1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Singen fürs Adventsgefühl

Düsseldorf : Singen fürs Adventsgefühl

Beim Weihnachtssingen in der Tonhalle muss das Publikum nicht textsicher sein. Die Lieder werden auf eine Leinwand projiziert.

Ein bisschen warten müssen die Zuschauer auf den Chor und das Orchester, die Solistinnen, den Orgel-Spieler und den Hirten. Einige wuseln noch suchend durch die Reihen, bis sie ihren Platz gefunden haben, andere nutzen die Zeit zum Leutegucken, und hin und wieder entdeckt man Menschen, die sich zuwinken oder wild gestikulieren, um auf sich aufmerksam zu machen - von Parkett zu Parkett, vom Oberrang zum Unterrang.

Plötzlich klatschen alle wie wild im Mendelssohn-Saal in der Tonhalle - das ist der Moment, als die Kinder und Jugendlichen der Chöre und des Orchesters auf die Bühne kommen. Gespannt schaut der sieben Jahre alte Jonathan nach vorn, er ist mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Jaron (3) zum 31. Düsseldorfer Weihnachtssingen gekommen. Ein paar Weihnachtslieder haben die beiden Jungs schon geübt im Kindergarten und in der Schule, "vielleicht ist eins dabei, das ich kenne", sagt Jonathan.

Damit das Mitsingen auch wirklich problemlos klappt, werden die Lieder auf eine große Leinwand projiziert. Foto: Bretz Andreas

Anspruchsvoll sind die Stücke, die das U16 Orchester der Tonhalle unter der Leitung von Ernst von Marschall spielt, der St. Remigius-Jugendchor singt einige Strophen auf Französisch, zum Beispiel von "Noël Noël" und "Engel auf den Feldern". Vor allem für Philippe Étienne, den französischen Botschafter in Berlin, der Schirmherr des Konzerts ist. Die deutschen Strophen werden für das Publikum auf eine große Leinwand projiziert, die über dem Orchester hängt. Denn das Publikum soll mitsingen, das ist so Tradition beim Düsseldorfer Weihnachtssingen in der Tonhalle. Für die ganz jungen Zuschauer wie Jonathan und Jaro haben sich die Organisatoren eine Weihnachtsgeschichte überlegt, die zwischendurch erzählt wird.

Ein Schäfer mit Schlapphut und langem Mantel kommt auf die Bühne, schaut immer durch sein Fernglas. "Genau genommen bin ich ein Hirte", sagt Sven Post, "das klingt doch viel schöner." Er sucht die jungen Solistinnen, über die er wachen will, wie ein "Heller Stern in dunkler Nacht". Weil es kalt ist in der Nacht und schrecklich dunkel. Als dann noch ein Sturm aufzieht, den das Orchester mit seinen Instrumenten fast real klingen lässt, muss Natalie Vainer Jaron die Ohren zuhalten. So ein Sturm kann aber auch ganz schön laut sein.

Der Hirte alias Sven Post auf der Suche nach den jungen Solistinnen Foto: Bretz Andreas

Für die fünf Jahre alte Ella ist die Lautstärke kein Problem. Sie sitzt mit Mama Sabine Clemens im Publikum und hat riesigen Gefallen gefunden an der Geschichte des Hirten. Wie viele Besucher am zweiten Adventssonntag hat sich Ella hübsch gemacht, trägt ein blaues Kleid und eine bunte Kette. Auf das nimmt sie in der Pause dann aber keine Rücksicht mehr - das Foyer mit seinen Stufen ist aber auch perfekt zum Toben. "Das gefällt mir am besten", sagt sie und kichert. "Und ,Leise rieselt der Schnee'", ergänzt sie schnell. Das Lied hat sie im Kindergarten schon gesungen. Mindestens genauso textsicher wie Ella sind Magret Doege und Joachim Müller, die seit Jahren zum Adventssingen in die Tonhalle kommen. "Wir sind selber im Chor, da kennen wir die Lieder", sagt Doege, die begeistert ist von den neun Solistinnen. "Die singen wirklich toll", sagt sie.

(RP)