Rheinbahn verärgert über Siemens: Silberpfeile ohne Klimaanlagen

Rheinbahn verärgert über Siemens: Silberpfeile ohne Klimaanlagen

Siemens erteilt der Rheinbahn eine Absage. Das Unternehmen sieht keine Möglichkeit, die neue Fahrzeuggeneration mit entsprechender Technik auszurüsten. Vertragsbrüchig ist Siemens zwar nicht geworden. Dennoch ist der Ärger bei der Rheinbahn groß: Es habe Zusagen gegeben.

Siemens hat einen Rückzieher gemacht: Das Unternehmen sieht sich nach Angaben der Rheinbahn außerstande, in 61 Niederflurbahnen Klimaanlangen einzubauen.

Siemens wollte eine geforderte Garantierklärung wegen des Gesamtgewichts der Bahnen nicht abgeben. Die zulässige Achslast darf zehn Tonnen nicht überschreiten, weil die Züge sonst nicht über die Düsseldorfer Brücken fahren dürften. Damit wird es künftig keine klimatisierten Züge bei der Rheinbahn geben.

Vorstandschef Dirk Biesenbach, der im Urlaub vom Siemens-Rückzieher erfahren hat, kündigte an, das Verkehrsunternehmen verzichte bei der neuen Fahrzeuggeneration auf den Einbau von Klimaanlagen. Er will das Risiko nicht tragen, falls es zu Schäden kommt, die durch den Einbau der Klimaanlagen hervorgerufen werden könnten. Die Rheinbahn wollte sich die Sonderausstattung pro Bahn rund 300.000 Euro kosten lassen.

61 Wagen fehlen noch

Rheinbahn und Siemens haben vor Jahren einen Vertrag über die Lieferung von 75 Silberpfeilen geschlossen. 15 sind bereits ausgeliefert worden, die übrigen 61 sollen spätestens zum Start der Wehrhahn-Linie im Jahr 2014 folgen.

Die politischen Vertreter im Aufsichtsrat der Rheinbahn reagierten empört auf das Geschäftsgebaren von Siemens. Andreas Hartnigk (CDU) sprach von "einer Katastrophe". Es sei bedauerlich, dass Siemens erst eine Zusage gemacht habe; zumal eine Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis gekommen war, dass das zusätzliche Gewicht kein Problem sein würde. Hartnigk forderte, dass die Angebote anderer Hersteller bei künftigen Ausschreibungen intensiv geprüft werden sollten. Rheinbahn und Siemens sind seit Jahrzehnten Geschäftspartner, schon durch den Siemens-Vorgänger Düwag.

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Auch Manfred Neuenhaus (FDP) bekräftigt, dass die Schlappe nicht ohne Konsequenzen für Siemens bleiben dürfe. Er sprach von einem Armutszeugnis für den Technikkonzern. Rolf-Jürgen Bräer (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der Rheinbahn, vermutet, "dass mit der Kiste etwas faul ist". Mit der Kiste meint er den neuen Silberpfeil. Siemens muss schon eine frühere Fahrzeuggeneration aufwändig sanieren. In den Bahnen waren Risse aufgetreten.

"Vertrauen ist erschüttert"

Siemens hält sich weitgehend bedeckt. Ein Sprecher sagte auf RP-Anfrage, es sei nach "ausgiebigen technischen Untersuchungen unter den gegebenen Bedingungen" nicht möglich, die Fahrzeuge nachzurüsten. Sein Unternehmen habe die Bahnen wie bestellt ausgeliefert und werde so auch mit den übrigen 61 Exemplaren verfahren.

Den Vertrag über den Ankauf der Bahnen zu kündigen, wird bei der Rheinbahn indes nicht erwogen. "Langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen wären die Folge", sagt Bräer. Das könne niemand wollen. Gleichwohl sei das Vertrauen in den langjährigen Partner erschüttert. Schließlich habe es schriftliche Zusagen über den Einbau der Klimaanlagen gegeben.

Ganz unvorbereitet trifft die Rheinbahn die Siemens-Absage nicht. Bereits Ende Mai hatte der Hersteller auf Drängen des Verkehrsunternehmens mitgeteilt, dass er keine Garantie für die Verkehrssicherheit der Straßenbahnen übernehmen könne. Erst auf Druck von Biesenbach sicherte Siemens zu, weitere Prüfungen anzustellen.

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(RP)