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Serie „So wohnt Düsseldorf“: Otto-Hahn-Siedlung in Wersten - nah am Wasser gebaut

Serie „So wohnt Düsseldorf“ : Otto-Hahn-Siedlung in Wersten - nah am Wasser gebaut

Durch die Otto-Hahn-Siedlung in Wersten fließt eine Gracht, die sich 50 Hausbesitzer teilen – mit Fischreihern, Störchen und Fröschen.

Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Vor allem dann, wenn man vergeblich ein neues Zuhause sucht. Alles hätten sie akzeptiert: ein Grundstück um selbst zu bauen, ein Reihenhaus, eine Doppelhaushälfte, ein altes Haus zum Umbauen. Gunilla Klinkhammer und ihr Mann Jörg Magar sind Architekten, an Fantasie und Wissen, auch in einer scheinbar unattraktiven Immobilie noch Potenzial zu erkennen, hätte es ihnen sicher nicht gemangelt.

Aber das Ergebnis ihrer Suche war dürftig: „Nichts, was auch nur einigermaßen bezahlbar war, hat uns gefallen.“ Während sie sich daran erinnern, schauen sie entspannt auf eine Gracht, die direkt an ihrem Garten vorbeifließt. Das nennt man Glück.

Denn es war eine ganz normale Immobilienanzeige, durch die sie vor fünf Jahren dieses Haus für sich und ihre beiden Kinder in der Otto-Hahn-Siedlung (benannt nach dem Nobelpreisträger für Chemie) in Wersten gefunden haben. Konzipiert hatte sie der Düsseldorfer Architekt Jens Peter Volkamer, von dem auch die Entwürfe für die Bibliothek und den Roy-Lichtenstein-Saal der Uni stammen.

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Er fand seine Inspiration an vielen Orten, vor allem in Skandinavien und den Niederlanden. Und deshalb ist diese Werstener Siedlung nah am Wasser gebaut - ein Hauch von Holland ist hier spürbar. „Dabei hatte mein Vater die Wasserfläche ursprünglich drei Mal so groß geplant“, erinnert sich sein Sohn, Sebastian Volkamer-Scheidler, ebenfalls Architekt. Er vermutet, dass den städtischen Behörden damals zu Beginn der 1980er Jahre offenbar der Mut zu einem so ungewöhnlichen Konzept fehlte. Zu spät kam die Erkenntnis, welche Lebensqualität mit einem Wasserlauf durch die Siedlung fließen würde.

Immerhin 50 Hauseigentümer genießen heute das „totale Urlaubsgefühl“, so Gunilla Klinkhammer, sie sind gemeinsame Eigentürmer der 130 Meter langen Gracht und des schmalen Uferstreifens, an den sich die privaten Gärten anschließen. Im Sommer muss das ein Naturparadies sein, im Wasser schwimmen Fische, die wiederum Fischreiher anlocken, aber auch Schildkröten, Frösche, Störche und Igel fühlen sich offenbar wohl.

„Habt ihr nicht mit Mücken zu kämpfen?“, ist immer die erste Frage, die die beiden Hausbesitzer von ihren Freunden zu hören bekommen. „Dabei erledigen die Frösche und Kröten das Problem.“ Überhaupt fühle man sich hier ein bisschen wie auf dem Land und doch stadtnah, „ich bin in 20 Minuten mit dem Rad in der Innenstadt“, so Jörg Magar.

So unterschiedlich der Baustil der Reihen- und Mehrfamilienhäuser auch ist, durch die Backsteinfassaden mit ihren schwarzen Holzgiebeln und roten Fensterrahmen bekommt die Siedlung eine einheitliche, harmonische Optik. Auch nach über 30 Jahren wirkt die Architektur zeitlos und markant, kein bisschen angestaubt. „Wie zufrieden die Bewohner damit sind, zeigt sich auch daran, dass sie am äußeren Erscheinungsbild nichts verändert haben“, meint Gunilla Klinkhammer. Die Bausubstanz sei extrem gut und die Grundrisse keineswegs typisch für Reihenhäuser (normalerweise: rechts vom Eingang die Küche, links Garderobe und Gäste-WC oder umgekehrt).

Das Haus des Architektenpaares betritt man durch einen kleinen Windfang und steht dann gleich in einer großen Küche, deren Möbel nach eigenen Entwürfen angefertigt wurden. Am Esstisch ist gerade genug Platz fürs gemeinsame Frühstück und am Nachmittag für die Schularbeiten der Kinder – hier rückt die Familie zusammen.

Der Blick zum Wohnraum wird unterbrochen durch eine offene Treppe hinter Glasscheiben, die mitten im Haus ins erste Stockwerk (mit Schlafzimmern und Bad) führt. Zentrum des Raumes ist der offene Kamin, der jetzt im Winter fast jeden Abend befeuert wird.

Das Paar hat dem Raum eigene Akzente verpasst, den großen Eichenesstisch hat Jörg Magar (der vor seinem Architekturstudium eine Schreinerlehre absolviert hat) selbst gebaut. Dazu passt der Fußboden aus geräucherter, geweißter Eiche. Da das Haus keinen Keller hat, müssen Gartengeräte draußen untergebracht werden.

Statt eines Gartenhäuschens entschloss sich das Paar zu einer glatten, großen Holzbox, die im Sommer auch als Sitzbank genutzt werden kann. In ihr ist eine Plastikkiste aus dem Baumarkt untergebracht für Gerätschaften und den Grill. „Damit nichts, aber auch gar nichts den Blick aufs Wasser stört.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Otto-Hahn-Siedlung in Düsseldorf-Wersten - wohnen an der Gracht