Düsseldorf: Sieben Geschichten zum Japan-Tag

Düsseldorf : Sieben Geschichten zum Japan-Tag

Mutige Bogenschützen, modebewusste Kimono-Träger und begeisterte Cosplay-Fans: 600.000 Besucher kamen zum großen Kulturfest.

Mutige Sportler, die mit ihren Waffen im Ring spannende Kämpfe austragen. Cosplay-Fans, die ihre Vorliebe für japanische Zeichentrickserien mit mühevoll gebastelten Kostümen zum Ausdruck bringen. Begeisterte Japan-Fans, die Ikebana und Origami erlernen, Mangas kauften oder Yakitori aßen: Fast wirkte es beim 17. Japan-Tag an der Rheinpromenade am Samstag, als sei man wirklich in die Kultur aus dem fernen Osten abgetaucht. Insgesamt 600.000 Besucher mit Faible für die japanische Kultur feierten bei Sonnenschein friedlich und ausgelassen das gemeinsame Kulturfest. Wir erzählen die Geschichten einiger von ihnen - und zeigen sieben Facetten des Japan-Tags.

Tradition: Jascha Musielak und Sandra Wüst genossen den Tag in traditionellen Gewändern. Foto: Anne Orthen

Tradition Sehr beliebt waren die traditionellen japanischen Gewänder, genannt Kimonos, die zudem luftige Abhilfe gegen die Hitze boten. "Die traditionellen japanischen Gewänder sehen nicht nur schön und farbenfroh aus, sondern sind heute auch sehr funktional", erklärt Jascha Musielak seine Entscheidung, am Morgen seine japanische Haori-Jacke und Hakama-Hose anzuziehen. Sein Outfit habe in Japan bei Kendo-Kämpfern eine lange Tradition. Selbst die passenden Tabi-Socken und Zori-Sandalen aus Holz hat er angezogen. Für den Japan-Tag sind Musielak und Freundin Sandra Wüst, die ein bedrucktes Kimono-Oberteil trägt, aus dem Ruhrgebiet angereist: "Ein Japan-Urlaub ist mein großer Traum. Solange es noch nicht klappt, genieße ich hier die kleinere, aber geballte Japan-Kultur."

Kunst: Die Kalligrafie von Aya Murakami sieht nicht nur schön aus, sondern ist auch ein beliebtes Hobby. Foto: Anne Orthen

Popkultur Japanische Popkultur konnte man vor allem vor der Reuterkaserne bewundern, wo Besucher bunte Kontaktlinsen, kleine Anime-Figuren und Manga-Comics erwerben konnten. Neben einem großen Manga-Wettbewerb, bei dem sich die Besucher selbst im Manga-Zeichnen probieren konnten, erfreute sich auch der Stand von Chen-Long Chung großer Beliebtheit: Der hauptberufliche Illustrator verkaufte an seinem Stand selbstentworfene Zeichnungen von Manga-Charakteren, denen er sich seit 14 Jahren mit großer Begeisterung widmet. "Diese bunten Fantasie-Figuren sind in Japan sehr präsent im Alltag und ein wichtiger Teil der Popkultur", sagt er.

Popkultur: Illustrator Chen-Long Chung verkaufte seine eigenen Manga-Zeichnungen. Sie sind schon seit 14 Jahren seine Leidenschaft. Foto: Anne Orthen

Kulinarik An 20 Ständen konnten Besucher japanische Spezialitäten kosten. "Einmal Karaage mit Yakitori und dazu ein Manju, bitte", bestellt Miyuki Watanabe freudig an einem der vielen Street-Food-Stände am Rheinufer. "Yakitori und Karaage sind bei uns sehr beliebte Speisen. Das habe ich lange nicht mehr gegessen", freut sich die gebürtige Japanerin auf den kulinarischen Ausflug in die Heimat. "Ich genieße es, nicht selbst kochen zu müssen. Allgemein das Flair hier ist klasse."

