So läuft ein Ed-Sheeran-Konzert in Düsseldorf vor 80.000 Leuten

Mögliches Großevent in Düsseldorf : So läuft ein Sheeran-Konzert vor 80.000 Leuten

Düsseldorf streitet darüber, ob Superstar Ed Sheeran auf einem neuen Open-Air-Gelände auftreten soll. Gerade hat er vier Tage in Folge das Wembley-Stadion gefüllt. Welche Erkenntnisse kann man von dort für Düsseldorf mitbringen? Ein Besuch.

Während Düsseldorf über ein Ed-Sheeran-Konzert auf einem neuen Open-Air-Gelände diskutiert, ist die Tour des britischen Superstars in vollem Gange. Vergangene Woche füllte er vier Abende hintereinander das gigantische Wembley-Stadion in London, je rund 80.000 Menschen waren dabei. (So viele wären es auch in Düsseldorf.) Wer vor Ort war, dem drängten sich zwei Erkenntnisse auf. Erstens: Wenn 80.000 Menschen an- und abreisen wollen, ist das logistisch ein Mega-Projekt. Aber eines, das man stemmen kann. Zweitens: Ein Champions-League-Konzert wie dieses ist eine der besten Visitenkarten, die sich eine Stadt und eine Veranstaltungsfläche ausstellen können.

Ein Musiker für alle

Den Ed, das zeigt der Blick ins Wembley-Publikum, mögen (fast) alle. Da sind Familien mit jüngeren Kindern, Mütter oder Väter mit Teenager-Töchtern, junge Frauen in Cliquen, aber auch Männer-Gruppen, die nicht von weiblichen Begleiterinnen hergeschleift wurden. Die, die wirklich "nur" als Begleiter dabei sind, bittet der Star, sich einfach auf den Abend einzulassen - ehe er ein Feuerwerk von Hits abbrennt, von "The A-Team" bis "Galway Girl". Neben uns auf der Tribüne ist es später dann auch ein Vater, der bei der Zugabe tanzend und hüpfend und singend vor seinem Stuhl steht, während seine beiden Jungs im Schulalter schon auf ihren Stühlen in den Halbschlaf gesunken sind. Ein familiäreres Publikum wäre für die Premiere eines Konzert-Geländes schwer denkbar.

"Das Publikum bei Ed Sheeran ist eine Ansammlung entspannter, friedlicher Menschen", sagt auch Michael Brill, Chef der Düsseldorfer Event-Tochter D-Live. Er weist darauf hin, dass Konzertgänger heute allgemein geduldiger mit schwierigen Anreisen und Kontrollen umgehen. "Viele kennen das und wissen, dass man manchmal gemütlich rangehen muss."

Das Wembley-Stadion hat nur rund 3000 Parkplätze zur Verfügung, sogar deutlich weniger als die etwa 10.000, die das Konzertgelände in Düsseldorf hätte. Angereist sind die Menschen daher vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier erweisen sich die Vor-Acts als gutes Mittel, den Zustrom über mehrere Stunden zu strecken. Dank der exakt pünktlichen Auftritte der - selbst auch gefragten - Stars Jamie Lawson ("I wasn't expecting that") und Anne-Marie ("2002") ist eine Anreise spätestens ab 18.30 Uhr interessant; und wer sich schon zum Einlass um 17 Uhr angestellt hat, wird bei Laune gehalten. Beide Stars wären auch in Düsseldorf mit von der Partie.

Gut organisierte Abreise

Voll wird's bei der Abreise - die wollen eben immer alle schnell antreten. In Wembley funktioniert das überraschend gut. Der Ansturm auf die U-Bahn-Station wird auf dem mehrere Hundert Meter langen Fußweg mehrfach gebremst. Dann stehen Sicherheitsleute mit "Please wait"-Schildern im Weg und halten die Menschen erstens auf und zweitens mit Musik aus kleinen Lautsprechern bei Laune, bis wieder Luft ist. In der Station werden alle in die im Zwei-Minuten-Takt fahrenden U-Bahnen geschoben, um Platz zu machen - zwei Stationen weiter an der "Baker Street" kann man umsteigen und sich weiter orientieren. In unserem Hotel im westlichen Stadtteil Earl's Court kamen wir (trotz ungünstigen Platzes in der hintersten Tribünen-Reihe) knapp zwei Stunden nach Konzertende an.

Bei D-Live und Rheinbahn versichert man, auf solche Anforderungen vorbereitet zu sein - auch wenn man im Gegensatz zu Wembley auf ein neues Gelände blickt. "Menschliche Wellenbrecher setzen wir auch schon erfolgreich ein", sagt Brill. Im Netz können Besucher ihre Anreise zudem mit jedem Verkehrsmittel im Detail planen. Die Rheinbahn will auch sonst mit großem Besteck arbeiten: 15 Pendelbusse würden die Menschen von den Parkplätzen und vom Flughafen-Bahnhof in Arena-Nähe transportieren - von dort schließt sich noch ein Fußweg an. "Und wir fahren mit der U78 in Volllast wie sonst auch bei Großveranstaltungen", sagt Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander. Zwar wäre dieses Groß-Event auch für sein Unternehmen neu: "Aber wir sind gut gewappnet, und viel Erfahrung haben wir ja auch."

Die Autorin ist RP-Redakteurin in Düsseldorf. Das Konzert besuchte sie privat.

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