Wirtschaft in Düsseldorf So international ist die Messe Düsseldorf

Düsseldorf · 77 Auslandsvertretungen, sieben Tochtergesellschaften: Die Geschäfte der Messe werden auch in Asien, Amerika und Afrika gemacht. Der Moskauer Standort feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag.

So international ist die Messe Düsseldorf - Moskau, Neu Delhi, Shanghai
Foto: Zörner

Die Düsseldorfer Messe gehört natürlich nach Stockum, wo sie 1969 den Grundstein für ihre Hallen legte und zwei Jahre später die erste Messe veranstaltete. Tatsächlich ist die Messe aber auch ein wachsendes internationales Unternehmen: Aktuell ist sie in 141 Ländern in aller Welt vertreten, hat 77 Auslandsvertretungen, darunter sieben ausländische Tochtergesellschaften. Sie befinden sich in Singapur, Nordamerika (Chicago), Russland (Moskau), Indien (Neu-Delhi) und in China (Shanghai; Hongkong). Rund 63 Millionen Euro erwirtschaftete die Messe Düsseldorf Gruppe 2018 im Ausland.

„Der Gedanke, ins Ausland zu gehen, ist naheliegend, wenn man so international arbeitet wie wir“, sagt Messe-Geschäftsführer Michael Degen. „Zu unseren Veranstaltungen kommen Aussteller und Besucher aus aller Welt.“ An einem gewissen Punkt stelle sich die Frage, wie man noch mehr Menschen zu den großen Weltleitmessen in Düsseldorf bringen kann: „Es ist dafür sinnvoll, auch in anderen Ländern eigene Messen zu machen.“

Internationale Kompetenz baute das Unternehmen von Beginn an auf: Im Januar 1947 war die Messe Düsseldorf als Nordwestdeutsche Ausstellungs-Gesellschaft mbH (Nowea) gegründet worden, bereits im folgenden Jahr gab es ihren ersten Auslandsauftritt – in Form einer Beteiligung an einer Industrieausstellung der deutschen Wirtschaft in New York. Seither wurde das Unternehmen ständig internationaler: Im vergangenen Jahr kamen 51 Eigenveranstaltungen und Beteiligungen im Ausland zusammen, sieben mehr als im Jahr davor.

Darunter sind viele Ableger der Düsseldorfer Weltleitmessen – nach dem Vorbild der Druckfachmesse Drupa beispielsweise die All in Print in Shanghai, als Ableger der Kunststoffmesse K die interplastica in Moskau, die Plastindia in Neu- Delhi oder die Plastics & Rubber Vietnam in Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Ableger sind stets kleiner als ihre Vorbilder auf dem Gelände in Düsseldorf – sodass viele Besucher dazu angeregt werden, auch diese zu besuchen. „Das ist ein spannender Effekt für uns“, sagt Degen. „Wir organisieren eine Messe in China für den chinesischen Markt – und schaffen es im Gegenzug, auch mehr chinesische Besucher zu uns zu bekommen.“ Auch in den anderen Ländern erzielt die Messe solche Effekte – einen positiven Rückfluss zu ihren Düsseldorfer Veranstaltungen. Auf diese Weise, sagt Degen, habe man es auch geschafft, die Weinfachmesse ProWein internationaler zu machen: „Das war ein Wunsch vieler unserer Aussteller, die zum Beispiel auf der Vinexpo in Bordeaux viele asiatische Besucher gesehen hatten.“

Die Düsseldorfer wagen sich im Ausland aber gelegentlich auch an Veranstaltungen zu Themen, die auf dem Gelände in der Heimat keine Rolle spielen. Ein Beispiel sind die Bergbaumessen Ugol Rossii & Mining und Nedra Rossii, die sich mit Fördertechnik im Stein- und Braunkohlebergbau und der Gewinnung und Veredelung von Erzen befassen. Sie finden jährlich im russischen Novokuznetsk statt und ziehen zusammen mehr als 40.000 Besucher an.

