Düsseldorf: So schön war die Jazz Rally

Düsseldorf : So schön war die Jazz Rally

30 Bühnen, 75 Konzerte - das Pfingstwochenende stand wieder im Zeichen der Jazz Rally. Unsere Autoren schildern ihre Höhepunkte.

Die Freude an der Musik prägte wieder das Pfingstwochenende. Bei der 26. Jazz Rally herrschte bestes Wetter. Die Menschen genossen die Atmosphäre auf offener Straße. Immer wieder kam es vor Spielorten zu Schlangen, in der Rheinterrasse etwa bei Soul-Sängerin Soleil Niklasson. Im Rheingoldsaal reichten die Stühle nicht, die Menschen standen im Saal oder saßen auf dem Parkett. Das große Zelt mit seinen 1700 Plätzen war bei den Supremes und bei Candy Dulfer ausverkauft, die 2500 Reservierungstickets à zehn Euro waren allesamt vergriffen. Die einmaligen Pfingstferien (es gab sie zuletzt 1966) muss der Geschäftsführer des Veranstalters Destination Düsseldorf, Boris Neisser, aber "mindestens 30 Jahre nicht mehr haben". Wirtschaftlich verzeichnete die Rally zwar ihr drittbestes Ergebnis. Aber mit 250.000 gab es 50.000 Besucher weniger, vor allem bei den Tageskarten dürfte sich laut Neisser ein Rückgang bemerkbar gemacht haben.

"The Sazerac Swingers" hatten sich für ihren Auftritt schick gemacht. Foto: Hans-Juergen Bauer

Die größten Stars Die Supremes wurden schon 1988 in die "Rock'n Roll Hall of Fame" aufgenommen. Dementsprechend routiniert und bis ins Kleinste durchchoreographiert spulten Scherrie Payne, Susaye Greene und Joyce Vincent ihr Programm im Konzertzelt auf dem Burgplatz ab. Das Publikum ging bei den Hits wie "Baby Love", "You can't hurry love" oder "Stop in the name of love" aber gut mit. Das absolute Highlight der diesjährigen Jazz Rally war aber am Sonntagabend an selber Stelle das Abschlusskonzert mit Candy Dulfer. Die Saxophonistin begeisterte mit einer Top-Band, ihre Musik war perfekt ausgesteuert. Der Nummer-eins-Hit "Lily was here" war nur einer von vielen funkigen Höhepunkten, ein Lied für Prince, mit dem Dulfer mehrfach gearbeitet hat, zählte ebenfalls dazu.

Das Rheinbahn-Orchester sorgte für gute Stimmung vor dem Carsch-Haus. Foto: Hans-Juergen Bauer

Die gewagteste Idee Keyboard, Kontrabass und Schlagwerk, mehr braucht es nicht, um Carl Orffs epochales Werk "Carmina Burana" von der Klassik musikalisch in die Neuzeit zu transformieren. Was Andreas Hirschmann, Thomas Falke und Martell Beigang im Bach-Saal der Johanneskirche boten, swingte einfach und riss die gut 300 Zuhörer zu Jubelstürmen hin. Ohne Zugabe durfte das Trio nicht von der Bühne.

Die Nachwuchs-Talente Wanubale wurden mit dem Sparda Jazz Award ausgezeichnet. Foto: Hans-Juergen Bauer

Der neueste Spielort Die "Sazerac Swingers" sind benannt nach dem offiziellen Getränk der Stadt New Orleans, dem seit 1804 bekannten "Sazerac Cocktail". Und so beschworen die acht Musiker auf dem Martin-Luther-Platz hinter der Johanneskirche, auf dem erstmals eine Bühne stand, die Atmosphäre aus den Straßen der US-Südstaaten-Schönheit herauf. So rhythmisch und sog-entfaltend, dass sich die Zuhörer des Freiluftkonzertes auch auf dem breiten Mittelstreifen der Königstraße dem Genuss hingaben. Immerhin musste man den vielen Boogie und Jive tanzenden Paaren etwas Raum zur Entfaltung geben.

