Teil eines Wortes. Mit ihrer empirischen Forschung habe die Preisträgerin eine Wissenslücke in der Linguistik geschlossen und Raum für weitere Grundlagenforschung geschaffen, hieß es in der Begründung.

„Gemination and degemination in English affixation: Investigating the interplay between Morphology, Phonology und Phonetics“ ist der Titel der Arbeit, für die Ben Hedia den mit 6000 Euro dotierten Drupa-Preis erhielt. Dieser wird stets für eine an der Philosophischen Fakultät der Heine-Uni erbrachte, außergewöhnliche geisteswissenschaftliche Leistung vergeben. Die Übergabe fand im Industrie-Club statt – in Anwesenheit von Rainer Hundsdörfer (Aussteller- und Besucherbeirat der drupa), Hans Werner Reinhard (Messe Düsseldorf), Uni-Rektorin Anja Steinbeck, Dekan Achim Landwehr, und Ingo Plag (Institut für Anglistik).

Ein Affix kann anders als andere Wörter nicht für sich alleine stehen. Eine zentrale Frage in der Dissertation von Sonia Ben Hedia war nun, wie Wörter mit einem Affix im Gehirn verarbeitet werden. Sie betrachtete englische Wörter, die in Verbindung mit Affixen Doppelkonsonanten bilden – wie zum Beispiel „un-“ in un-natural oder „-ly“ wie in real-ly. Bei der Aussprache solcher Doppelkonsonanten existieren zwei Möglichkeiten: Entweder sie werden mit einer längeren Dauer als ein einzelner Konsonant artikuliert oder sie werden kürzer ausgesprochen – das lässt Rückschlüsse darauf zu, ob die Bestandteile des Wortes im Gehirn einzeln oder zusammenhängend verarbeitet werden. Die Forscherin wertete Tausende Beispiele aus, für die sie viele englischsprachige Probanden auf Band hat sprechen lassen. Ergebnis: Wörter, die mit dem Affix „un-“ gebildet werden, werden länger ausgesprochen.

Rainer Hundsdörfer erklärte, Sonia Ben Hedia habe einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis morphophonologischer Wechselwirkungen geleistet: „Selbst schwierige statistische Verfahren werden gut erklärt, was es auch nicht eingeweihten Lesern leichtmacht, die in der Arbeit angewandten komplexen analytischen Verfahren nachzuvollziehen.“ Die in Kreuztal geborene Preisträgerin hat in Siegen studiert. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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