Musik: Taktgleich spielten die 26 Taiko-Kids auf ihren großen Trommeln. Foto: Anne Orthen

Sport Auf der großen Aktionsbühne am Johannes-Rau-Platz war das Ambiente dagegen sportlich geprägt. Dort wurden insgesamt zwölf verschiedene japanische Kampfsportarten vorgeführt. Aufsehen erregte das Okinawa Kobudo - eine Kampfsportart aus dem 16. Jahrhundert, bei der mit unterschiedlichen Waffen gekämpft wird, wie Kobudo-Trainer Hans Bäuml erzählt. "Man muss im Ring seinen inneren Schweinehund überwinden", erläutert er. Erlernt haben die 25 Kobudo-Kämpfer den Sport von einem japanischen Trainer. Bäuml: "Man muss schon ein Faible für Japan haben, deshalb ist der Japan-Tag die perfekte Bühne!"

Kulinarik: Mit Yakitori und Karaage hatte Miyuka Watanabe das begehrte Street-Food aus ihrem Heimatland ergattert. Foto: Anne Orthen

Kunst Es ging aber nicht nur sportlich zu: Am Stand des japanischen Clubs konnten Interessierte ihre eigene japanische Kalligrafie in Auftrag geben. "Die Kalligrafie ist in Japan ein sehr beliebtes Hobby, weil sie eine lange Tradition hat und meditativ wirkt", sagt Aya Murakami, die als Kalligrafie-Lehrerin arbeitet. Das wichtigste Instrument ist dabei der Pinsel, mit dem viele Japaner noch immer Briefe auf Reispapier schreiben. Doch das ist wesentlich schwerer, als es aussieht: "Um eine Zeitung lesen zu können, muss man 1500 Schriftzeichen kennen", sagt Murakami. Für einen Meister in Kalligrafie benötigt man sogar 30 Jahre.

Sport: Bei der Kampfsportart Okinawa Kobudo ist höchste Konzentration gefordert, wie die Mitglieder der Sportgruppe demonstrierten. Foto: Anne Orthen

Cosplay Meist schon aus vielen Metern Entfernung erkennbar waren beim Japan-Tag die tausenden Cosplay-Fans, die mit aufwendig gebastelten Verkleidungen ihr Faible für japanische Zeichentrickserien zum Ausdruck brachten. "Wir haben uns heute Morgen über zwei Stunden fertiggemacht", erzählt Ylwa Matejko. "Ich habe extra knallige Farben gewählt. Das Größte ist, wenn man meinen Charakter erkennt", sagt die Cosplayerin - wie die Anhänger des Verkleidungstrends genannt werden. Seit sechs Jahren kommt sie zum Japan-Tag, schließlich sei die Veranstaltung "das Mekka für alle Fans des Cosplays". Freundin Oliwia Kogut ergänzt: "Die Szene ist super offen und man kommt schnell mit anderen ins Gespräch. Das gefällt mir richtig gut."

Musik Außer den vielen bunten Kostümen für die Augen, gab es auch viele verschiedene Musiker und Bands, die auf der Hauptbühne am Burgplatz ihr Können unter Beweis stellten. So auch die 26 Taiko-Kids, die mit ihren großen Trommeln eine alte japanische Tradition vorstellten. Früher noch als religiöses Dankesgebot gedacht, hat sich das Taiko-Trommeln mittlerweile zu einem Mittel zur Integration entwickelt, wie Trainerin Yuko Kojima-Bauer erklärt. Auch auf dem Burgplatz spielten deutsche und japanische Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren, die alle auf die Sekunde zeitgleich trommelten.

Fazit Auffällig waren auch in diesem Jahr wieder Schilder, die den Passanten "free hugs", also gratis Umarmungen versprachen und von Tausenden Besuchern am Hals getragen wurden. Dazu gab es viele weitere Stände, an denen Japan-Fans bei Ikebana-Workshops das japanische Blumenbinden lernen, Origami falten oder sich im traditionellen Bogenschießen ausprobieren konnten. Das große Feuerwerk sorgte für einen gelungenen Abschluss. Und so war dank der vielen Facetten der japanischen Kultur am Ende trotz des großen Andrangs und der Hitze auf den allermeisten Gesichtern der Besucher ein zufriedenes Lächeln zu sehen.

(RP)
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