Candy Dulfer sorgte für einen umjubelten Abschluss der Jazz Rally. Die Saxophonistin spielte auch ein Lied für Prince, mit dem sie mehrfach zusammengearbeitet hat. Foto: Hans-Juergen Bauer

Der am wenigsten geheime Geheimtipp Schon lange bevor die ersten Jazzer am Samstagabend auftauchten, war es in der Lobby Lounge des Breidenbacher Hofs rappelvoll. Und weil die ersten Zuschauer die lange Wartezeit eingeplant hatten, hatten sie Klappstühle mitgebracht. Sie wurden belohnt: Bei der Jam-Session, die vom künstlerischen Beirat Reiner Witzel organisiert wurde, traten sogar die Supremes auf. Die hatten die Bühne des Konzertzelts ohne Zugabe verlassen, wofür sich die Band per SMS bei Festival-Organisator Nils Gropp entschuldigte. Sängerin Joyce Vincent, immerhin 76 Jahre alt, war unterzuckert und musste sich stärken. Das geschah im Blockhouse. Im Breidenbacher Hof wurde dann die Zugabe nachgeholt, die Zuhörer tanzten zu Klassikern wie "Keep me hangin' on" oder "Happy".

Ausgelassene Tänzer gab es auch in der Altstadt. Foto: Hans-Juergen Bauer

Die treuesten Besucher Egal vor welcher Bühne, das Publikum ging richtig mit. Mitten drin waren Maike Sinzig und Klaus Holthoff. Sie besuchen jedes Jahr die Jazz Rally und lauschen an allen drei Tagen den Konzerten. "Wir kaufen uns immer einen Button. Wir würden uns wünschen, dass das noch mehr Besucher tun würden", sagt Sinzig. Die beiden Neusser waren besonders vom Forum der Stadtsparkasse als Spielort begeistert. "Dort herrschen eine tolle Atmosphäre und eine gute Akustik." Wünschen würden sie sich eine stärkere Fokussierung auf den Jazz. "Jazz hat so eine weite Bandbreite, da bräuchte man eigentlich nicht jazzmäßig aufbereiteten Rock und Pop", sagt Holthoff.

Auf dem Martin-Luther-Platz wurde getanzt. Foto: Hans-Juergen Bauer

Die Alterspräsidenten Kaum ein Durchkommen gab es vor dem Uerige, dank besten Wetters und Musik auf der Open-Air-Bühne. Dennoch schafften es auch dort einige Fans, sich Platz zu verschaffen. The Jolly Jazz Orchestra feierte am Sonntag mit einer mitreißenden Show sein 50-jähriges Bandjubiläum. Zuhörer war auch Jazz-Rally-Stammgast Burkhard Hirsch, ehemaliger Innenminister von NRW.

Die größten Tanzmuffel Zu gerne hätte der Leiter des 1903 gegründeten Orchesters, Andreas Buschmann, sein Publikum zum Tanzen verführt. Selbst das für die ersten Tänzer in Aussicht gestellte Freibier brachte keinen Erfolg. Die zahlreichen Zuhörer saßen lieber im Schatten der Bäume am Pavillon vor dem Carschhaus und hörten sich, oft mit Essen und Trinken versorgt, die schwungvolle Rhythmen der Musiker von Boogie-Woogie über Swing bis zum Jive an.

Die größten Talente Erfreulich: Zur Jazz Rally gehört auch der von der Sparda-Bank gestiftete Nachwuchspreis - und die Sieger waren am Wochenende auf der entsprechenden Bühne in der Altstadt zu hören, allen voran die junge, virtuose Fusion-Band Wanubale. Erfreulich: Die Sparda-Bank hat die Kooperation für den Nachwuchs-Jazz-Award bis 2021 verlängert.

(RP)
Mehr von RP ONLINE