Düsseldorf: Sicherheitslücken im neuen Justizzentrum

Düsseldorf: Sicherheitslücken im neuen Justizzentrum

Es parken kaum noch Möbelwagen vor dem Haupteingang, aber auch am zweiten Tag im neuen Justizzentrum kann von geregeltem Betrieb bei Amts- und Landgericht noch keine Rede sein.

Seit Anfang der Woche gilt der Umzug vom Altstadtgericht in den Justizneubau am Oberbilker Markt als beendet. Gestern offenbarte das topmoderne Sicherheitssystem aber erste Lücken. Während Besucher an den vier Kontrollschleusen des Zentraleingangs nach Waffen und gefährlichen Gegenständen durchsucht wurden, fand sich im Gebäude eine Teppichmesserklinge.

Gastronom und Kabarettist Manes Meckenstock bekam das Sicherheitskonzept der Justiz hautnah zu spüren. Bei seiner Visite musste er in der Sicherheitsschleuse sogar seinen Gürtel mit Metallschließe aus den Jeans-Schlaufen ziehen, bevor er den Metalldetektor ohne verdächtiges Piepsen passieren konnte.

Doch nur wenige Meter entfernt blitzte die Klinge eines Teppichmessers auf dem Marmorboden eines Gerichtsflurs. Den rasiermesserscharfen Stahl hatte offenbar einer der Bauarbeiter verloren. Handwerker und ihre Utensilien werden nicht durchsucht. Und Bauarbeiter sind im Gerichtsneubau noch unverzichtbar.

Mikrofon im Saal fehlt

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Die elektronische Hinweistafel für die Verhandlungen funktioniert seit gestern, aber die Mikrofon-Anlage ´blieb beim ersten Strafprozess stumm. "Ich begrüße alle zur ersten Strafverhandlung", rief der Schwurgerichts-Vorsitzende Rudolf Wolff mit erhobener Stimme dem Publikum im Raum 127 zu.

Ohne technische Hilfe verkündete er auch Stunden später das erste Urteil am neuen Standort: Ein 27-Jähriger aus Hilden muss wegen fahrlässiger Tötung eines Modellbau-Freundes für zwei Jahre in Haft. Eine andere Strafkammer, die gegen zwei inhaftierte Angeklagte zu verhandeln hatte, war gleich in den Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts am Kapellweg ausgewichen.

Die nächsten Prozesstage verhandelt aber auch diese Strafkammer im neuen Domizil in Oberbilk. Immerhin ist die Haftabteilung im Gebäudekeller schon seit Tagen einsatzfähig.

(RP)