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Düsseldorf: Seniorin steckt sich selbst in Brand

Düsseldorf : Seniorin steckt sich selbst in Brand

In einer Spezialklinik erlag die 79-Jährige wenig später ihren Verletzungen. Ein Pfleger, der ihr zu Hilfe gekommen war, erlitt Verbrennungen. Das Personal des Pflegeheims steht unter Schock.

Die Bilder werden sie wohl nie vergessen, die Mitarbeiter des Senioren- und Pflegeheims "Zum Königshof", die am Mittwoch miterlebten, wie eine 79-jährige Bewohnerin durch Feuer schwer verletzt wurde.

Die Seniorin hatte gegen 21.15 Uhr auf dem Flur des Heims, in dem sie seit etwa acht Wochen lebte, wohl eine Zigarette rauchen wollen und dabei ihre Kleidung versehentlich in Brand gesteckt. Ein Pfleger fand die in Flammen stehende Frau, erstickte das Feuer mit einem Pulverlöscher und brachte die Seniorin zusammen mit seinem Kollegen aus dem verqualmten Flur im ersten Stock in Sicherheit.

"Sie stehen unter Schock, sind aber - bis auf den Pfleger, der bei dem Löscheinsatz selbst verletzt wurde - alle arbeitsfähig und heute auch im Dienst", sagt Birgit Kleekamp, Leiterin der Einrichtung, die von der Graf-Recke-Stiftung betrieben wird. Sie war am Abend selbst im Heim, hatte auch die Angehörigen der Seniorin informiert, die vom Notarzt in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik nach Duisburg gebracht worden war. Dort gibt es eine Spezialabteilung für Verbrennungsopfer, doch auch dort war die 79-Jährige, die zu 30 Prozent schwerste Verbrennungen erlitten hatte, nicht zu retten. Sie starb gestern Vormittag.

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Die Kriminalpolizei hat routinemäßig die Ermittlungen aufgenommen. "Es hat uns sehr erleichtert, als wir von den Polizisten eine erste Rückmeldung bekamen, wonach es kein Verschulden von uns gibt", sagt die Heimleiterin. Denn sie hat mit ihrem Team gestern vor allem auch darüber gesprochen, "ob wir Fehler gemacht haben".

Die Seniorin, die seit knapp zwei Monaten im Königshof lebte, litt an einer dementiellen Erkrankung und gab, wie in diesen Fällen im Königshof üblich, die Rauchutensilien beim Pflegepersonal in Verwahrung. Zwar gelte im gesamten Haus Rauchverbot. "Wir können unseren Bewohnern aber das Rauchen nicht verbieten", sagt Kleekamp. Bei voll orientierten Senioren, die in Einzelzimmern wohnen, sei das in der Regel auch kein Problem. Demenzkranken Rauchern biete das Personal Hilfe an. Sie werden zum Rauchen nach draußen begleitet, bekommen bei Bedarf auch Hilfe beim Anzünden. Und sie geben Feuerzeug und Tabakwaren bei den Pflegern ab, die beides verwahren. Manche, sagt Kleekamp, "vergessen, dass sie einmal geraucht haben und verlangen nicht mehr danach". Andere fragten oder signalisierten durch ihre Verhalten, dass sie gern rauchen würden - dann sei das Personal zur Stelle. Wie die 79-Jährige am Mittwoch an das Feuerzeug gekommen ist, "ist uns ein Rätsel".

An der Praxis wird sich auch nach dem tragischen Tod der 79-Jährigen nichts ändern. "Auch Menschen mit Demenz haben ein Recht auf Freiheit und Würde", sagt Kleekamp. Man könne nicht einfach Dinge verbieten, die sie immer schon getan hätten. "Wir werden nun noch genauer darauf schauen müssen, was jeder einzelne noch kann."

(RP)