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Düsseldorf: So schlimm ist es abends am Alten Hafen

Düsseldorf : So schlimm ist es abends am Alten Hafen

Geschäftsinhaber und Anwohner klagen schon seit Jahren über Drogen und Schlägereien in der Gegend rund um die Akademiestraße. Die Polizei sieht dort aber keinen Kriminalitätsbrennpunkt.

Es ist nicht viel los an diesem verregneten Freitagabend im Alten Hafen. Gut zwei Dutzend Teenager lungern herum. Jede Menge Scherben auf dem Boden sowie leere Wodka- und Bier-Flaschen zeugen von der Betätigung der Halbwüchsigen, die oftmals jünger als 16 Jahre alt zu sein scheinen. "Das muss man an einem sonnigen Tag mal drei nehmen, das wäre dann in etwa der Normalzustand", sagt Jörg Sondermann, der vor 16 Jahren in die Altstadt zog und dieses zweifelhafte Spektakel an Wochenenden seit drei Jahren von seiner Wohnung an der Schulstraße miterlebt. "Sie waren auf einmal da, als ob sie jemand von woanders vertrieben hätte", sagt der Anwohner. Alkohol, Drogen, Schlägereien und sogar sexuelle Betätigungen auf mitgebrachten Matratzen gehörten ebenso zum Alltag wie das hemmungslose Verdrecken des Hafenbeckens. "Die decken sich offenbar vorher im Supermarkt mit Stoff ein, da fragt anscheinend keiner nach dem Alter. Es sind auch immer andere, keine festen Gruppen, weiß der Geier, woher und warum die ausgerechnet hierhin kommen", erklärt Sondermann resigniert.

Die Problematik am Alten Hafen ist seit längerem bekannt, das Thema wurde auch schon in der Bezirksvertretung debattiert, geändert habe sich dadurch aber nichts, sagt Alexander Kockers, der an der Akademiestraße einen Friseurladen betreibt. "Wenn mal wieder ein Artikel in der Zeitung steht, wird es zwei Wochen besser, weil die Polizei verstärkt Präsenz zeigt, danach kehrt alles zum Alten zurück", erklärt der Geschäftsmann. Die von der Eigentümergemeinschaft geplante, aber immer wieder verschobene Schließung des Innenhofes vor dem Filmmuseum durch eigenfinanzierte Gitter ab 22 Uhr sieht er kritisch: "Erstens kommen dann alle rüber auf unsere Seite des Hafenbeckens. Und zweitens: Wie wollen sie denn die ganzen Jugendlichen um diese Zeit da rausbekommen, wer soll das leisten? Das ist doch realitätsfern."

40 Inhaberwechsel in knapp zehn Jahren habe es in den neun Läden an der Akademiestraße gegeben ("eine traurige Bestleistung"), gerade hat wieder ein Geschäft für hochwertige Yachten aufgegeben. Kockers ist dazu noch nicht bereit, wischt morgens tapfer das Blut von seiner Scheibe, wenn es die denn noch gibt. Zehn Scheiben in 16 Wochen seien am Alten Hafen zu Bruch gegangen, hat er Anfang des Jahres einmal mitgezählt. Beschädigte Lampen oder Mülleimer wechsele die Stadt inzwischen gar nicht mehr aus. Viermal habe er insgesamt sechs Terrakotta-Blumenkübel vor seinem Geschäft erneuern müssen, "inzwischen lass' ich es. Das ist hier offenbar eine gesetzfreie Zone." Um dem Schlimmsten zu entgehen, schlössen die Geschäftsleute an der Ladenstraße bereits um 18 Uhr, manche sogar auch schon um 16 Uhr. "Und die Anwohner sind froh, wenn sie lebend ihren Hauseingang erreichen."

Mehr Polizeipräsenz, vielleicht sogar Videoüberwachung oder doch zumindest eine Belebung des abgeschiedenen Quartiers könnte Abhilfe schaffen, glaubt Kockers. Doch von Stadt und Polizei fühlen sich Anwohner und Geschäftsleute nicht ernst genommen. In einem Brief an Kockers äußert Polizeipräsident Norbert Wesseler sein Bedauern angesichts "des störenden Verhaltens erlebnisorientierter Jugendlicher", ein Kriminalitätsbrennpunkt sei der Alte Hafen aber nicht. Dennoch verfolge die Polizei das Geschehen genau, in der ersten Jahreshälfte hätte man 100 Personen an dieser Örtlichkeit einer Kontrolle unterzogen. "Seien Sie versichert, dass wir als Polizei auch weiterhin unseren Beitrag zur Sicherheit am Alten Hafen leisten werden, indem wir die Arbeit des OSD ergänzen und unterstützen", zitiert Kockers aus dem Schreiben.

(RP)