So verändert sich der Medienhafen: Shopping-Sender auf Erfolgskurs

So verändert sich der Medienhafen : Shopping-Sender auf Erfolgskurs

Jeden Tag 24 Stunden live sendet QVC aus den Studios an der Plockstraße. Begonnen hat das Verkaufsfernsehen 1996 an der Kaistraße mit 50 Angestellten. Inzwischen hat das Unternehmen mehr als 3900 Mitarbeiter und 6,3 Millionen Kunden, die 2011 für einen Rekordumsatz sorgten.

Um Mitternacht steigen bei QVC die Einschaltquoten. Ab 24 Uhr stellt der Shopping-Sender sein Produkt des Tages vor. Am Fernseher verfolgen die Zuschauer, was die Moderatoren in den Düsseldorfer Studios anpreisen: Gestern ein Mittel gegen Insekten, heute eine Gesichtscreme und morgen Waschmaschinen. Gut 6,3 Millionen Kunden bestellen regelmäßig. Damit ist QVC auf der Erfolgsspur. Das Jahr 2011 war mit einem Nettoerlös in Höhe von 770 Millionen Euro das erfolgreichste Geschäftsjahr, seit QVC am 1. Dezember 1996 auf Sendung ging. Damals war Johannes Nitze schon dabei. Der heutige Abteilungsleiter in der Bild-Regie war einer von 50 Mitarbeitern, die Produkte ins rechte Licht rückten. Acht Stunden täglich präsentierte das QVC-Team damals alltägliche Kosmetik, Werkzeuge und Küchenutensilien. Seit Oktober 2003 sendet QVC rund um die Uhr live.

Mit der steigenden Zahl an Produkten und Kunden wuchs die Zahl der Angestellten. Der Firmensitz an der Kaistraße wurde zu klein, und QVC zog in den Neubau an der Plockstraße. Dort ist Nitzes Arbeitsplatz einer der modernsten Regie-Räume. Dutzende Bildschirme zeigen die Kameraeinstellungen im Studio. Da preist Modedesigner Harald Glööckler Blusen und Hosen an, Schönheits-Expertin Elisabeth Grant erläutert, wie ihre Gesichtscreme die Haut glättet.

Zurzeit beschäftigt der Sender 25 Moderatoren. Seit acht Jahren dabei ist die Düsseldorferin Dagmar Krautscheid. Durch die Augen der Kameras beobachtet Regisseur Nitze, wie sich Krautscheid mit einem Gast über die neuen Produkte unterhält. Per Mikrofon gibt Nitze den Kameramännern Anweisungen, was als nächstes in Großaufnahme ins Bild soll. Während Dagmar Krautscheid redet und in die Kamera lächelt, hört sie über einen winzigen Lautsprecher in ihrem Ohr, in welche Richtung sie die Bohrmaschine oder das Töpfchen mit Hautcreme halten soll. "Ich spreche manchmal mit 15 Kollegen gleichzeitig", sagt Nitze. Zum Beispiel mit Theresa Sipkowski. Die TV-Produzentin sitzt im Regie-Raum und beobachtet, wie viele Zuschauer bei der Bestellhotline anrufen. "Die Wartezeit ist null Minuten bei 121 Kunden in den Leitungen", sagt sie knapp. Als die Moderatorin Krautscheid über niedrigen Preise spricht, steigt die Zahl der Anrufer an. "Wir sehen sofort, was bei den Zuschauern gut ankommt", sagt Sipkowski. Die höchste Anrufer-Zahl lag bei 2000. Wer die QVC-Nummer wählt, landet nicht in Düsseldorf. Die Call-Center befinden sich in Bochum und Kassel. Mehr als 26 Millionen Anrufe wickelten die Call-Center-Mitarbeiter 2011 ab.

Dagmar Krautscheid ist eine der beliebtesten Moderatoren. Bei ihrer ersten Sendung sei sie so aufgeregt gewesen, dass ihr die Beine zitterten. "Gut, dass mein erstes Produkt Bettwäsche war und ich im Bett liegend moderieren konnte. Ich hätte nicht im Stehen arbeiten können." Die Arbeit live vor der Kamera sei das Besondere an QVC, betont sie. Obwohl sie viel Fanpost bekomme, sei nicht sie als Moderatorin der Mittelpunkt der Sendung: "Das Produkt ist der Star."

Mehr als 18 000 Artikel bietet QVC an. Gelagert werden Schuhe, Blusen, Kosmetik, Handwerkszeug, Töpfe in Hückelhoven. Von dort gehen die Päckchen auf ihre Reise zum Kunden. Aber es gibt auch ein Lager auf dem Studiogelände Düsseldorf. Von jeder Produktreihe befinden sich zwei Stück auf den drei Etagen, auf denen Dirk Möller den Überblick behält. Der Manager kann innerhalb von zwei Minuten jedes Stück finden, um es ins Studio zu bringen. Die schnelle Reaktion sei nötig, nennt Möller ein Beispiel:. "Schauspieler Ralf Bauer präsentierte bei uns seine Yoga-DVD. "Eine Stunde Sendezeit war geplant, aber in einer halben Stunde war die DVD ausverkauft. Da mussten wir schnell für die restlichen 30 Minuten einen Ersatz finden."

(lod)
Mehr von RP ONLINE