So wohnt Düsseldorf: Indian Summer in Urdenbach

So wohnt Düsseldorf : Indian Summer in Urdenbach

In einem Siedlungshaus aus den 1930er Jahren ist die Vergangenheit immer noch spürbar. Wir zeigen Bilder des Gebäudes, das über die Jahre nur behutsam verändert wurde.

Es war das Jahr, als Fortuna die deutsche Meisterschaft gewann – und Hitler Ehrenbürger der Stadt wurde: 1933. Wohnungen waren knapp, schon damals. Im Süden der Stadt hatten sich etliche Fabriken angesiedelt, so wuchs die Dringlichkeit, für die Arbeiter eine Siedlung zu bauen. Bescheidene Häuser mit kleinen Kammern, Gärten mit Obst und Gemüse, Ställe für Kaninchen und Hühner und in der Umgebung Natur pur und gute Luft. Ein Jahr später zogen die ersten Familien ein, und die Siedlung bekam ihren Namen: Urdenbacher Acker.

Auf dem Tisch duftet ein Kuchen mit den ersten Äpfeln des Spätsommers. Aus dem eigenen Garten. Ohne dieses Stück Grün, immerhin 630 Quadratmeter groß, hätten sie das Haus wohl kaum gekauft. Denn das war in einem maroden Zustand, dadurch erschwinglich. „Denn Geld hatten wir damals nicht“, erinnert sich Dorothea Quermann.

Die Kinder waren noch klein und sie selbst war junge Ärztin. So entschied die Familie 1986, in die Urdenbacher Siedlung zu ziehen. Die hat sich über die Jahre verändert. Die Besitzer wechselten, jeder brachte seine Vorstellung von Wohnlichkeit mit, veränderte, riss ab, baute an: Heute prägen Klinkerfassaden in allen Variationen das Bild, fast alle Häuser bekamen moderne Haustüren, einige Dächer wurden mit Solarzellen bestückt, dazwischen ein Holzgiebel: So entstand im Laufe der Jahrzehnte ein Architektur-Cocktail.

„Wir haben uns damals entschlossen, den Charakter unseres Hauses möglichst wenig zu verändern“, berichtet Dorothea Quermann. Die Bescheidenheit der frühen Jahre wurde nicht weg modernisiert, auch hat das Haus mit seiner hellen Fassade noch immer Fensterläden wie einst – gestrichen in der Farbe reifer Pflaumen.

Ein schräges Ziegeldach, von zwei Säulen gestützt, erinnert daran, wo einst die Haustür war. Denn vor allem das Innere ihres Hauses hat die Familie verändert. Der Eingang wurde an die Seite verlegt, die schmale Stiege ins Obergeschoss wurde durch ein großzügiges Treppenhaus ersetzt, für das die Decke teils geöffnet wurde. Aus zwei kleinen Kammern wurde eine offene Küche mit großem Esstisch. Die alten Ställe wurden abgerissen und schufen Platz für einen Anbau mit Schlafzimmer und Bad. So entstand im Erdgeschoss eine komplette Wohnung für das Paar – altersgerecht, mit Blick in die Zukunft.

Und in den Garten. Selbstversorger – wie in Anfangszeiten der Siedlung – ist die Familie nicht mehr, aber sie erntet Himbeeren, Kirschen und Äpfel, und aus einem Beet leuchtet ein intensives Orange, dort wächst Kürbis seiner Reife entgegen. Zwei Terrassen werden von Morgen- und Abendsonne illuminiert, davor sprießen in einer Pflanzspirale Küchenkräuter. Die ist Marke Eigenbau, ein Kübel aus dem Baumarkt wurde aufgeschnitten, nun gedeihen Koriander & Co. auf verschiedenen Etagen. Solche und andere grüne Ideen zeigt sie Besuchern am „Tag der offenen Gartenpforte“ im September.

Früher hatten alle Häuser zur Straßenseite dichte Hecken, sie sind nach und nach verschwunden, statt Immergrün lässt es Familie Quermann heute in ihrem Vorgarten üppig blühen – zu jeder Jahreszeit.

Soeben machen sich blauer Eisenhut und pinkfarbene Astern für ihren großen Auftritt im Herbst bereit. Vor Jahren mussten mehrere alte Tannen weichen, damit sich im Frühjahr Tulpen, Narzissen und Schwertlilien im Licht entfalten können. Zurzeit dominieren Amadeus und Rosenresli das Bild – rosa und rote Rosen, die über einen Bogendurchgang klettern. Und im Herbst wird der große Ahorn Indian Summer nach Urderbach holen.

Mitten in der Stadt zu wohnen, könnte sich Dorothea Quermann nicht mehr vorstellen. Für die Ruhe nahe des Naturschutzgebietes Urdenbacher Kämpe nimmt sie die tägliche Fahrt zu ihrer Praxis nach Oberkassel in Kauf: „25 Minuten ohne Stau.“ Außerdem möchte sie nicht auf ihre Nachbarschaft verzichten. „Das ist sehr überschaubar hier, alle kennen sich.“ Und kommen regelmäßig zusammen – wie zum „Siedler-Schoppen“ nächsten Samstag. Ein bisschen wie früher, in den Anfangsjahren der Siedlung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So wohnt Düsseldorf - Blumenparadies in Urdenbach

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