"So wohnt Düsseldorf": Ein American Dream in Düsseldorf-Angermund

Serie „So wohnt Düsseldorf“ : Der American Dream in Angermund

Ein Paar baute im Düsseldorfer Stadtteil Angermund ein original-amerikanisches Haus mit Holzfassade – und einer Veranda mit Hollywoodschaukel. Wie kommt man denn auf diese Idee?

Andere bringen irgendwelche Souvenirs von einer USA-Reise mit: Verrückte Weihnachtsdeko, das Weiße Haus fürs Bücherregal, eine Baseballkappe der NY Yankees. So was in der Art. Viola und Jens S. kehrten mit einer Vision im Gepäck zurück.

Und die haben sie vor vier Jahren dann auch verwirklicht: Sie bauten ein amerikanisches Haus - mit Holzfassade, Sprossenfenstern, Veranda. Wie hieß noch der Film, in dem die Lady mit Cowboy-Hut im Schaukelstuhl sitzt, die Knarre auf den Knien? So ähnlich muss man sich das vorstellen, natürlich moderner – und ohne Gewehr.

Eine ruhige Straße in Angermund mit dem üblichen Architektur-Mix aus Alt und Neu. Dazwischen dieses Haus, das genauso auch in Virginia stehen könnte. Mit seiner silbergrauen Holzfassade, vier symmetrisch angeordneten Dachgauben, weißen Fenstern und Türen, Schindeln statt Ziegel auf einem Dach, das sich so tief duckt, damit auch die Holzveranda vor Wind und Wetter geschützt wird.

Ohne diese Veranda wäre ein amerikanisches Haus nicht komplett, ermöglicht diese „porch“ doch, leicht erhöht an der frischen Luft zu sitzen und alles und jeden zu überblicken. Allerdings wird in diesem Fall der obligatorische Schaukelstuhl durch eine Hollywoodschaukel ersetzt. Das ist der Lieblingsplatz von Viola S.: „Ich kann den Kindern beim Spielen zuschauen und jeden begrüßen, der vorübergeht.“ So lässt sich perfekt die Zeit verschaukeln.

Das Paar war sich einig: Es wollte keinen modernen Betonklotz, sondern ein behagliches Zuhause, Ausdruck eines Lebensgefühls, das sich auch durch die äußere Erscheinung zeigen sollte. Auch wenn die bei amerikanischen Häusern vom schlichten Cottage bis zur eleganten, mehrstöckigen Südstaaten-Villa variieren kann.

Aber wie ließe sich ihr „American Dream“ ins Rheinland transportieren? Sie entdeckten dann zufällig ein solches Haus in Ratingen, klingelten kurzentschlossen und erfuhren, dass eine Baufirma in Norddeutschland auf amerikanische Häuser spezialisiert ist. Dann fanden sie ein Grundstück in Angermund, dessen dörflicher Charakter ihnen gefiel. Viola S. ist im Sauerland groß geworden, „ich wollte meine Kinder nicht in der Großstadt aufwachsen lassen“. So kam schließlich alles zusammen.

 Typisch amerikanisch ist dieses Haus auch hinter seiner Holzfassade, im Grundriss wie in den Details. Da ist zunächst das imposante Treppenhaus: keine schmale Treppe, die ins obere Stockwerk führt, sondern ein imposanter, hoher, offener Raum, oben mit einer Galerie und viel Platz für Bücher und Einbauschränke – hier wurde nicht mit dem Quadratmeter gegeizt.

Die Hausherrin öffnet eine Wandklappe mit praktischer Bestimmung: ein Schacht, in den oben Schmutzwäsche geworfen wird, die unten exakt in einer Wanne auf der Waschmaschine landet: „Super praktisch!“ Eines der beiden Kinderzimmer hat, typisch amerikanisch, eine tiefe Fensterbank, die mit vielen Kissen aufgepolstert, zur gemütlichen Leseecke wird – dem „window-seat“ mit Blick in den Garten.

Zurück ins Erdgeschoss: In die Küche mit einer üppigen Teedosensammlung (Viola S. hat einige Jahre in England gelebt) geht‘s durch eine schwingende „Kellnertür“ mit Bullauge (wollte sie unbedingt). Durch einen Wirtschaftsraum gibt es einen direkten Zugang zur Garage (wollte er unbedingt).

Außer Ess- und Wohnraum wünschte sich die Familie ein weiteres Zimmer: den family-room, am großen Tisch können die Kinder spielen und Hausaufgaben erledigen – „ohne, dass hier ständig alles weggeräumt werden muss“. Zum Bambus-Holzdeck auf der Terrasse mit ihrem weißen Holzgeländer (und dem Schild: „Draußen nur Kännchen“) öffnen sich große Sprossentüren.

Die originalen Schiebefenster wurden aus den USA geliefert und haben Fliegengitter, die Türen lassen sich mit einem amerikanischen Knauf zum Drehen öffnen, statt mit der in Europa üblichen Klinke. Neben dem offenen Kamin liegt ein Sitzkissen mit stars and stripes - die Flagge zum Absitzen.

 Bleibt nur eine Frage: Was macht der kleine, unzweifelhaft deutsche Gartenzwerg draußen auf der Veranda, inmitten dieser amerikanischen Insel? Der ist ein Erbstück vom Opa und fügt sich bescheiden ein – in ein transatlantisches Bündnis vor der Haustür.

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