Serie „So wohnt Düsseldorf“: Kurz vor ihrem 80. Geburtstag gestaltete eine Düsseldorferin ihre Wohnung neu.

„So wohnt Düsseldorf“ : Bleiben oder ausziehen? Bleiben!

Kurz vor ihrem 80. Geburtstag gestaltete eine Düsseldorferin ihre Wohnung neu und bekennt noch einmal kräftig Farbe. Auch das Bad bekam eine Frischekur.

Die Frage lässt sich irgendwann nicht mehr ignorieren, fordert Antworten: Wie will man leben im Alter? Eine Zeitlang hat sie ernsthaft an einen Umzug in eine Seniorenresidenz gedacht. Hat sich mit Freundinnen beraten. Dann hat sie sich entschieden: zu bleiben.

Und ihre Wohnung, in der sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat, noch mal kräftig aufzufrischen. Denn der Satz „das lohnt sich doch nicht mehr“, der hat im Sprachgebrauch von Ingrid Weber (Name von der Redaktion geändert) keinen Platz. „Der Satz macht alt“, findet sie. Sie muss es wissen, denn sie feiert bald ihren 80. Geburtstag.

Wie sie da steht in ihrer Eingangstür, weiße Hose, grau-weiße Bluse in Schlangenoptik, dezent geschminktes Gesicht, flotte Bewegungen – nein, man sieht ihr das Alter gewiss nicht an. Sie nimmt das Kompliment lächelnd an und meint: „Sie müssten erst mal meine ältere Schwester sehen...“ Diese ist Malerin und mit ihrer Kunst in diesen Räumen sehr präsent.

Ingrid Weber wohnt in diesem Haus, seit sie 23 Jahre alt ist, erst in einem Mini-Appartement, dann ist sie umgezogen in den vierten Stock: 54 Quadratmeter, zwei Balkone, Aufzug.

Die Königsallee ist nur ein paar Schritte entfernt, ein Supermarkt für die täglichen Wünsche auch. „Ich habe alles, was ich brauche, in der Nähe und kann überall schnell sein“, erklärt sie, lauter Gründe, die entscheidend waren für ihren Entschluss zu bleiben.

Früher hat sie Golf gespielt, seit der Rücken zwackt, widmet sie ihre Zeit einer neuen Leidenschaft: dem Bridge. Dazu trifft sie drei Mal in der Woche ihre Freundinnen – „oft spielen wir auch bei mir“. Bis zu neun Frauen in einer kleinen Wohnung, „kein Problem“, betont die Gastgeberin.

Das liegt auch an der idealen Raumaufteilung. Das Wohnzimmer hat bei der Quadratmeterverteilung eine üppige Portion abbekommen und lässt sich durch einen Trick verändern. Denn der kleine Biedermeiertisch (normalerweise begleitet von zwei Stühlen, die aus dem 18. Jahrhundert stammen) ist ein Verwandlungskünstler, hat er doch eine zweite, viel größere Platte, die Ingrid Weber einfach auf die kleinere legt – und schon hat eine große Runde Platz in ihrer guten Stube.

Früher war ihr Sofa lindgrün (und vom Licht längst verblasst) ein großer Lesesessel behauptete sich in kräftigem Terrakotta, dazu ein Teppichboden in einem etwas helleren Apricot-Ton. Nun aber wollte Ingrid Weber noch mal Farbe bekennen: Sie ließ ihr Sofa mit einem neuen weichen Stoff beziehen – in Lila, dazu passt der nun sandfarben verwandelte Sessel und ein lindgrüner Teppichboden – Kissen schaffen die Verbindung aller drei Farben und bilden eine Brücke für den Blick.

Dazu hat sie sich aus dem schwesterlichen Fundus neue Bilder ausgesucht: Aquarelle, in denen ebenfalls die Farbe Lila den Ton angibt. Drei Stehlampen, die an Blütenstiele erinnern („meine Tulpenlampen“), hat sie selbst entworfen und in einer Metallwerkstatt anfertigen lassen.

Eine Frischekur bekam schon vor einiger Zeit das Bad, das einst kleine gelb-beige Kacheln hatte – geflieste Langeweile. Heute wirkt es kühl-elegant wegen einer silbrig schimmernden Tapete und großformatigen Kacheln. Nur ihr Schlafzimmer blieb, wie es war, „weil es einfach schön ist“, mit seiner frühlingsfrischen Decke auf dem Bett, einem blühend-gelben Aquarell an der gegenüberliegenden Wand und Morgensonne.

Auf dem kleinen Balkon wiegt sich eine japanische Weide im Wind, Hinterhofstille. Ingrid Weber zupft ein paar Blätter ab und weiß wieder mal ganz sicher: „Es war absolut die richtige Entscheidung, hier zu bleiben.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: „So wohnt Düsseldorf“ - frische Farben für die Wohnung

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