Senioren tauschen sich in Düsseldorf am Telefon aus

Initiative : Eine Herzensangelegenheit

Der Grafenberger Dagobert Hellebrand ist sozial äußerst aktiv. Jetzt hat der Ex-Banker das Projekt „Herzensgespräche“ initiiert. Dabei werden einsame Senioren zusammengeführt, um sich am Telefon auszutauschen.

Dagobert Hellebrand war sein Leben lang Banker, Direktor des Firmenkundengeschäfts bei HSBC Trinkaus in Düsseldorf. Sozial aktiv war er schon währenddessen, hat etwa bei der Telefonseelsorge gearbeitet. Daraus entstand dann auch die Idee für „Herzensgespräche“, die er nach seiner Pensionierung in Angriff nahm: Senioren, die sich einsam fühlen, werden zusammengeführt, um am Telefon zu reden.

Das ist aber beileibe nicht alles, was der inzwischen 70-Jährige ehrenamtlich alles so macht. Bei der Arche in Wersten – dort hatte sich seine Bank bereits engagiert – spielt er mit Kindern Klavier. Am Landgericht war er als Handelsrichter tätig, unterstützte die Profi-Juristen in Wirtschaftsfällen, ein gerechtes Urteil zu fällen, „jetzt bin ich dafür zu alt“. Für die Entsendeorganisation SES reist er in Entwicklungsländer und hilft mit seinem Know-how. „Zuletzt war ich bei einer Bank in Moldawien, einem heruntergekommenen Sowjet-Laden“, erzählt Hellebrand. Wenn der Grafenberger in den Urlaub fährt, dann zum Beispiel auf eine Alm im Tessin, wo er unentgeltlich einem Ziegen-Hirten zur Hand geht. Im Mai fliegt der 70-Jährige zum fünften Mal in die Schweiz, wo er im Rahmen eines Bergwald-Projekts eine Woche lang bei Aufforstungsmaßnahmen hilft oder abgestorbene Äste aus dem Wald zieht. „Da stoße ich körperlich an meine Grenzen, das ist toll.“

Jetzt also noch die „Herzensgespräche“. „Es geht darum, Menschen auf Augenhöhe am Telefon zusammenzubringen, wir sind nur die Vermittler“, sagt Brigitte Vesenbeckh, die das Projekt gemeinsam mit Hellebrand leitet. Rund zwei Dutzend Multiplikatoren helfen mit, für das Gewerbe – als solches hat Hellebrand es angemeldet – zu werben. Gut 250 Menschen der Generation 60+ haben bereits Gefallen an der Idee gefunden. Interessenten speichern anonym ihre Telefonnummer bei „Herzensgespräche“ und erhalten fünf Nummern von potenziellen Gesprächspartnern, die eigene Nummer wird an fünf weitere Personen weitergegeben.

„Ob die Absichten ehrlich sind und wer womöglich mit wem kann, klären wir bei einem Willkommens-Gespräch“, sagt Vesenbeckh. „Und es ist absolut ausgeschlossen, dass über die Rufnummern Namen und Anschriften der Teilnehmer ausfindig gemacht werden können“, ergänzt Hellebrand. Was nicht heißt, dass die Personen sich nicht auch mal treffen dürfen, „sie sind ja erwachsen“, so Vesenbeckh. Allerdings: Die Teilnehmer kommen eben aus ganz Deutschland, dass zwei in einer Stadt wohnen, wäre dann eher Zufall. Fünf Euro im Monat kostet die Teilnahme an „Herzensgespräche“, „weil, was nichts kostet, bekanntlich auch nichts ist“, sagt Hellebrand, und ein bisschen Geld fällt ja auch für Verwaltung oder Werbung an.

Dagobert Hellebrand ist überzeugt, dass die Initiative weiter Schule machen wird. Der Vorteil einer Telefonfreundschaft liegt für ihn auf der Hand: „Man bleibt anonym. Jeder gibt nur so viel von sich preis, wie er möchte. Und trotzdem gelingt es, dass der Gesprächspartner mit jedem Mal vertrauter wird.“ Und da der Mensch am anderen Ende der Leitung auch das persönliche Umfeld nicht kennt, besitzt er die nötige Distanz, Ereignisse oder auch Gedanken aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Langfristig müssen sich die „Herzensgespräche“ auch gar nicht zwingend auf Senioren beschränken. „Natürlich, auch Jüngere können einsam sein, zum Beispiel, wenn eine Krankheit ins Spiel kommt“, sagt Brigitte Vesenbeckh.

Info: www.herzensgespraeche.de, Telefon 0800 2234 888