Testreise bei Bahn-Konkurrent ab Düsseldorf: So ist die Fahrt im neuen Hamburg-Köln-Express

Testreise bei Bahn-Konkurrent ab Düsseldorf : So ist die Fahrt im neuen Hamburg-Köln-Express

Für 20 Euro von Köln nach Hamburg – das konnten bislang nur Mitfahrgelegenheiten und Sondersparangebote der Bahn für Frühbucher und Glückspilze. Mit dem Hamburg-Köln-Express (HKX) bekommt die Bahn auf der Strecke Konkurrenz. RP-Online-Reporterin Leonore Esser hat die neue Verbindung getestet.

Für 20 Euro von Köln nach Hamburg — das konnten bislang nur Mitfahrgelegenheiten und Sondersparangebote der Bahn für Frühbucher und Glückspilze. Mit dem Hamburg-Köln-Express (HKX) bekommt die Bahn auf der Strecke Konkurrenz. RP-Online-Reporterin Leonore Esser hat die neue Verbindung getestet.

Im Gegensatz zum ICE ist der "Rheingold"-Zug von HKX etwas für Liebhaber alter Eisenbahnen: Ein Hauch Nostalgie weht in den Düsseldorfer Hauptbahnhof, als der Zug auf Gleis 18 einfährt. Auf dem Gleis warten schon viele Fahrgäste auf ihre persönliche Jungfernfahrt mit der neuen Bahn-Konkurrenz. Am ersten Tag waren auf der Strecke Köln-Hamburg bereits 190 von 200 Plätzen ausgebucht.

Der erste Eindruck im Inneren ist charmant: "Viel bequemer als im ICE ist das", sagt Eva Spitznagel, und lehnt sich nach dem Einsteigen an die gemütlichen, hahnentritt-gemusterten Ohren des Sitzes. Auch die alten braunen Tische zum Hochklappen sind der 33-Jährigen direkt aufgefallen. Gemeinsam mit ihrem Begleiter Jan Kunthoff hat sie für ihren Rückweg von Düsseldorf in die Hamburger Heimat denn auch ein richtiges Schnäppchen gemacht: "40 Euro zusammen, für diese Strecke hätten wir mit der Bahn 120 Euro gezahlt — Rabatte für meine Bahncard schon inklusive!", jubelt Spitznagel.

Das Sommerwetter nutzen, um ihren Freunden Hamburg zu zeigen, will Gina Herrmann: Zusammen mit Daniel, Christine und Kai wartet die 21-Jährige auf den Zug. "Nur 38 Euro haben Hin- und Rückfahrt für jeden von uns gekostet", sagt sie - für die jungen Passagiere ist das die Chance auf eine Party-Nacht in der Hansestadt. "Schon morgen geht es wieder zurück", erklärt Mitfahrer Kai Losberg

Doch nicht alles lief zum Start wie geschmiert für die Pioniere des neuen Angebots. "Das Buchen im Internet war sehr kompliziert, weil das Netz seit gestern stark überlastet war", beschreibt Marion Bettenhausen. Die 44-Jährige hätte gern mit ihrem zehnjährigen Sohn Nick und ihrer Schwester zusammen im Abteil gesessen. "Das hat leider nicht mehr geklappt." Am Ende des ersten Tages brach die Internetseite komplett zusammen. "Ursache sind Startschwierigkeiten", ist an der Telefonhotline zu erfahren. Der Kundenservice könne weiterhelfen — doch da ist besetzt.

Wie soll man nun an ein Ticket kommen? Keinen Ausweg weiß das Informationscenter der Bahn am Hauptbahnhof Düsseldorf: "Nur online kann man Tickets buchen, es gibt hier auch keinen Schalter für den HKX", erklärt der Service-Mitarbeiter. Rat weiß kurze Zeit später Schaffner Eric Brötzmann am Gleis: "Steigen Sie einfach ein, das regeln wir nachher", sagt er. Als die Internetseite später wieder funktioniert, verrät sie, dass das Ticket auch im Zug gekauft günstig bleibe: "Sie zahlen pro Kilometer maximal 15 Cent."

Im Sechser-Abteil ist noch ein Platz frei — neben Torben Schmack. Der ist von der Freundlichkeit des Personals schon nach den ersten Kilometern begeistert: "Ich hatte mein ausgedrucktes Ticket verlegt", sagt der 26-jährige Hamburg-Reisende. Auf seinen Knien steht sein Laptop. Hier wollte er die PDF-Datei zeigen, doch auch auf der Festplatte war das 20 Euro teure Reise-Dokument nicht mehr zu finden. Nur die Internet-Chronik gab einen letzten Beweis für die Rechtmäßigkeit seiner Mitfahrt frei. "Die Kontrolleure haben sich darauf eingelassen und sehr entspannt reagiert. Anders als bei der Bahn kommen die hier nicht mit dem strengen Blick über die Lesebrille, wenn sie die Passagiere nach den Tickets fragen."

Schließlich kommt Brötzmann, um Kasse zu machen: 10 Euro kostet die Fahrt von Düsseldorf nach Essen, Fahrtdauer: 28 Minuten — der ICE hätte bei gleicher Fahrzeit vier Euro mehr gekostet. "Das ist der niedrigste Tarif, den wir anbieten", sagt der Purser, der für die Fahrkarten und für den Essens- und Getränkeservice zuständig ist. Und, so tönt es durch die Sprechanlage: Englisch kann er auch.

Tickets und Preise unter: https://www.hkx.de

Hier geht es zur Bilderstrecke: Testfahrt: Unterwegs im HKX

(top/jco/rm/sap)
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