Mobil in Düsseldorf: So funktioniert klassisches Carsharing

Mobil in Düsseldorf : So funktioniert klassisches Carsharing

Durch die Expansion von DriveNow und Car2go seit März in Düsseldorf mit Hunderten Fahrzeugen ist Carsharing in der Debatte. Neu ist die Idee nicht. Seit Jahren gibt es vier Anbieter in Düsseldorf. Anders als beim mobilen Carsharing haben die Autos feste Stationen. Ein Vergleich der Systeme.

Die Entwicklung des mobilen Carsharings hat dieser Art der Autonutzung zu einem neuen Boom verholfen. Bald werden 450 Fahrzeuge von DriveNow und Car2go im Innenstadtgebiet verfügbar sein. Doch Carsharing ist keine neue Idee in Düsseldorf. Vier Anbieter ermöglichen seit vielen Jahren klassisches Carsharing in der Landeshauptstadt. Doch es gibt viele Unterschiede zum mobilen Modell. Wir beantworten wichtige Fragen zum stationären Carsharing.

Wie funktioniert klassisches Car-sharing? Der Unterschied zum mobilen Carsharing besteht darin, dass die Fahrzeuge nicht wie bei DriveNow oder Car2go auf irgendeinem beliebigen Parkplatz im Stadtgebiet stehen, sondern stets an festen Stationen. Wo diese in Düsseldorf liegen, zeigt die Grafik rechts. An jeder Station stehen in der Regel mehrere Fahrzeuge. Carsharing-Kunden reservieren die Fahrzeuge im Internet. Anders als bei mobilem Carsharing können die Buchungen bereits Stunden, Tage oder Wochen im Voraus erfolgen.

Wer bietet Carsharing in Düsseldorf an? In Düsseldorf gibt es vier Anbieter. Greenwheels mit 30 Stationen, Die Deutsche-Bahn-Tochter Flinkster mit zwölf Stationen, die Firma kooperiert mit dem Anbieter DriveCarsharing. Der vierte Anbieter heißt Stadtmobil Rhein-Ruhr und unterhält elf Stationen.

Was kostet Carsharing? Außer Flinkster erheben alle Anbieter eine monatliche Grundgebühr, die zwischen vier und zehn Euro liegt - ein Unterschied zu Car2go und DriveNow, die keine Grundgebühr erheben. Für die Anmeldung werden einmalig zwischen 40 und 50 Euro fällig. Lediglich Greenwheels erhebt diese Kosten nicht. Anders als beim mobilen Carsharing, wo nur eine pauschale Minutengebühr erhoben wird, werden hier Kilometer und Zeit getrennt erfasst und so ein Mischpreis errechnet. Die Kilometerpreise liegen zwischen 17 und 25 Cent. Pro Stunde werden noch mal zwischen 1,70 und fünf Euro fällig. Einige Anbieter locken mit Spezialtarifen. Einen guten Überblick über die nicht ganz unkomplizierten Kostenstrukturen der Firmen bietet die Internetseite www.mobil-in-d.de , die vom Autoclub VCD betrieben wird.

Wie spart Carsharing Geld? Anschaffung und Unterhalt eines eigenen Autos sind kostspielig. Es sind nicht die hohen Spritpreise, die das Autofahren in erster Linie teuer machen. 70 bis 80 Prozent aller Kosten entstehen auch, wenn das Fahrzeug steht. Auch ein vielgefahrenes Privatauto ist die meiste Zeit des Tages ein solches "Stehzeug". Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Sektion Düsseldorf, hat ein Beispiel errechnet: ein Kleinwagen hat bei 15 000 Kilometer Fahrleistung im Jahr Kilometer-Kosten von rund 23 Cent, bei 5000 Kilometern steigen sie auf 51 Cent, bei nur 3000 Kilometern (250 Kilometer im Monat) sogar auf 78 Cent - ein selten genutztes eigenes Auto ist ziemlich teuer. Der Carsharing-Ansatz sieht vor, dass sich mehrere Fahrer die fixen Kosten eines Autos teilen. In der Realität kommen zwischen fünf und 40 Nutzer auf ein Gemeinschaftsauto.

Für wen ist klassisches Carsharing sinnvoll? "Wer nicht nur in der Innenstadt fährt, sondern auch mal seine Großtante im Bergischen Land besuchen möchte, fährt mit stationärem Carsharing besser als mit mobilem, weil es bei weiten Strecken in der Regel billiger ist", sagt Martin Klug von der Verbraucherzentrale NRW.

Was sind die Vorteile des klassischen Carsharings? Der größte Vorteil ist, dass man die Fahrzeuge lange im Voraus buchen kann, was bei mobilem Carsharing nicht möglich ist. Hier werden die Fahrzeuge maximal 15 Minuten im Voraus gebucht. Außerdem bieten die Betreiber von klassischem Carsharing oft mehr als nur Kleinwagen. So gibt es auch Transporter, Kombis, Cabriolets oder Sportwagen - je nachdem, was vom Kunden gerade gebraucht wird.

Wird das mobile das klassische Carsharing verdrängen? "Nein", sagt Jost Schmiedel, Sprecher des VCD Düsseldorf. "Ich sehe darin eher eine Ergänzung zum mobilen Carsharing. Für Kurzstrecken nutzt man DriveNow oder Car2go, bei längeren oder weiteren Fahrten ist das klassische Modell günstiger." Die laufenden Mitgliedsbeiträge hält er für unproblematisch, da sie sich im niedrigen Bereich bewegen. Wirklich wirtschaftlich ist Carsharing jedweder Art allerdings erst, wenn die Nutzer auf ein eigenes Auto verzichten. "Und den Verzicht auf einen eigenen Wagen beobachten wir verstärkt bei jungen Leuten in Metropolen", sagt Schmiedel weiter.

(ila)