Serie „So wohnt Düsseldorf“: Sylvia Adamec hat eine 53-Quadratmeter-Wohnung umgebaut

Serie „So wohnt Düsseldorf“ : Klein, fein und alles selbstgemacht

Sylvia Adamec hat ihre Wohnung umgebaut, Wände versetzt, Fliesen gelegt – und so 53 Quadratmeter zu ihrem Reich gemacht. Jetzt hat die Wohnung sogar eine Schaukel.

Die Szene wäre reif für „Vorsicht Kamera“: Eine Frau betritt einen Baumarkt, blond, kurzes Kleid, roter Lippenstift. Der Mitarbeiter denkt wahrscheinlich jetzt: Was will die Tussi? Dann verlangt sie einen 18-er SDS Plus Bohrkopf und erlebt ein kleines Wunder.

Der Mann ändert seinen Blick, seine Körperhaltung, nimmt die Frau als Profi wahr. Was würde er erst sagen, wüsste er, dass diese zierliche Person ihre komplette Wohnung selbst umgebaut hat? Vermutlich: Die Frau ist der Hammer!

Mitten in Pempelfort, nur ein paar Schritte von der Rochuskirche entfernt: Die Gegend ist lebendig, das Haus unscheinbar. Aber genau hier, im vierten Stock, ist Sylvia Adamec am Ziel ihrer Wohnwünsche angekommen: 53 Quadratmeter, auf denen alles Platz findet, was die Frau zum Leben braucht. Und was sie selbst geschaffen hat. Man sieht es auf den ersten Blick: Dicke Bretter zu bohren, ist für sie im wahren und übertragenen Sinne des Wortes kein Problem.

In der Diele hängt ein schicker Strohhut neben einem rosa Bauarbeiterhelm – ein Geschenk von Freundinnen. Daneben geht die Tür ab zum Bad, ach was, zur Wellness-Oase, vielleicht ihr Meisterstück. „Das Bad war klein, hatte 08/15-Kacheln und eine Dusche, aber ich bade doch so gern,“ sagt sie.

Dieser Wunsch hat eine größere Aktion in Gang gesetzt: Sylvia Adamec versetzte eine Wand, zwackte Platz von der Küche ab, damit eine Wanne ins Bad passte, die sie in eine Wandnische einbaute – „mit viel Fummelei“. Die Kacheln in einem schwarz-weißen französischen Muster verlegte sie ebenfalls selbst, war auch schwierig, aber sie hat‘s hingekriegt.

Der Rest der ehemaligen Küche wurde zum Einbauschrank und die neue Kochzeile in den Wohnraum integriert – auch hier lohnt sich ein genauer Blick. Denn Sylivia Adamec wollte keine vorgefertigte Lösung, hat deshalb ein schwarzes Gründerzeitschränkchen „mit Millimeterarbeit“ unter das Kochfeld eingebaut.

Und warum ragt die Arbeitsplatte ein Stück über die Unterschränke hinaus? „Das ist mein Arbeitsplatz“, sagt sie, setzt sich auf einen Hocker und klappt ihr Laptop auf dem Stückchen Freifläche auf.  So fügen sich einzelne Ideen zum Gesamtkonzept, auf wenig Platz das unterzubringen, was unverzichtbar ist. Dafür hat sie sich rigoros von vielen Dingen getrennt. „Ich besitze exakt noch fünf Bücher,“ erzählt sie.

Den Fußboden („Buche-Fertigparkett, langweilig“) hat sie weiß lackiert, aber so, dass die Holzstruktur noch erkennbar ist. Die Industrie-Wendeltreppe zu ihrer Schlafempore wechselte von weiß zu schwarz und behauptet sich nun als Raumskulptur.

Darunter bietet ein Biergartentisch, der seine schlichte Herkunft ebenfalls unter schwarzem Lack verbirgt, maximal acht Menschen Platz. Ein paar Design-Klassiker prägen den Raum wie auch ein Sofa mit gelben Sitzkissen, die gelegentlich zu Rot wechseln. Wer hat das großformatige Bild darüber gemalt? „Das war ein Duschvorhang für 9,99 Euro.“ Den hat sie geglättet und aufgezogen, die Wirkung ist verblüffend.

Mit einer Teleskopleiter lässt sich eine zweite Empore erklimmen, die früher 60 Zentimeter schmal war – „aber was macht man damit?“. Nun, sie hat das schmale Stück durch ein Brett verbreitert, das von einem Balken abgestützt wird. Jetzt hat auf der Empore ein Sofa Platz, das als Gästebett genutzt wird.

Und hinter dem Balken verbirgt sich eine aufgerollte Leinwand, „zum Fußballgucken“. Mit 30 Menschen hat sie in ihrer Mini-Wohnung schon gefeiert, auch weil dazu eine großzügige, dreieckige Terrasse gehört. Die kommt als Nächstes ins hauseigene Beauty-Programm, die Steinplatten sollen schwarz-weiß gespritzt werden – „nach marokkanischem Muster“.

Wieso sie das alles kann? Sylvia Adamec ist ausgebildete Elektrikerin, hat in der Möbelindustrie Karriere gemacht, arbeitet heute als Bauleiterin. Und sie gibt Handwerkskurse für Frauen. „Sie glauben ja nicht, wie sehr eine selbstgestrichene Wand das Ego stärkt.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: So wohnt Düsseldorf - Wohnung mit Schaukel in Pempelfort

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