Serie „So wohnt Düsseldorf“: Ökodorf Unterbach - wo man das Gras wachsen hört

Serie „So wohnt Düsseldorf“ : Ökodorf Unterbach - wo man das Gras wachsen hört

Vor genau 30 Jahren wurde das Ökodorf Unterbach fertig - mit 30 Holzhäusern, zwei Gassen und einem Dorfplatz. Was ist aus der Utopie von einst geworden?

Ein Feriendorf irgendwo in Schweden? Mit Holzhäusern, die einander ganz nahe rücken, als wollten sie sich Halt geben. Mit schrägen Dächern, auf denen man das Gras wachsen hört. Vermutlich landet man an einem See mit Kahn, wenn man Bäume und Büsche hinter sich lässt. So viel zum ersten Eindruck.

„Wir fühlen uns tatsächlich immer ein bisschen wie im Urlaub“, meint Karin Grunwald, die von Beginn an in dieser Siedlung lebt: im Ökodorf Unterbach. Gebaut auf dem Fundament einer gemeinsamen Utopie – vor genau 30 Jahren. Zwei Ziele beflügelten damals die Planung: Eine Gruppe Düsseldorfer, die meisten hatten Kinder in der Waldorf-Schule, wünschten sich ein neues Lebensmodell. Sie wollten ökologisch bauen, und sie wollten Gemeinschaft leben. „Wir sind belächelt worden“, erinnert sich Karin Grunwald. Als „Schuhschachteln“ wurden die Häuser kritisiert, außerdem galt Holz in jenen Jahren nicht gerade als attraktives Baumaterial.

Die Gruppe kümmerte das nicht, sie kaufte ein Areal von der Stadt und suchte Architekten, die ihre Visionen umsetzten: So entstanden 30 Häuser unterschiedlicher Größe an zwei gepflasterten Gassen (damit das Regenwasser versickern kann), die an einem Dorfplatz enden. An jedem letzten Sonntag der Sommerferien verwandelt er sich in einen Festplatz, dann versammeln sich alle Bewohner der Siedlung an einer langen Tafel zu einem gemeinsamen Pasta-Mahl.

So turbulent war es zu Beginn öfter, als noch 56 Kinder durch das Dorf tobten. Heute sind sie längst erwachsen, viele haben eigene Familien, mit denen sie heute zu Besuch kommen. „Und wenn mal ein Haus verkauft wird, dann zieht meist wieder eine junge Familie ein“, berichtet Karin Grunwald. Familien, die schätzen, dass die Kinder in den Gassen spielen können, ohne durch Autos gefährdet zu sein. Aber auch, dass sich hier alle kennen, sich gegenseitig helfen, den großen Gemeinschaftsraum mit Terrasse für regelmäßige Dorftreffen, für Yoga- und gelegentliche Tanzkurse nutzen.

„Niemand ist hier isoliert“, so Grunwald. Was vor allem an den Menschen, aber auch an den Prinzipien der Architektur liegt. So sind alle Hauseingänge einander zugewandt. Und: Sie öffnen sich nicht in dunkle Dielen, sondern in lichte Wintergärten. Karin Grunwald nutzt ihr gläsernes Entree gern morgens zur Zeitungslektüre – und sieht dabei jeden, der vorbeigeht.

„Mal winkt man nur kurz, mal redet man miteinander.“ Denn jeder weiß: Sitzt sie im Wintergarten, ist sie ansprechbar. An einem Nachmittag in der Woche gilt das besonders: Da kümmert sich Katrin Grunwald um zwei Schulkinder aus der Nachbarschaft, bastelt und spielt mit ihnen, bis ihre Mutter von der Arbeit kommt.

Ihr Haus zählt mit 118 Quadratmetern zu den kleineren und erinnert mit seinem roten Anstrich erst recht an ein schwedisches Ferienhaus. Auch im Inneren setzt die Besitzerin auf die Kraft der Farben: Der Wohnraum zeigt alle Nuancen von Türkis – ob Teppich, Ledersofa, Kissen oder Keramiken (viele stammen von ihrem Lebensgefährten) – „die Farbe der Harmonie, der Ruhe“.

Das Bad, soeben nach ihren Wünschen neu gestaltet (inklusive japanischem Dusch-WC), bekommt Tageslicht durch zwei große schräge Dachfenster und leuchtet in Orange – „da bekomme ich sofort gute Laune.“ Der Raum im Obergeschoss hat eine doppelte Funktion: Er wird als Schlafzimmer und als Arbeitsraum genutzt. Dort fertigt Karin Grunwald ihre Schmuckstücke, bei denen „alles was kreucht“, eine dominante Rolle spielt: Eidechsen, Spinnen, Frösche. Deshalb spiegelt dieser Raum die Farben des Regenbogens: „Das regt die Fantasie an und fördert die Kreativität.“

Das gilt auch für ihren Garten, der klein (46 Quadratmeter) und zauberhaft zugleich ist, einem Kanadischen Ahorn ebenso Platz bietet, wie einer winzigen Laube mit Bank, umrankt von wildem Wein: „Hier wachsen mir die Trauben direkt in den Mund.“ Es sei schon ein besonderes Lebensgefühl, hier zu wohnen, meint sie. Und weist beim Gang durchs Dorf noch mal auf die schrägen Grasdächer, die das Regenwasser aufnehmen, dadurch wird die Kanalisation entlastet.

Außerdem: „Was wir der Natur weggenommen haben, als wir gebaut haben, geben wir ihr mit den Dächern wieder zurück. Wenigstens ein bisschen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wohnen im Ökodorf Unterbach in Düsseldorf

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