Düsseldorf: Sie bringt Tausende Schüler zum Singen

Düsseldorf: Sie bringt Tausende Schüler zum Singen

Seit 17 Jahren leitet Marieddy Rossetto den Chor des Städtischen Musikvereins. Als Studentin ging sie von Brasilien nach Deutschland - sie zog es in das Land, in dem Johann Sebastian Bach gelebt hat.

Eine einfache Zahl drückt am besten aus, was Marieddy Rossetto in den vergangenen Jahren für den Städtischen Musikverein geleistet hat: 388 Konzerte hat der Chor unter ihrer musikalischen Leitung gegeben. "Wenn ich das höre, wird mir etwas schwindelig", sagt Rossetto. Sie habe sich abgewöhnt, die vergangenen Konzerte zu zählen und blicke lieber nach vorne. Die gebürtige Brasilianerin, die in diesem Monat ihren 60. Geburtstag feierte, übernahm 2001 die musikalische Leitung des Städtischen Musikvereins. Seither leitet sie den Chor, der in der Düsseldorfer Tonhalle zu hören ist. Auch die "Singpause", ein Gesangsprojekt an Düsseldorfer Grundschulen, wird von ihr organisiert.

Das Leben von Rossetto drehte sich schon immer um die Musik. "Meine Mutter hat schon viel Musik mit mir gehört, als sie noch mit mir schwanger war", erzählt die Musikerin, die 1958 in São Paulo geboren wurde. "Als vierjähriges Mädchen habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Nach der Schule begann ich eine Klavierausbildung am Konservatorium und leitete einen Chor in meiner Heimatstadt."

Was der Unterschied zwischen deutschen und brasilianischen Chören sei? Rossetto schmunzelt: "Wenn es regnet, dann gehen die Menschen in São Paulo nicht zur Probe." Die Düsseldorfer seien da zuverlässiger - zum Glück, sagt die Musikerin.

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In diesem Jahr feiert der Musikverein sein 200-jähriges Bestehen, bis zum Saisonende stehen noch viele Konzerte an. "Wir sind ein Laienchor, unsere Proben finden nach langen Arbeitstagen statt. Die Mitglieder müssen einiges leisten, das ist nur mit viel Motivation möglich."

Rossetto kam als junge Studentin nach Deutschland. Sie hatte sich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst beworben und wurde unter Hunderten Bewerbern ausgewählt. "In Brasilien hören die Menschen gerne Volks- und Karnevalslieder", so Rossetto, die sich dagegen seit ihrer Kindheit für klassische Musik interessierte. "Ich wollte in das Land reisen, wo Johann Sebastian Bach gelebt hat. Um seine Musik zu verstehen, wollte ich dieselbe Luft riechen, wie er." Das sei ein echtes Abenteuer gewesen: "Um eine Minute nach Brasilien zu telefonieren, musste ich fünf Mark bezahlen, ein Brief brauchte länger als eine Woche." Die Musikerin entschied sich, in Deutschland zu bleiben. Sie leitete Chöre in Köln und Wuppertal und übernahm als erste Frau die musikalische Leitung des Städtischen Musikvereins. "Der Chor ist meine Lebensnahrung. Hier kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Aber wenn sie anfangen zu singen, dann sind sie synchron und nehmen aufeinander Rücksicht." Solch ein gemeinsames Erlebnis sei in der Gesellschaft selten, findet Rossetto.

Der runde Geburtstag war auch eine Gelegenheit, um innezuhalten. "Ich möchte den Chor in den nächsten Jahren an einen neuen Leiter übergeben", sagt sie. 17 Jahre seien eine lange Zeit, da brauche der Chor frischen Wind. Pläne hat sie auch schon: "Ich würde gerne mal wieder komponieren."

(RP)