Düsseldorfer Kunstmesse Sensation: Warhols Düsseldorf-Bild

Düsseldorf · Mehr als ein Vierteljahrhundert lang war ein Bild des amerikanischen Pop-Künstlers der Öffentlichkeit entzogen. Nächste Woche wird es auf der Düsseldorfer Kunstmesse gezeigt: ein Motiv aus dem Stadtteil Oberkassel. Der Siebdruck ist mit Diamantstaub überzogen.

 Das "verschollene" Warhol-Bild.

Das "verschollene" Warhol-Bild.

Foto: Galerie Ludorff

Andy Warhol und Düsseldorf — diese Beziehung verband sich bislang mit einer Ausstellung der Galerie Hans Mayer, in welcher der amerikanische Pop-Star 1979 seine "Indian Portraits" zeigte — wodurch er auf der Vernissage Joseph Beuys kennen lernte. Fortan waren Warhol und Beuys Freunde. Warhol fertigte von Beuys ein Polaroid-Foto an und nutzte es als Vorlage für Serigraphien von dessen Bildnis. Viele dieser Werke überzog er mit Diamantstaub.

Warhol flog dann mehrmals nach Deutschland, um Porträtfotos zu machen als Vorlage für spätere Gemälde. Dabei stieß er auch auf ein in Rheinnähe gelegenes Gebäude im Stadtteil Oberkassel: ein trutzig wirkendes Eckhaus am Luegplatz/Ecke Kaiser-Friedrich-Ring aus dem Jahr 1905. Daraus entstand jenes Bild mit dem Titel "Oberkassel", das jetzt erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden soll.

Rainer M. Ludorff, Galerist an der Düsseldorfer Königsallee, hat das Werk nach ausgedehnten Recherchen in einer Privatsammlung in Monte Carlo entdeckt und wird es nun auf der "antique & kunstmesse düsseldorf" anbieten. Warhol zeigt den Bau vor einem leuchtenden Rot, eingebettet in die benachbarten Häuserzeilen. Einzelne Fassadenteile sind in Grün, Blau, Türkis und Gelb gestaltet. Diamantstaub ruft einen Glitzereffekt hervor.

Die Technik, die dem Bild zugrunde liegt, ist der Siebdruck. Mit Hilfe einer Gummischiene wird dabei die Farbe durch ein engmaschiges Sieb auf den Bildträger gedrückt. Auf die Frage in einem Interview, wann er das Malen durch das Siebdruckverfahren ersetzt habe, antwortete Warhol: "So um 1962, obwohl die Bildgründe immer mit der Hand angelegt werden, bevor der Siebdruck aufgebracht wird. "

Was Warhol an dem Oberkasseler Auftrag eines Privatmanns ästhetisch gereizt haben mag, darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen. Offenbar waren es die markanten Details des 1905 von Theodor Balzer geschaffenen Gebäudes; Balzer war Architekt und Bauherr zugleich. Das massige Haus besticht durch seinen Arkadenportikus im Erdgeschoss, den Balkon mit Balustrade, den Erker und den hoch aufragenden Turm.

"Oberkassel" zählt zu Warhols Spätwerk. Es besteht aus mehreren bedeutenden Serien; darunter die Mao-, Skulls-, Oxidations- oder Shadowbilder.

Sechs Jahre nach dem "Oberkassel"-Bild starb Andy Warhol überraschend unter bis heute ungeklärten Umständen an den Komplikationen einer Gallenblasenoperation in New York. Den Obduktionsberichten zufolge soll er im Schlaf einen Herzinfarkt oder einen Lungenstillstand erlitten haben.

Als Haupterben seines auf 100 Millionen Dollar geschätzten Vermögens hatte der Künstler neben Familienmitgliedern die Gründer einer Stiftung bestimmt. Allein die Werke aus Warhols Privatsammlung — Bilder unter anderem von Cy Twombly und Robert Rauschenberg — erbrachten bei einer Versteigerung einen Erlös von mehreren Millionen Dollar.

(RP)