Ein entscheidender Unterschied zwischen dem deutschen Messegeschäft und dem vieler anderer Länder ist die Struktur. So ist es in Düsseldorf – wie in anderen deutschen Städten – so, dass die Messe-Gesellschaften Betreiber des jeweiligen Geländes und gleichzeitig Veranstalter eigener Messen sind. Im Ausland dagegen betreiben sie zwar die Gelände, sind aber selten auch selbst Veranstalter. „Wir sehen es als Vorteil, so aufgestellt zu sein, wie wir es sind“, betont Michael Degen. „Wir sind eben nicht nur technische Dienstleister, sondern es unser Selbstverständnis ist es, auch die konzeptionelle Grundposition einer Messe zu definieren“, sagt er.

Gleich zwei prominente Standorte begehen in diesem Jahr einen runden Geburtstag: Die Messe Düsseldorf ist seit 20 Jahren in China präsent, sogar seit 40 Jahren in Moskau. An dieser Stelle sei „die Gunst der Stunde genutzt worden“, sagt der Chef der Messe Düsseldorf Moskau, Thomas Stenzel. Denn bereits 1963 wagte das Unternehmen die ersten Schritte in den Markt: „Und man hat schnell gemerkt, dass unser Know-how dort gefragt ist und die deutsche Industrie uns als Partner dort gut brauchen konnte.“ Im Oktober 1979, vor 40 Jahren, wurde dann die offiziell registrierte Vertretung der Messe in Moskau gegründet. Seither wurde dort vieles erreicht und entwickelt – nicht zuletzt bereiteten die Messe-Aktivitäten vor Ort den Weg für die 1992 geschlossene Städtepartnerschaft zwischen Düsseldorf und Moskau.

Heute hat die Messe Düsseldorf Russland 49 Mitarbeiter – davon außer Stenzel selbst noch ein weiterer deutscher – und veranstaltet 14 Messen und Messebeteiligungen in Moskau, Novokuznetsk, Kazan, Ufa und Jekaterinburg. Mit einem Erlös von 31,2 Millionen Euro (2018) und einem Anteil von 44 Prozent am Auslandsumsatz der Messe Düsseldorf Gruppe ist Russland der größte Auslandsmarkt des Konzerns.

„Deutschland und Russland haben immer eng zusammengearbeitet, auch über Systemgrenzen hinweg“, sagt Thomas Stenzel. Über die Zusammenarbeit mit russischen Partnern sagt er: „Wenn man Vertrauen gefasst hat, dann ist sie lang und intensiv.“ Und wenn das Vertrauen einmal da sei, werde es auch leichter, neue Projekte anzugehen: „So kann man Stabilität schaffen – und auch so haben wir es geschafft, eine führende Position auf dem russischen Messemarkt einzunehmen.“

Weil der Wettbewerb hart ist, finden alle Messen – auch die großen Industriemessen – hier jedes Jahr statt. (Zum Vergleich: Die Kunststoffmesse K gibt es in Düsseldorf alle drei Jahre, die Druckmesse Drupa nur alle vier Jahre.) „Die Russen lieben aber auch dieses Instrument, für sie ist dieser direkte Austausch entscheidend“, sagt Thomas Stenzel.

Größte Veranstaltung seines Unternehmens ist die von der Igedo übernommene Modemesse CPM; besonders relevant ist auch die Kunststoffmesse interplastica, die parallel mit der Verpackungsmesse upakovka veranstaltet wird. Neue Veranstaltungen kann sich Stenzel natürlich auch vorstellen: „Von der Leidenschaft her ohnehin. Aber der Markt ist eng – und man muss sich gut überlegen, wo es Sinn ergibt.“

Auch mit Blick auf das gesamte internationale Geschäft der Messe ist noch Potenzial da, sagt Geschäftsführer Degen: „Südamerika ist definitiv ein spannender Markt.“ Beispielsweise findet 2020 erstmals die Medical Fair Brasil statt, auch in Kolumbien und Chile gibt es Veranstaltungen: „Es ist vorstellbar, dort in ein paar Jahren vielleicht noch eine Tochtergesellschaft aufzubauen.“ Auch in Afrika gibt es bereits eine erste Kooperation mit der anstehenden Verpackungsmesse in Ägypten (siehe unten). Degen: „Klar ist: Wenn sich gute Potenziale entwickeln, sind wir dabei.“

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