Düsseldorfer Allergietage: Sieben Fragen und Antworten zu Allergien

Düsseldorfer Allergietage : Sieben Fragen und Antworten zu Allergien

Bei den Düsseldorfer Allergietagen können sich Patienten und Interessierte am Samstag über spezielle Formen der Allergie informieren. Stephan Meller, Hautarzt an der Uniklinik, leitet das Programm und klärt Fragen zur Krankheit.

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Bei den Düsseldorfer Allergietagen können sich Patienten und Interessierte am Samstag über spezielle Formen der Allergie informieren. Stephan Meller, Hautarzt an der Uniklinik, leitet das Programm und klärt Fragen zur Krankheit.

  1. Gibt es gute Nachrichten für Allergiker? Durchaus, die Behandlungsmöglichkeiten verbessern sich. Für Hausstaubmilben-Allergiker gibt es beispielsweise eine Hyposensibilisierungstablette, die sie einmal täglich einnehmen müssen über drei Jahre. Dabei werden sehr gute Effekte erzielt und man braucht nicht monatlich zum Arzt zu gehen, um sich eine Spritze geben zu lassen. Auch bei der Immuntherapie (wie die Hyposensibilisierung auch genannt wird) der Gräserallergie gibt es seit längerem eine Tablette, die angenehmer einzunehmen ist als Tropfen.
  2. Haben Allergien zugenommen oder wird nur intensiver über sie berichtet? Es gibt in der Tat Studien, die belegen, dass in den letzten Jahrzehnten Allergien zugenommen haben. So war bei einer Untersuchung von Erwachsenen bei 30 Prozent im Blutbild eine Sensibilisierung für Allergene festzustellen (was nicht notwendigerweise zu Allergiesymptomen führen muss). Zehn Jahre zuvor waren es noch vier Prozent weniger. Experten rechnen aber damit, dass die Zunahme von Allergien allmählich abebbt und stagniert. Durch veränderte Lebens- und Konsumgewohnheiten können sich jedoch bestimmte Allergien weiter ausbreiten, wie das beispielsweise beim Austausch von Konservierungsstoffen in Pflegeprodukten zu beobachten ist (Methylisothiazolinon).
  3. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Lebensmittelunverträglichkeit? Eine Allergie ist eine vom Immunsystem gelernte Überreaktion gegen eine eigentlich nicht krankmachende Substanz. Anstatt Krankheitserreger bekämpft der Körper zum Beispiel Bestandteile der Erdnuss. Bei einer Lebensmittelunverträglichkeit führen jedoch andere Mechanismen zu Symptomen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Laktoseunverträglichkeit, also Milchunverträglichkeit. Hier funktioniert ein Enzym, das den Milchzucker spaltet, nicht richtig oder es geht im Laufe des Lebens verloren.
  4. Bei Lebensmittelunverträglichkeiten hat man schon den Eindruck, dass sie auf dem Vormarsch sind. Glutenfreie Lebensmittel im Supermarkt gab es früher nicht. Was ein Patient als Unverträglichkeit oder Allergie wahrnimmt und was sich nachweisen lässt, sind unterschiedliche paar Schuhe. Eine Unverträglichkeit von Gluten (eine Proteinmischung, die in vielen Getreidesorten enthalten ist) ist nicht so verbreitet, wie man aufgrund des Lebensmittelangebots meinen könnte. Häufig ist es so, dass Menschen mit Magen-Darm-Problemen viel ausprobieren und dann auch zu glutenfreien Produkten greifen. Die wenigsten brauchen das. Nur wenn die Unverträglichkeit medizinisch diagnostiziert ist, macht es Sinn, auf Gluten zu verzichten.
  5. Kann man Allergien vorbeugen oder Maßnahmen ergreifen, um ihre Wirkung abzumildern? Bei Säuglingen, die erblich vorbelastet sind, wird empfohlen, sie präventiv vier Monate lang voll zu stillen und die Beikosteinführung nicht zu verzögern. Bei Risikokindern sollten keine Katzen angeschafft werden. Sämtliche Empfehlungen sind auf der Seite www.awmf.org unter der Leitlinie Allergieprävention aufgeführt. Erwachsenen kann man nur raten, das Allergen zu meiden und zu reduzieren. Umstellungen in der Ernährung, wie sie beispielsweise im Internet empfohlen werden, um so das Immunsystem zu stärken, wirken sich nicht aus, erklärt Meller.
  6. Was können alternative Heilmethoden bei Allergien bewirken? Schulmediziner Meller betont, dass es keine wissenschaftlichen Belege für eine Wirkung bei Allergien gibt. Wenn Patienten von einer Besserung der Symptome berichten, sieht er dies als Folge des Placebo-Effekts. Dabei ist der Glaube an die heilende Wirkung ausschlaggebend, auch wenn das vermeintliche Mittel nur Wasser oder eine Mehltablette ist.
  7. Wann ist eine Immuntherapie (Hyposensibilisierung) sinnvoll, wann nicht? Bei einer Pollenallergie mit Heuschnupfen ist die Beeinträchtigung nicht zu unterschätzen: Die Leistungsfähigkeit ist reduziert. Es gibt Studien, wonach Pollenallergiker in der Pollensaison schlechter bei Prüfungen abschneiden als im Winter. Eine Hyposensibilisierung erscheint daher sinnvoll. Bei Tierallergien sind die Erfolgsaussichten nicht so gut, daher macht eine Immuntherapie nur in Einzelfällen Sinn. Das Tier abzugeben ist da der bessere Weg. Bei schwerem Asthma, das kaum mit Medikamenten zu kontrollieren ist, ist nicht immer eine Hyposensibilisierung möglich.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sind Kreuzallergien

(RP)