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Serie: Düsseldorf wächst: So wohnt man zukünftig in der Großstadt

Serie: Düsseldorf wächst : So wohnt man zukünftig in der Großstadt

Das ideale Heim bietet maximale Flexibilität in allen Lebensphasen und ist daher zum Beispiel auch barrierefrei gestaltet und mit Abtrennmöglichkeiten ausgestattet. Der Trend geht zu Vier-Zimmer-Wohnungen mit offenem Wohn- und Küchenbereich.

Wer es sich leisten kann und auf weitläufiges Grün verzichten mag, genießt das Stadtleben mit Dachterrasse und Hinterhofidyll, Waschsalon und Café gleich um die Ecke. Die neue Landflucht steht für den Wunsch nach Unabhängigkeit, Modernität und vor allem Mobilität — und das in jedem Alter. Und wohin geht in Düsseldorf die Reise beim Wohnen? "Drei Zimmer, Küche, Bad, lebenslänglich! Dieser Traum ist ausgeträumt", sagt Silvia Pappa. Die Düsseldorfer Innenarchitektin ist davon überzeugt, dass das Modell der Zukunft "maximale Flexibilität in allen Lebenslagen" heißt.

 Der Trend geht zu bezahlbaren 120 bis 130 Quadratmeter großen Vier-Zimmer-Wohnungen.
Der Trend geht zu bezahlbaren 120 bis 130 Quadratmeter großen Vier-Zimmer-Wohnungen. Foto: Grafental

Die 50-Jährige beobachtet, dass statt ein Leben lang in einer Wohnung, in einem Haus zu leben, der Wunsch wächst, sein Heim jeder Lebensphase optimal anpassen zu können. Größere Räume werden wichtiger, die Zonen Küche, Ess- und Wohnbereiche verschmelzen zu einem großzügigen All-in-one-Raum. "Man will mit Familie und Freunden kochen", sagt Pappa, die neben privaten Wohnungen und Villen auch Galerien, Bürogebäude und auf dem Universitätsgelände die O.A.S.E. mit ihrer Fachbibliothek gestaltet hat.

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"Der Trend geht zu größeren Wohnungen", so Andreas Mauska, Vertriebsleiter im Grafental, Düsseldorfs größtem Neubaugebiet. "Gut geschnittene Vier-Zimmer-Wohnungen sind am meisten gefragt, deshalb verzichten wir im nächsten Bauabschnitt auf Zwei-Zimmer-Wohnungen. Die Käufer, die das Eigentum selber nutzen, wünschen bezahlbare 120 bis 130 Quadratmeter." Pablo Molestina, Architekt und Dekan der Fachhochschule, stellt fest, dass "gerade in Großstädten wie Düsseldorf mit seinen zahlreichen Singles man sich mehr Raum erlauben kann und will". In Deutschland liegt die Wohnfläche pro Kopf übrigens bei — nie dagewesenen — 43 Quadratmetern.

Raumzonen lösen starre Raumstrukturen ab, das klassische Denken in einzelnen Räumen ist passé. Heute dient das Wohnzimmer ganz selbstverständlich auch als Home Office. Was bedeutet: "Einbauten und Schiebe- oder Drehtüren werden als Gestaltungselemente immer beliebter", betont Silvia Pappa. Man nutzt Nischen als Stauräume, damit wenig rumsteht. Schiebetüren haben zum Beispiel den Vorteil, sich zurückziehen und am Laptop arbeiten zu können. Der offene Wohn-Küchenbereich ist bei Jung und Alt Standard. So liegt in den rund 1500 geplanten Wohnungen im Grafental die Quote gar bei 98 Prozent.

Bei aller Offenheit der Räume sei jedoch notwendig, dass die Technik funktioniert und in eine gescheite Dunstabzugshaube investiert wird. Apropos Technik, alle reden von intelligentem Wohnen, wie sieht es denn mit den BUS-Systemen aus? "Davon träumen viele", weiß Gerhard G. Feldmeyer, Partner bei HHP Architekten. "Aber den meisten ist es dann doch zu teuer — noch. Denn so wie das Internet im Auto einzieht, wird es normal werden, von unterwegs schon die Rollläden oder die Heizung hochzufahren."

An den Wänden ist Schluss mit weißem Allerlei. Metallisch-Irisierendes, Kupfer und Gold feiern ein glänzendes Comeback. Wertvolle Tapeten mit großflächiger Ornamentik in warmen Kupfer- und Goldnuancen vermitteln einen Hauch von zeitloser Eleganz. Neben floralen Mustern behaupten sich Papierstrukturen und feine Hanfgewebe. "Gutes Wohnen ist den Menschen wichtig", sagt Ursula M. Geismann, Trendanalystin und Designexpertin beim Verband der Deutschen Möbelindustrie. Sie weiß auch, dass die einst so beliebte 1-2-3-Garnitur ein Opfer des Wandels ist. Saßen einst die Herren des Hauses gerne im Einzel-Sessel und der Rest der Familie teilte sich das Sofa, punkten heute Wohnlandschaften und aktuell wieder kleinere Sofas. "Sitzen nach Rangordnung ist out. Es geht um Bequemlichkeit und Komfort für alle."

Das A&O bei jedem Neubau sind flexible Grundrisse. Denn aus Altersgründen will niemand mehr umziehen müssen, sind sich Architekten, Inneneinrichter und Designer einig. Die Idealwohnung muss in der Lage sein, für jeden Altersabschnitt auch bei eingeschränkter Mobilität nutzbar zu sein. Darum gehören größere Bäder ebenso zum Standard wie eine ebenerdige Dusche. "Wer heute nicht barrierefrei baut, macht große Fehler", sagt Mauska.

Das Gleiche gilt für den Balkon. Gefragt seien große, mindestens 2,50 Meter tiefe Balkone. Das Zuhause unterm Sternenhimmel steht auf der Wunschliste ganz oben: Gerade in dicht bebauten Vierteln, sind sich die Experten einig, blüht die Frischluft- und Natursehnsucht.

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(RP)